27.05.2014 - 00:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Vor über 80 Jahren zieht der 1. Stiftländer Katholikentag gut 12 000 Menschen in die ... Bekenntnis zu Kirche und Vaterland

Die katholische Welt in Deutschland blickt in diesen Tagen auf Regensburg, wo von heute bis zum Sonntag der 99. Katholikentag. Vor über 80 Jahren gab es so ein Glaubensbekenntnis auch im Landkreis Tirschenreuth. Da wurde vom 25. und 26. Juni 1932 der Stiftländer Katholikentag in Waldsassen gefeiert. Gut 12 000 Menschen sollen damals dabei gewesen sein.

Blick auf den Kirchplatz von Waldsassen mit den vielen Tausenden von Teilnehmern. Rechts vor dem Apothekerflügel war die Rednertribüne errichtet worden. Bild: Pfarrarchiv
von Autor TMLProfil

Die Anregung dazu stammte vom unvergessenen Erzbischof Dr. Michael Buchberger, der 1927 als neuer Oberhirte nach Regensburg gekommen war. Schon zwei Jahre später standen in Deutschland die Zeichen auf Sturm. Hauptübel dafür waren die politische Unstabilität der Weimarer Republik und die Weltwirtschaftskrise.

Not und Verzweiflung

Letztere hatte 1929 auch das Stiftland erfasst und führte hier wenig später zu massiven Betriebsstilllegungen und zu einer erschreckend hohen Arbeitslosigkeit, begleitet von einer gravierenden Wohnungsnot. Viele Menschen gerieten in Not und Verzweiflung.

So entschloss man sich, "in schicksalsschwerer Zeit eine mächtige Kundgebung für Kirche und Vaterland zu veranstalten, in treuem Gedenken an die große, 800-jährige Vergangenheit, da Waldsassen der Quell für die Katholisierung und Germanisierung weiter Gebiete der Oberpfalz, Oberfrankens und des Egerlandes war", heißt es in den alten Unterlagen. Dabei sollte der Katholikentag auch "ein Tag der Besinnung auf den Glauben, der Erhebung der Herzen und der Vertiefung des religiösen Lebens" werden und gleichzeitig ein überzeugendes Bekenntnis ablegen zum Vaterland.

Schon Monate vor dem Ereignis begannen die intensiven Vorbereitungen, bildete man mehrere Ausschüsse, wurden Einladungen und Plakate, Reden und Ansprachen formuliert. Das Präsidium des Katholikentages bestand aus Dekan und Stadtpfarrer Karl Hof, Mitterteich, Stadtpfarrer Franz Xaver Wutz, Waldsassen, Sanitätsrat Dr. Otto Seidl und der Zollfinanzrats-Gattin und Vorsitzenden des Katholischen Frauenbundes, Wilhelmine Schreiegg aus Waldsassen.

Prächtiger Triumphbogen

Am Donnerstag-Abend vor dem Festtag traf Bischof Buchberger in Waldsassen ein, um am Freitag und Samstag rund 700 Kindern die heilige Firmung zu spenden. Die ganze Innenstadt war inzwischen festlich geschmückt und beflaggt. In der Prinz-Ludwig-Straße bei der Raiffeisenbank stand ein prächtiger Triumphbogen.

Die Presse berichtete laufend über die Einzelheiten des Programms. So fieberte man allseits dem großen Ereignis entgegen. Am Freitag-Abend veranstaltete der Stiftländer Heimatverein als Einstimmung noch ein Johannisfeuer auf der hochgelegenen "Sandgrube", als letzten Aufruf.

Den Auftakt zum Katholikentag bildete dann der Begrüßungsabend am Samstag im neuen Jugendheim mit einer großen Zahl hochrangiger Repräsentanten des öffentlichen und kirchlichen Lebens, an der Spitze der damalige bayerische Ministerpräsident Dr. Heinrich Held, Kultusminister Dr. Franz Xaver Goldenberger und Bischof Dr. Michael Buchberger.

Die Etappen am Sonntag wurden eingeleitet mit dem morgendlichen Weckruf und dem Kirchenzug zur Pfarrkirche, wo der Bischof den Gottesdienst hielt. Da die Kirche bei Weitem nicht allen Teilnehmern Platz bot, war am Pfarrhof ein Freialtar aufgebaut worden. Hier wurden während des Pontifikal-Amtes zwei Messen gefeiert. Die Festpredigt in der Pfarrkirche in wegweisender, kerniger Rhetorik hielt Regens Dr. Anton Doeberl, ein Sohn Waldsassens. Nach dem Gottesdienst gab es ein Standkonzert auf dem Johannisplatz.

Nach dem Mittagessen nahm man Aufstellung zur großen öffentlichen Kundgebung auf dem weiten Kirchplatz, wo sich nun etwa 12 000 Menschen und eine Vielzahl von Delegationen und Vereinen versammelt hatten. Hier folgten nun die Ansprachen. Zum Abschluss trafen sich die katholischen Gliederungen noch zu eigenen Versammlungen in einzelnen Sälen der Stadt.

Da die nationalsozialistische Bewegung, wie auch der Kapitalismus und der Kommunismus in Stadt und Land bereits deutlich spürbar geworden waren, sollte nun der Katholikentag "in letzter Stunde" die allgemeine Stimmung positiv und fundamental beeinflussen und eine Wende bewirken. Nach der Ansprache des Bischofs wurde auch ein Telegramm verlesen, das Nuntius Eugenio Pacelli in Namen des Papstes an Bischof Buchberger gesandt hatte.

Großer Erfolg

Abschließend war man sich einig, dass Waldsassen "eine solch gewaltige Kundgebung schon lange nicht mehr gesehen" hatte. Der Katholikentag wurde als großer Erfolg angesehen. Wegen der Machtergreifung Hitlers wäre er 1933 bereits völlig undenkbar gewesen.

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