13.08.2017 - 16:28 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Orgelreinigung in der Basilika fast abgeschlossen Intoneur setzt Schlussakkord

Professor Günther Kaunzinger gibt ein Konzert in der Basilika - das erste nach der Reinigung des riesigen Instruments. Alles klingt ganz normal. Die Erleichterung ist groß: Monate hat es gedauert, die Pfeifen vom Staub der Generalsanierung wieder zu säubern.

Aus der Entfernung geht Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter beinahe unter an seinem Arbeitsgerät vor der Empore mit den mächtigen Orgelpfeifen. Bilder: tr (2)
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Es klingt alles andere als schön, wenn Julian Sommermann aus Floß, Auszubildender bei der Weidener Orgelbaufirma Bäumler, immer wieder die selbe Taste auf dem Manual des Spieltisches betätigt. Michael Becker hört mit und weiß genau, ob der Ton der Pfeife, die er gerade gereinigt hat, jetzt passt oder nicht. Becker ist Orgelbaumeister aus Freiburg und arbeitet als Freiberufler für die Orgelbau-Firma Bäumler in Weiden, die wiederum als Subunternehmer für das Unternehmen Mühleisen in Leonberg bei Stuttgart Orgelbauprojekte in der Region erledigt. Das ist kompliziert, genauso wie auch die Arbeit der beiden Männer an der Orgel mit ihren zahlreichen Registern, die im ganzen Kirchenraum versteckt und oft auch noch schwer zugänglich sind. Wenn ein Ton nicht passt, zerlegt Becker die Pfeife einmal mehr in ihre Einzelteile und putzt und repariert, so lange, bis der Ton sitzt. Kein einfaches Unterfangen, denn es sind 7720 Pfeifen, die den voluminösen Klang der Basilika-Orgel ausmachen. Die größten sind aus Holz und gigantische 10,50 Meter lang, die kleinste bringt es gerade mal auf sechs Millimeter.

Seit Ostern gearbeitet

"Kurz nach Ostern wurde mit dem Zerlegen und der Reinigung der Orgel begonnen", erklärt Pfarrer Thomas Vogl. Das komplette Pfeifenwerk wurde überarbeitet. Dabei stellten die Fachleute auch Schäden fest und behoben sie. "Klanglich haben wir bisher ein zufriedenstellendes Ergebnis", erklärt Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter, der die Orgeln der Basilika wohl am besten kennt.

"Klanglich sind gewisse Register jetzt perfekter als vorher", verrät er. Nach Abschluss aller Maßnahmen werde das Instrument in den nächsten Jahrzehnten sehr gut dastehen, ist er überzeugt. "Viel Publikum, wie es hier in der Stiftsbasilika vorkommt, bewirkt eine massive Staubentwicklung", schränkt der Orgelbaumeister ein. "Was wir vor zwei Monaten picobello gesäubert haben, überzieht schon jetzt wieder eine leichte Staubschicht." Einmal pro Jahr werde die Orgel ohnehin gestimmt und gewartet, und da lasse sich einiges in Sachen Reinigung erledigen.

Etwa 160 000 Euro kostet die Maßnahme, sagt der Stadtpfarrer. Dafür seien nur wenige Zuschüsse zu erwarten. An Diözese und Bezirk habe man entsprechende Anträge gestellt. "Der Großteil davon bleibt aber wohl an der Pfarrei hängen", befürchtet der Geistliche.

Bei den aufwendigen Nacharbeiten verändert sich laut Andreas Sagstetter auch der Klang. Stimmen allein reiche da nicht. Ein Intoneur müsse abschließend die Sache in die Hand nehmen und das Instrument nachintonieren. Das gelte für jede einzelne Pfeife, was die meiste Zeit bei der ganzen Sache benötige. Andreas Hutz aus Regensburg fällt diese entscheidende Abschlussaufgabe zu.

Man brauche dazu das relative Gehör, nicht zu verwechseln mit dem absoluten Gehör, erklären die Experten. Dabei spielten auch Erfahrungswerte eine sehr große Rolle. Immer noch Baustelle in der Basilika sind die Seitenaltäre, die mit Spezialfolien weiterhin verhüllt sind. "Mit diesen Arbeiten sind wir aber hervorragend im Zeitplan" stellt der Pfarrer fest. Am Mittwoch erfolgte bereits die erste Teilabnahme und in 14 Tagen erfolgt die Abnahme der restlichen Teile. Am Montag, 28. August, beginne der Gerüstabbau. Ab Mitte September wäre die Kirche auf jeden Fall gerüstfrei, verspricht er. Zur Abschlussfeier der Generalsanierung am Sonntag, 15. Oktober, sollten alle Arbeiten erledigt sein.

Neues Buch

Dann wird auch ein neues Buch mit dem Arbeitstitel "Stiftsbasilika Waldsassen" vorgestellt. Eine Mischung aus Werkbericht und Bildband.

Der Großteil davon bleibt wohl an der Pfarrei hängen.Stadtpfarrer Thomas Vogl zu den Kosten der Orgelarbeiten

Bewegte Orgelgeschichte

Die erste Orgel in Waldsassen stammt aus dem 15. Jahrhundert. Um 1535 ließ Abt Georg III. Agmann (1531-37) eine neue Orgel für die Klosterkirche bauen. Ab 1556 kam es im Zuge der Reformation zur Auflösung des Klosters und zu Einführung der lutherischen Lehre. Ab 1625 erfolgte die Rekatholisierung des Stiftlandes. 1649 wurde um 300 Gulden eine neue Orgel für die Pfarrgemeinde erworben. 1698 erfolgte in der neu errichteten Stiftskirche der Einbau einer neuen Orgel durch Christoph II. Egedacher (1641-1706) aus Salzburg. Ein weiterer Orgelneubau stand 1738 unter Verwendung von einigen Registern der Egedacher Orgel an. Der Auftrag ging an Johann Konrad Brandenstein (1695-1757) aus Regensburg/Stadtamhof. 1863/1864 gestaltete die Orgelbaufirma Augustin Bittner aus Nürnberg das Instrument um. 1913 / 1914 kam es zum nächsten Orgelneubau durch die Firma Binder & Siemann aus München. Ab 1967 wurde die Orgel wieder umgebaut und erweitert. Dafür verantwortlich zeichnete die Orgelbaufirma Alfons Zeilhuber aus Altstädten. 1975/1976 stand abermals ein Neubau an. Diesmal durch E. Pfaff aus Überlingen. 1982 bis 1989 erfolgte der Neu- und Umbau sowie Erweiterung der Orgel durch die Firma Georg Jann aus Allkofen, wobei das Werk nun als die zweitgrößte Orgelanlage der Diözese Regensburg gilt mit 7720 Pfeifen. Die Einweihung der gesamten Anlage erfolgte am 28. Mai 1989 durch Weihbischof Wilhelm Schraml, Regensburg. An der Gesamtplanung wesentlich beteiligt waren Prof. Günther Kaunzinger, Würzburg, Kirchenmusikdirektor Anton Zimmert und Kantor Otto Rieger, beide Waldsassen. (tml)

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