"Stompin’ Blues Pickers": Das bislang längste Konzert in der Kunsthaus-Geschichte
Liebesfreuden und Weltschmerz

Wolfgang Weber, Uschi Neumann und Stefan Sommer (von links) haben "Stompin' Blues Pickers" vor zwei Jahren gegründet und starten mit viel Erfolg durch. Wer fürs Kunsthaus keine Zeit hatte: Am 9. Juni ist die Band auf Burg Thierstein beim Open Air dabei. Bild: ubb
Kultur
Waldsassen
03.04.2018
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Die Besucher im Kunsthaus bedankten sich mit viel Applaus für den Blues-Abend. Bild: ubb

Im "wirklichen" Leben gehen sie normalen Berufen nach. Stefan Sommer (52) ist Elektroingenieur, Wolfgang Weber (53) Bauleiter bei Kassecker, Ursula Neumann (51) arbeitet als Dentalfachberaterin. Das Trio hat ein gemeinsames Talent für Konzertbühnen. Viele Jahre schon sind sie mit der Band "Bite the beagle" unterwegs, seit zwei Jahren sind sie nun auch als "Stompin' Blues Pickers" zu hören.

Es hätten ein paar Gäste mehr sein können. Am Samstag im Kunsthaus erleben aber immerhin etwa 50 Zuhörer, welche Tiefe im Blues stecken kann, wenn er von einem Singer/Songwriter wie Stefan Sommer interpretiert wird. Stefan Sommer hat seinen persönlichen Weltschmerz in seinen Songs aufgearbeitet. Und der Romantiker kann nicht umhin, der Liebe immer wieder ein Lied zu widmen. Das gilt auch seiner Uschi.

Offenherzige Romantik

Die Percussions-Musikerin strahlt glücklich, wenn Stefan Sommer den Song präsentiert, den er ihr gewidmet hat und wenn er ihr dabei ein "Ich lieb' dich!" entgegenhaucht. Derart offenherzige Romantik öffnet Herzen und lässt die Gitarren manches Mal mitweinen. Wolfgang Weber läuft zu Höchstformen auf. Immer wieder lenkt er die Hörorgane des Publikums auf sein virtuoses Gitarrenspiel, hervorragend interpretiert er den Blues auf der Klassikgitarre, zeigt sagenhaftes Fingerspitzengefühl für die Saiten. Während Stefan Sommer die Stimme immer tiefer treibt, bis er beim Song "Looking for an Angel" jedem aus der Seele spricht. "Für Leute, die nicht mehr weiter wissen und einen Engel brauchen", erklärt er. Sehr sympathisch kommen diese teils ausführlichen Song-Erklärungen rüber. Der 52-jährige Lockenkopf ist bis heute ein Lausbub geblieben. "Jonny on the Beach" ist nur einer der Songs, die das sonnendurchflutete Italien in die Klosterstadt holt. "Viele unserer Lieder sind auf Sardinien entstanden", berichtet Stefan Sommer. Aber auch die Iren sind in der Gunst der Vollblutmusiker präsent. "Dort wird überall Musik gespielt. Wäre das auf der ganzen Welt so, gäbe es keine Kriege", sinniert Stefan Sommer. Der singende Romantiker glaubt an den Frieden auf der Welt. Was einige weibliche Fans in der zweiten Reihe derart in Entzücken versetzt, dass sie ihre Freude über den schönen Abend ständig laut kundtun müssen. Aber Stefan Sommer ist in seine Uschi verliebt. Er erzählt vom Kennenlernen auf der Ü30-Party in Weiden und den ersten heimlichen Treffen am Rußweiher. Und hat nicht nahezu jeder eine ebenso schöne Liebesgeschichte? Man will sich verlieben in diese von Melancholie getränkte Romantik, die nur der Blues ausdrücken kann.

Es geht auch rockig laut

"Stompin' Blues Pickers" können auch rockig laut. Plötzlich beherrschen die "Rolling Stones" das Kunsthaus. Die Musiker hauen in die Saiten, Wolfgang Webers Solo sorgt für Begeisterungsstürme. Zeit für ältere Herren im Publikum, mit Fußwippen ihre Zugehörigkeit zu den legendären 60er Jahren zu zeigen.

Der Abend geht als "das bisher längste Konzert" in die Kunsthaus-Geschichte ein: Nach zwei Zugaben mag die Band immer noch nicht aufhören. Erst weit nach 23 Uhr verklingen die Gitarren, ebbt der Applaus ab, bauen die Musiker zufrieden ihre Instrumente ab.
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