11.07.2014 - 00:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Seit einem Jahrhundert werden Mädchen und Buben unter kirchlicher Trägerschaft betreut Kindergarten im Waisenhaus

In alten Ausgaben der "Grenz-Zeitung" ist es dokumentiert: Schon im Sommer 1911 war der Ruf nach einem Kindergarten im Ort laut geworden. Das Jubiläum "100 Jahre Kinderbetreuung in Waldsassen" wird am Samstag gewürdigt - beim Sommerfest im Haus St. Michael. Dabei wird auch die neue Kinderkrippe eingeweiht.

Solche Bilder dürften viele Waldsassener besitzen: Mädchen und Buben im Kindergarten St. Michael im Jahre 1964, links Schwester Adelwiga. Bild: hfz
von Autor TMLProfil

Mit seinen Fabriken bildete Waldsassen vor über 100 Jahren eine aufstrebende Industriestadt mit über 5000 Einwohnern. So setzte sich Stadtpfarrer Joseph Bäuml engagiert dafür ein, dass im Zuge der Erweiterung des Kinderheimes Egerer Straße 28 - bekannt als "Waisenhaus" - im Jahre 1912 auch ein Kindergarten errichtet worden ist.

Der neue, dreigeschossige Anbau erhielt am 23. Juni 1913 die kirchliche Weihe. Damit konnte man im Erdgeschoss zum ersten Male auch eine "Kinderbewahranstalt" für 50 Kinder eröffnen. Die Öffentlichkeit war dazu noch um die Überlassung von Spielsachen und Geräten gebeten worden. Die Leitung und Betreuung lag wie beim Waisenhaus in den Händen von Mallersdorfer Schwestern. Sie waren seit 1865 im Stiftland tätig.

Über den neuen Kindergarten waren vor allem die in den Fabriken tätigen Mütter froh und dankbar. Sie wussten die Kinder in der Obhut der Schwestern. Einige Jahre später ist zu erfahren, dass die "Bewahrschule", wie sich der Kindergarten um 1920 nannte, vom April anfangend nur während der Sommermonate geöffnet war. Die wöchentliche Gebühr für ein Kind betrug wegen der Teuerung nun 80 Pfennig.

Schwester Adelwiga ab 1943

Unter Stadtpfarrer Michael Höfner kam es dann 1930 zu einem längst notwendigen Erweiterungsbau des katholischen Kinderheimes. Ein Wechsel an der Spitze des Kinderheimes vollzog sich 1943, als die damals 32-jährige Mallersdorfer Schwester Adelwiga Plenk ins Stiftland kam und die Leitung übernahm. Durch ihre mütterliche und warmherzige Art gewann sie alsbald die Herzen der Kinder und ist vielen Waldsassenern heute noch in guter Erinnerung. Inzwischen wurde der Kindergarten längst ganzjährig geführt.

Eine bedeutsame Entscheidung für den katholischen Kindergarten fiel 1953, als sich die kath. Kirchenverwaltung auf Anregung von Stadtpfarrer Josef Wiesnet entschloss, im Neubaugebiet zwischen der Lämmer- und der Adalbert-Stifter-Straße einen modernen Neubau des Kindergartens zu errichten.

300 000 DM Baukosten

Das zentral gelegene Grundstück war im Tauschwege erworben worden. Am 6. August 1953 erfolgte der erste Spatenstich. Für die Planung zeichnete der Architekt Walter Salmen, Wiesau, verantwortlich. So entstand in rund sechsmonatiger Bauzeit ein großzügiger und zeitgemäßer Kindergarten, der etwa 250 Kindern Platz bot. Die Baukosten betrugen rund 300 000 DM.

Zur feierlichen Einweihung am 2. Februar 1954 erschienen zahlreiche Ehrengäste, an der Spitze Weihbischof Josef Hiltl aus Regensburg. Ein besonderer Dank galt dem Regensburger Erzbischof Dr. Michael Buchberger, der den Bau maßgeblich gefördert hatte. Zum Dank und zu seinem Andenken erhielt der kath. Kindergarten anfangs den Namen "Michaelsheim" und später die Bezeichnung "St. Michael".

Mehrfach erweitert

Aufgrund der fortschreitenden Erfordernisse musste das gesamte Haus in der Folgezeit mehrfach modernisiert und erweitert werden. So wurde etwa 1975 der bis dahin fehlende Gymnastikraum angebaut. Eine umfassende Sanierung erfolgte unter Prälat Vitus Pschierer 1994/1995, verbunden mit einer Erweiterung und dem Dachaufbau. Einweihung war am 22. Juli 1995 mit Weihbischof Wilhelm Schraml. (Terminkalender/Hintergrund)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.