Regensburger Vokalensemble "Cantabile" beeindruckt in der Basilika Waldsassen
Nachtigall, ick hör dir singen

Matthias Beckert (mit Krawatte) und einige seiner Sängerinnen und Sänger beim Schlussapplaus in der Stiftsbasilika. Bild: apl
Kultur
Waldsassen
11.07.2012
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Ein letztes "Don!", präzise und markant gesetzt, verhallt im Kirchenraum. Effektvolles Ende von "Komm, Trost der Nacht", einem Lobgesang zu Ehren Gottes, den Frau Nachtigall mit sonoren "Don, don, don"-Schlägen begleitet. Dass Bernhard Zink diese munter parlierenden Lautmalereien mit Männerstimmen besetzt, ist nicht ohne Reiz.

Uraufführung von Zink

"Überhaupt ist eine Uraufführung doch immer wieder eine Besonderheit", so Chorleiter Matthias Beckert in Richtung Publikum, das sich am Sonntag zum Chorkonzert des Regensburger Vokalensembles "Cantabile" in der Basilika Waldsassen einfand. Im Gepäck hatten die knapp dreißig Sängerinnen und Sänger A-cappella-Chorliteratur aus Romantik und Moderne sowie "Komm, Trost der Nacht" vom zeitgenössischen Komponisten Bernhard Zink, das an diesem Nachmittag erstmals zur Aufführung kam.

Als Textvorlage diente das gleichnamige Gedicht von Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen, das Zink für gemischten Chor a cappella vertont hat. Eine Vertonung, deren Reiz nicht nur in barocker Bildhaftigkeit liegt. Zu lautmalerischem Nachtigallengesang und Chorjubel gesellen sich ruhigere Chorpassagen mit spätromantischen Anklängen ebenso wie dezent dissonante Klangreibungen. Ein das Publikum ansprechender Stilmix, der mit spontanem Beifall belohnt wurde.
Eindruck hinterließ aber nicht nur die Uraufführung, sondern auch ein Vokalensemble, das sich neben der Pflege zeitgenössischer Chormusik auch die Beachtung chorsängerischer Tugenden auf die Fahnen geschrieben hat. Als da wären: dynamische Flexibilität, wünschenswerte Homogenität und beeindruckende Intonationssicherheit in allen Stimmen. Die eine oder andere Einsatzunsicherheit im Sopran fiel da kaum ins Gewicht.

Klangfülle reißt mit

Qualitäten, die im Verlauf des eineinhalbstündigen Programms immer wieder aufhorchen ließen. Seien es bei Brahms die wunderbar verebbenden "Warum?"-Rufe ("Warum ist das Licht gegeben?", op. 74/1), die schlank-beweglichen Koloraturen zu Beginn von Distlers "Singet dem Herrn" oder die effektvoll herausgearbeiteten Klang-Raum-Wirkungen bei Chorsätzen von Heinrich Schütz. Nur drei Beispiele aus einem umfangreichen Programm, dessen stilistische Bandbreite von Renaissance über Romantik und Moderne bis in die Gegenwart reichte.

Zu den Höhepunkten zählten neben den Chorsätzen von Schütz zweifellos das in zweichöriger Aufstellung gesungene, hoch romantische "Ave Maria" von Franz Biebl (hoher Gänsehaut-Faktor garantiert!) und die in mitreißender Klangfülle wiedergegebenen "Fest- und Gedenksprüche" op. 109 von Johannes Brahms. Wirkungsvoller Schlusspunkt eines eindrucksvollen Konzertnachmittags.
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