Seit 1913 ist Zweigverein des Katholischen Frauenbundes gesellschaftlich und kirchlich engagiert
In 100 Jahren modern geblieben

Die Mitglieder des Frauenbundes mit ihrer Mädchengruppe aus der Frühzeit des Vereins bei einen Ausflug zur Kappl um 1914: In der Mitte ein Bischof aus der Schweiz als Gast; links Pfarrer Georg Hagel, Münchenreuth, rechts Stadtpfarrer Joseph Baeuml. Hinter den drei Geistlichen sind Anna Rockstroh und Wilhelmine Schreiegg zu sehen. Bild: hfz
Lokales
Waldsassen
24.04.2013
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Es war Montag, der 20. Januar 1913, als im damaligen Klostergasthof der Zweigverein Waldsassen des Katholischen Deutschen Frauenbundes ins Leben gerufen wurde. Also kann der Frauenbund auf sein 100-jähriges Bestehen zurückblicken. Dieses stolze Jubiläum wird am Sonntag mit einem Festgottesdienst und einer anschließenden Feier im katholischen Jugendheim gewürdigt.

Gleichzeitig gibt das Jubiläum Gelegenheit zum Rück- und Ausblick. Der Katholische Frauenbund bildete jahrzehntelang einen wichtigen Eckpfeiler in der traditionell-forcierten Standesgliederung der Pfarrei. Schon zehn Jahre zuvor, am 16. November 1903, war im Rahmen der bürgerlichen Frauenbewegung in Deutschland der Dachverband in Köln gegründet worden, damit auch die katholischen Frauen und Mütter den ihnen zustehenden Platz in Staat und Gesellschaft erlangen.

1906 hatte sich dann in Waldsassen ein katholischer Arbeiterinnenverein gebildet. Der Gründer des Waldsassener Frauenbundes war der Stadtpfarrer und spätere Dekan Joseph Baeuml (1855 bis 1924), dem 1905 die Pfarrei Waldsassen anvertraut worden war. Er fungierte im Frauenbund als Präses und Beirat. Er entfaltete ein, den vielfältigen Bedürfnissen der Zeit entsprechendes, seelsorgliches Wirken. So entstanden durch seine Initiative in der industriell aufstrebenden Klosterstadt erstmals ein katholischer Kindergarten und eine Pfarrbücherei.

Pfarrer Baeuml wirbt

Ferner erhielt die Pfarrkirche die elektrische Beleuchtung, ein neues heiliges Grab und eine neue Orgel. Für die Gründung eines katholischen Frauenbundes hatte Baeuml mehrfach geworben, sah er doch darin ein wichtiges Organ im kirchlichen und gesellschaftlichen Leben der Pfarrei.

Zur Gründung des Zweigvereins war die Verbandssekretärin, Fräulein Zettel, aus München gekommen, die den zahlreich versammelten Frauen und Mädchen die Grundideen der katholischen Frauenbewegung erläuterte. Damit war der Boden bereitet und konnte die Gründung vollzogen werden. Sogleich traten etwa 150 Frauen und Mädchen bei. Der erste Vorstand bestand aus der Bürgermeistersgattin Elisabeth Simon als Vorsitzender, der Apothekersgattin Meta Badum als Schriftführerin und der Metzgermeistersgattin Anna Malzer als Kassiererin. Die Kaufmannsgattin Anna Rockstroh (Gründerin der Lourdes-Grotte) war die Vorsitzende des katholischen Mädchenvereins und fungierte als Beisitzerin.

Erste Bewährungsprobe

Der Frauenbund entwickelte umgehend ein reges Vereinsleben. Doch kam mit dem Ersten Weltkrieg auch die erste Bewährungsprobe. Dabei mussten Geld- und Sachspenden organisiert und verteilt, Nahrungsmittel sowie Kleidung für Bedürftige beschafft werden. Die Vereinsarbeit war geprägt vom alljährlichen Frauentag, durch die regelmäßigen Zusammenkünfte und gemeinsamen Veranstaltungen. 1921 trat Wilhelmine Schreiegg an die Spitze des Frauenbundes Sie brachte neue Ideen und Initiativen ein und widmete sich vor allem auch der umfangreichen Jungmädchengruppe im Frauenbund.

Suppenküche

Als Stadtpfarrer Baeuml 1923 in den Ruhestand trat und nach Amberg zog, kam Michael Höfner als neuer Pfarrer nach Waldsassen. Er übernahm sogleich auch das Amt des Präses im Frauenbund und war ein gerne gehörter Referent. Sein bleibendes Verdienst war der Bau des katholischen Jugendheimes 1930. Damit verstärkte sich die Organisation der katholischen Vereine und auch die caritative Arbeit. 1931 errichtete man zusammen mit dem Zweigverein des Rotes Kreuzes angesichts der horrenden Arbeitslosigkeit sogar eine Suppenküche am Ort, um die Not zu lindern.
Durch massive Umbrüche und Beschränkungen im Dritten Reich mussten neue, zeitgemäße Wege in der Vereinsarbeit gefunden werden. Dabei verlagerte sich die Arbeit mehr ins Verborgene. Wichtige geistliche Impulse vermittelten die früheren Stadtpfarrer und Präsides Franz Xaver Wutz, Bischöflich Geistlicher Rat Josef Wiesnet, Prälat Martin Rohrmeier und Prälat Vitus Pschierer.

Stets zeitgemäß

Ihre Nachfolger Siegfried Wölfl und Michael Fuchs führten die Gemeinschaft in die moderne Zeit. Als Präses und geistlicher Beirat fungiert heute Stadtpfarrer Thomas Vogl. Die Leitung des Frauenbundes obliegt derzeit Elfriede Rosner, die sich mit ihren Kolleginnen im Vorstand und der Vita-Gruppe für ein modernes und zeitgemäßes Engagement des Frauenbundes im kirchlichen und gesellschaftlichen Raum engagiert.
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