26.03.2018 - 14:00 Uhr
Waldsassen

Organist Gerhard Siegl und Stadtpfarrer Thomas Vogl gestalten ein Konzert mit Musik von Marcel ... Passion in Wort und Ton

Von Peter K. Donhauser

Gerhard Siegl ist Kirchenmusiker, Dozent an der Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik in Regensburg und Orgelsachverständiger des Bistums
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Waldsassen. Eine meditative Passionsstunde der etwas anderen Art erleben die Konzertbesucher am Palmsonntag-Nachmittag in der Stiftsbasilika. Thema war der Kreuzweg, Gerhard Siegl spielt "Le Chemin de la Croix" op. 29 von Marcel Dupré (1886-1971) aus dem Jahr 1932. Stadtpfarrer Thomas Vogl liest dazu Texte von Paul Claudel (1868-1955), die Dupré zu seinen später notierten Improvisationen angeregt hatten.

Bildreiche Sprache

Claudel war Diplomat, nach einer religiösen Berufungs-Erfahrung wurde er Benediktiner-Oblate und unterstützte mit geistlich-literarischen Werken den "Renouveau catholique", der die säkulare Gesellschaft Frankreichs in Richtung eines ursprünglichen Katholizismus lenken wollte. Seine 14 Gedichte sind in einer farbigen, bildreichen Sprache verfasst. Sie erzählen den Kreuzweg aus der Perspektive eines fiktiven Beobachters, reflektieren dessen Gedanken und Gefühle, lassen Personen (Pilatus, Jesus) sprechen und treten in Dialog mit ihnen, zitieren die heilige Schrift. Claudel stellt das Opfer in den Mittelpunkt, nicht die Frohbotschaft der Erlösung. Auch in der deutschen Übersetzung von Marie Fassbinder kommt sein pathetischer Sprachduktus zum Ausdruck, der heute, 85 Jahre später doch etwas befremdet.

Spirituell erfüllte Musik

Vogl tut gut daran, dem durch eine nüchterne, nie schwülstig-aufgeladene Rezitation entgegen zu wirken. Dies trifft sich mit der spirituell erfüllten Musik von Dupré, die meditativ, mystisch, betroffen, ja aufgewühlt sein kann, die sich aber nie in weinerliche Wehklage und sentimentale Gefühlsduselei flüchtet. In gleichem Geiste interpretiert Gerhard Siegl das große Opus von Dupré: aus der Kraft suggestiver Ruhe, eng am Notentext, flüssige, nie verschleppte Tempi, geschliffene Artikulation. Bei schnellen Partien wie in der 13. Station mit sicherer Virtuosität, die auch bei den Doppel-Pedalstellen nicht verloren geht, die sich optisch nie in den Vordergrund drängt.

Schon bei der 1. Station wird klar, dass sich Siegl sehr genau mit den von Dupré gewünschten Registrierungen wie auch den Klangmöglichkeiten der Jann-Orgel vertraut gemacht hat. Sie hat bei der Generalsanierung 2017 durch Mühleisen/Bäumler an differenzierter Pfeifen-Ansprache, Klarheit, Grundtönigkeit, Charakter zugewonnen, stimmig war sie seit jeher. Am Sonntag überzeugen die flink reagierenden Bässe (2. Station), die Flûte Harmonique im Hauptwerk (4), die flirrenden Streicherchöre beim Fis-Dur-Schluss (6), die transparent sprechenden Prinzipale der Chororgel (10), das kernige Tutti mit Zungen (11), um nur einige Register zu würdigen.

Hilfreiches Programmblatt

Dupré beleuchtet bei jeder Station einige programmatische Textaussagen ohne in eine Klangmalerei wie bei Filmmusik zu verfallen. Das hilfreiche Programmblatt stellt solche Aspekte kurz und bündig dar. Atmosphäre und Spannung der Aufführung leiten das wie gebannt lauschende Publikum. Nach dem überirdischen E-Dur-Schluss stilles Glockengeläut statt lautem Applaus.

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