23.08.2017 - 20:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Wallenstein-Festspiele in Cheb/Eger Ermordung bis heute rätselhaft

Die Wallenstein-Festspiele in Cheb/Eger an diesem Wochenende werfen wieder ein Schlaglicht auf das Leben und den Tod des berühmtesten Feldherrn des Dreißigjährigen Krieges. Warum Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein am 24. Februar 1634 in Eger ermordet wurde, ist bis heute rätselhaft geblieben.

Der Einzug von Herzog Albrecht von Wallenstein mit seiner Gemahlin auf dem Egerer Marktplatz bei den Festspielen im Jahr 2015. Archivbild: gjb
von Autor GJBProfil

Cheb/Eger. Kaiser Ferdinand II. soll den geheimen Auftrag erteilt haben, Wallenstein wegen Hochverrats tot oder lebendig auszuliefern. Wollte sich Wallenstein tatsächlich in Sachsen mit dem schwedischen Heer gegen den Kaiser verbünden? War Eger wirklich der geeignete Ort für geheime Verhandlungen?

1628 hatte die Gegenreformation alle lutherischen Prediger vertrieben und ein Jahr später mussten viele standhafte evangelische Christen die Stadt verlassen. Sollte es Wallenstein gegen Ende seines Lebens bereut haben, dass er, der selbst einer protestantischen Familie entstammte, nur aus opportunistischen Motiven in den Dienst des katholischen Kaisers getreten war?

Seiner Zeit voraus?

Hat er vielleicht auch eingesehen, dass dieser schreckliche Krieg mit militärischen Mitteln nicht beendet werden konnte und dass nur friedliche Verhandlungen dem Gemetzel ein Ende bereiten konnten? War er, nach jahrelangen blutigen Kämpfen, nun doch für eine religiöse Toleranz - und in diesem Sinneswandel dem Denken seiner Zeit weit voraus?

Die Frage, ob mit dem Mord an Wallenstein ein "Verrat" noch rechtzeitig verhindert werden konnte - oder aber damit sogar die Chance zu einem Friedensschluss zwischen Katholiken und Protestanten vertan wurde, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Tatsächlich war Wallenstein aber schwer krank und deshalb nicht mehr fähig zum Kampf. Gelenksentzündungen, vermeintlich "Podagra", waren so schmerzhaft, dass er bei der Schlacht von Lützen, dem blutigsten Gefecht des Krieges, nur noch mit großer Mühe sein Pferd besteigen konnte. Obwohl der schwedische König Gustav Adolph gefallen war, gelang ihm kein Sieg über das protestantische Heer.

Skelett-Untersuchungen

Bei Untersuchungen am Skelett Wallensteins wurden krankhafte Veränderungen festgestellt, die belegen, dass sich der General bereits im Endstadium der Syphilis befand. Wissenschaftler gehen davon aus, dass er deshalb kaum noch einen klaren Plan verfolgen konnte. "Die massive Zerstörung des Nervensystems kann Denkstörungen, extreme Reizbarkeit und Gewaltneigungen zur Folge haben - und Größenwahn", schreibt Prof. Christian Reiter aus Wien.

Keine Beweise

Diese schwere Erkrankung war bereits so weit fortgeschritten, dass Albrecht von Wallenstein nur noch eine Lebenserwartung von wenigen Wochen oder Monaten hatte. Welchen Sinn hätte also seine Ermordung noch gehabt? Ebenso, wie Beweise für einen geplanten Verrat Wallensteins nie erbracht wurden, war es auch nicht nachzuweisen, dass der Kaiser selbst die Ermordung in Auftrag gegeben hat.

Für Ferdinand II. brachte der Tod seines Generals aber einen erheblichen finanziellen Gewinn, denn durch die Ermordung war er seine Schulden für die Kriegskosten Wallensteins los. Zudem konnte er auch das riesige Vermögen des Feldherrn konfiszieren. Geschah am 24. Februar 1634 also doch ein politischer Raubmord im Auftrag des Kaisers? Jedenfalls erhielten die Mörder bei dieser "Friedländischen Exekution" hohe Belohnungen. Für den Ermordeten ließ der Kaiser 3000 Seelenmessen lesen - möglicherweise nur deshalb, um als schuldlos, betroffen und dankbar zu erscheinen?

Festspielprogramm

Die fünf Aufenthalte Wallensteins in Eger - mit den Einquartierungen der Soldaten sowie den hohen "Kontributionen" für seine Armee - waren für die Bevölkerung sicher kein Grund zur Begeisterung. In den seit 1908 stattfindenden Wallenstein-Festspielen wird aber die Erinnerung an die Besuche des Generals verklärt und damit zur touristischen Attraktion. In diesem Jahr beginnen die Festspiele in Cheb/Eger am Freitagnachmittag, 25. August, mit einem historischen Jahrmarkt. Um 17 Uhr wird Albrecht von Wallenstein mit seinem Gefolge auf dem Marktplatz eintreffen. Historische Vereine, die Tanzabteilung der Kunstgrundschule sowie Schauspieler des Westböhmischen Theaters treten auf. Um 19.15 Uhr wird ein Reiterturnier veranstaltet, danach führen Schauspieler und Tänzer der Kunstgrundschule die "Komödie über den großen Mord in Eger" auf. Im Salon der Herzogin Isabella Katharina von Harrach wird verraten, welche Kleidung eine echte Dame im Mittelalter tragen musste. Nach einem Spiel von Riesenmarionetten gibt es um 21.30 Uhr ein Feuerwerk.

Am Samstag, 26. August, beginnt der historische Jahrmarkt bereits um 10 Uhr. Ein mittelalterliches Dorf ist aufgebaut, in dem Handwerksberufe, ein Wundarzt, eine Spielhöhle, historisches Kochen und Backen sowie das Märchen vom Aschenbrödel und vieles mehr zu sehen sind. Gleichzeitig gibt es auf dem Areal der Burg ein Heerlager mit Vorführungen von rauen und mutigen Söldnern, Musketieren und Artilleristen. Auf dem Marktplatz beginnt um 11.15 Uhr eine Pferdedressur mit Albrecht von Wallenstein. Von 13 bis 17 Uhr gibt es ein Programm mit historisierendem Folk-Rock, Gauklern, Fechtern, Schauspielern und Musikern. Um 17 Uhr folgt die "Große Egerer Schlacht", ein Militärmanöver. Um 20 Uhr wird Wallenstein mit einem großen Fackelumzug durch die Stadt und zum Abschluss mit einem Feuerwerk verabschiedet. (gjb)

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