19.01.2009 - 00:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Erinnerungen an den Schriftsteller Joseph Baierlein, der vor 170 Jahren in der Klosterstadt zur ... Waldsassens (un)bekannter Heimatdichter

von Autor TMLProfil

Zu den bedeutenden Söhnen Waldsassens, die es in der Fremde zu Ruhm und Ansehen gebracht haben, zählt zweifellos auch der Heimatdichter Joseph Baierlein, der am 21. Januar 1839, also vor genau 170 Jahren, in Waldsassen geboren wurde und kurz vor seinem 80. Geburtstag, am 19. Januar 1919, in Köln-Nippes verstorben ist.

Joseph Baierlein war der Sohn des Volksschullehrers Andreas Baierlein und seiner Ehefrau Anna, geborene Mayr. Seine Kinderjahre verbrachte der Bub in Tirschenreuth und widmete sich dann dem Gymnasial- und Universitätsstudium, um Jurist zu werden. Doch kaum hatte er seine Position im Justizdienst angetreten, schied er auch schon wieder aus dem Amt, um sich seiner Berufung als Journalist und freier Schriftsteller zu widmen.

Bekannt geworden ist er dabei durch seine Jugendschriften, insbesondere durch seine oberpfälzischen Geschichten, in denen seine Verbundenheit zur Heimat und ihren Menschen sowie zur Oberpfälzer Lebensweise zum Ausdruck kommt. Allerdings wurde er vom Bücherschreiben nicht reich und konnte am Ende nur auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken. In der Oberpfalz ist Baierlein leider nie weithin bekannt geworden und heute fast vergessen.

Längere Reisen

Seine "Laufbahn" begann damit, dass er 1861 als Freiwilliger in die Armee des Königs von Neapel eintrat und an der Belagerung von Gaeta teilnahm. Später hat Baierlein nicht nur die meisten europäischen Länder durchwandert, sondern auch Nordafrika und Amerika zum Ziel längerer Reisen gemacht. Dann ließ er sich für 16 Jahre in der Schweiz nieder und zog schließlich nach Aschaffenburg, um sich auch hier ganz der Schriftstellerei zu widmen, an der er nie die Freude verlor. Sein literarisches Werk umfasst mindestens 59 Titel. Stoffe und Motive, die er während seiner vielen Auslandsreisen sammelte, prägen einen großen Teil seiner Jugendschriften und der belletristischen Werke.

So verarbeitete er seine Erlebnisse als Soldat in der Erzählung "Von Feldkirch bis Gaeta". Die Eindrücke aus Nordafrika schilderte er später in den Erzählungen "Unschuldig verurteilt" und "Im Wüstensand".

Oberpfalz als Schauplatz

Doch die Oberpfalz und ihre Menschen lagen ihm stets besonders am Herzen. Daher zog es ihn schließlich 1894 wieder zurück in die Heimat, wo er während seines Aufenthalts in Waldsassen als Heimatdichter "sich selbst gefunden" hat. Hier schrieb er so bewegte und liebenswerte Geschichten und Kurzromane, wie "Der Pinkus von Pirk" oder "Der Hennenmetzger", die übrigens heute noch beim "Oberpfalz-Verlag" in Kallmünz erhältlich sind. Dabei kam Baierlein dem Kern des echten, oberpfälzischen Volkstums viel näher als andere Schriftsteller, weil er die mittlere und nördliche Oberpfalz gerne zum Schauplatz seiner Erzählungen gemacht hat.
In dem Lehrer Johann Baptist Lassleben aus Kallmünz fand Joseph Baierlein 1908 einen treuen Freund und Förderer, der sich für ihn unermüdlich engagierte. Da Baierlein "fast immer krank war und in sehr bedürftigen Verhältnissen lebte" regte Lassleben oberpfalzweit die Sammlung einer Ehrengabe an. Dem konnte und wollte sich natürlich auch die Stadt Waldsassen als Geburtsort des Dichters nicht entziehen. So kam es am Samstag, 28. März 1909, im Hotel Lamm in Waldsassen zu einer Art Benefizkonzert mit den örtlichen Gesangs- und Musikkräften "zum Besten unseres Landsmannes, des Schriftstellers Joseph Baierlein", wie der damalige Bürgermeister Christoph Gill betonte.

Die "Grenzzeitung" versäumte in der Ankündigung nicht, darauf hinzuweisen, dass die ganze Oberpfalz, in erster Linie aber Waldsassen, stolz sein dürfen auf Joseph Baierlein, der es verstanden habe, "für seine gewöhnlich arg verkannte Heimat mehr Verständnis und Liebe zu erwecken". Der inzwischen 70-jährige Schriftsteller dürfte sich über diese rührende Geste seiner Heimatstadt und die gesammelte Spende bestimmt sehr gefreut haben.

Ab 1909 lebte Baierlein in Köln-Nippes bei seinem Schwiegersohn Hans Kerner und ist dort nach längeren Altersbeschwerden am 19. Januar 1919 verstorben.

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