08.04.2018 - 16:12 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Proben für "Auf eigene Faust" laufen auf Hochtouren Kleine Kunsthausbühne zeigt großen Klassiker

Frei nach dem Motto "Kunst ist keinen Zwängen unterworfen" zerlegt seit Anfang März eine engagierte Theatergruppe munter und hochmotiviert den Klassiker "Faust I" von Goethe in brauchbare Fragmente, um ihn für die Bühne des Kunsthauses Waldsassen wieder zusammenzusetzen.

Die Laiendarsteller unter Regie von Manfred Grüssner (hinten links) proben hochkonzentriert und -motiviert auf der kleinen Kunsthausbühne den Klassiker "Faust I" in einer ungewohnten, eigenwilligen Interpretation. Bild: ubb
von Ulla Britta BaumerProfil

Was daraus entsteht, ist ein Experiment der Sonderklasse und kann im Endprodukt freizügig als "lustbetontes Theater" bezeichnet werden. Denn was haben Momos Schildkröte Kassiopeia und ein Clown in Goethes "Faust I" zu schaffen? Das sind zwei Fragen, die sich mancher Zuschauer stellen wird, sieht er sich im Mai eine der vier Aufführungen des Theaterstücks "Auf eigene Faust" an. Bis zur Premiere am 12. Mai im Kunsthaus Waldsassen ist aber noch eine Weile hin. Derweil laufen die Proben auf Hochtouren. Zweimal die Woche trifft sich das zehnköpfige Ensemble unter Regie von Manfred Grüssner. In einem zeitlich und atmosphärisch hochkonzentrierten Probenmarathon zerlegt die Gruppe mit bisweilen respektloser Reduzierung den mehr als umfangreichen Faust-Text. Ziel ist es, zum eigentlichen Innern des Stücks durchzudringen. Gesucht wird sprichwörtlich "des Pudels Kern".

Schaut man bei den Proben zu, wirkt die enorme Spielfreude und gleichzeitige "Experimentierfreude" geradezu ansteckend. Die zehn Schauspieler aus dem gesamten Landkreis im Alter zwischen 12 und über 70 Jahren üben sich in Faust-Zitaten auf eine Weise, an welcher der Urheber Johann Wolfgang von Goethe gewiss Gefallen gefunden hätte. Es wird geflucht, gelärmt, geflüstert, gewettet und gestorben. "Man könnte es als eine Arbeit zwischen Workshop und gezielter Choreographie bezeichnen", sagt Regisseur Manfred Grüssner. Der Theaterfachmann hat sich im Vorfeld die Kunsthausbühne angeschaut und diese sofort als gut befunden für ein derartiges Theaterprojekt der etwas anderen Art. Dies war auch einer der Gründe für Grüssners Zusage, Regie zu führen.

Der experimentierfreudige Theaterfachmann aus Konnersreuth sprüht nur so vor Kreativität, geht es darum, Goethes "Faust I" völlig neu darzustellen. Fürs Kunsthaus ist dieses Bühnenprojekt eine Premiere. Wenn auch nahezu alle Kunstsparten vertreten sind, fehlte das Theater bisher. Umso mehr freut sich Wolfgang Horn, Vorsitzender des Vereins Kunsthaus Waldsassen, mit der engagierten Gruppe ein weiteres Highlight ins Haus geholt zu haben. Und dass für den "ersten Akt" im Kunsthaus nur ein Stück von Goethe infrage komme, war für die Initiatorin des Projekts, Ulla Britta Baumer, keine Frage. Von vorne herein wollte man dem Anspruch des Kunsthauses gerecht werden. Und was passt besser in ein Haus, wo schöne Künste ein- und ausgehen, als Johann Wolfgang von Goethes wunderbare Dichtkunst? Dabei gehen die Schauspieler bewusst weg von bekannten Theaterelementen und konzentrieren sich auf Bewegungs- und Statuentheater. Die Zuschauer werden selbstverständlich Faust, Mephisto, Gretchen, die Hexe und weitere wichtige Faust-Protagonisten live erleben. Aber auf Besen reitende Hexen oder ellenlange Faust-Monologe dürfen nicht erwartet werden. "Die Konzentration liegt auf Kernwahrheiten und Zitaten", sagt Grüssner. Um diese Elemente betont herauszustreichen, wird in "Auf eigene Faust" auf Pomp und rauschende Kostüme bewusst verzichtet. "Faust I" besticht auf der Kunsthausbühne durch Minimalisierung, während der intime Bühnen- und Zuschauerraum diese Reduzierung ausgesprochen unterstreicht. Das gesamte Kunsthaus wird Goethe-Bühne und ins Geschehen einbezogen. Die Zuschauer dürfen sich auf einen besonderen Klassikerabend freuen. Übrigens ist diese freizügig-freiheitliche Interpretation durchaus genehmigt durch die Bemerkung Goethes im Jahr 1829 an den Braunschweiger Theaterdirektor August Klingemann: "Machen Sie mit meinem Faust, was sie wollen!" In diesem Sinne freut sich das Faust-Ensemble auf viele Gäste bei der Premiere am 12. Mai sowie bei weiteren Aufführungen am 13., 17. und 18. Mai, jeweils um 19 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Tourist-Info Waldsassen, auch per Telefon unter 09632/88-160 zu reservieren.

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