Äbtissin Laetitia Fech feiert am Sonntag 60. Geburtstag
"Ein ganzes Kloster gestickt"

In der versteckten Waldkapelle auf dem Klosterareal findet die Äbtissin Ruhe und Ausgleich zum stressigen Alltag - wenn sie denn einmal Zeit dafür findet.
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Waldsassen
20.05.2017
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Ihren 60. Geburtstag am 21. Mai feiert Äbtissin Laetitia nicht im Kloster, sondern bei einem Ausflug mit dem Konvent und den Mitarbeitern vom Gästehaus St. Joseph. Bilder: tr (2)

Am morgigen Sonntag wird das Telefon von Äbtissin Laetitia Fech keine ruhige Minute haben und das E-Mail Postfach wird überquellen. An diesem Tag wird sie 60 Jahre alt. Den Geburtstag feiert sie nicht zu Hause, sondern mit einem Kurzausflug zusammen mit Konvent und Mitarbeitern.

Ursprünglich ging Agathe-Maria Fech, so heißt die Äbtissin mit bürgerlichem Namen, vor etwa 40 Jahren ins Kloster, um dort ein zurückgezogenes Leben zu führen. Anfangs funktionierte das auch. "Aber der Herrgott hatte halt andere Aufgaben für mich." Sie war noch nicht lange in Waldsassen als sie der Konvent zur vierten Äbtissin von Waldsassen wählte. Ganz sicher wird sie in die Annalen des Kloster als die Baumeisterin eingehen. Wenigstens an diesem Tag will sie Ruhe haben. Und deshalb verbringt sie ihren Jubeltag mit dem Konvent und den Mitarbeitern des Hauses St. Joseph bei einem Tagesausflug nach Kelheim. Mit Schifffahrt durch den Donaudurchbruch und Einkehr im Kloster Weltenburg, wo die Gesellschaft eine bayerische Brotzeit erwartet. Und einen Schluck vom weltberühmten dunklen Gerstensaft, der dort gebraut wird, gibt es auch.

Komplet in Luhe

Seit 2008 sei geplant, dass alle miteinander einmal einen Ausflug machen. Das ist jetzt das Geburtstagsgeschenk von den Mitschwestern und Mitarbeitern, freut sich die Ordensfrau darauf. Natürlich werden auch beim Ausflug die täglichen Gebete gebetet. "Das geht überall, da brauchen wir nicht unbedingt eine Kirche dazu", erklärt die Äbtissin. Auf der Heimfahrt gibt es noch einen kleinen Zwischenstop in Luhe-Wildenau, um in der Pfarrkirche St. Martin die Komplet zu beten. Der Grund dafür, "ich liebe diese kleine Barockkirche", so die Klosterchefin.

"Eigentlich kann ich die 60 gar nicht so recht glauben", sagt sie über ihren Runden. "Zumindest fühle ich mich nicht so. Was sich in den vergangenen zehn Jahren aber schon verändert hat, ist, dass ich heute über einiges anders denke. Jetzt ist auch schon mal das Ende vom Leben Bestandteil der Gedanken. Das spielte praktisch kaum eine Rolle. Ich schaue das eigene Leben jetzt viel bewusster in die Richtung an, was denn eigentlich wirklich wichtig ist."

Was wünscht sich eine Äbtissin zum 60.? "Keine materiellen Dinge, ich habe alles was ich brauche. Freuen würde ich mich zum Beispiel über eine Pilgerfahrt an einen Muttergotteswallfahrtsort. Ein anderer Wunsch ist der, dass mir der Herrgott, vielleicht in zehn Jahren, erlaubt, dass ich als Äbtissin aufhören darf und dann noch einmal so unbeschwert leben kann, wie am Anfang meiner Klosterzeit, ohne die jetzigen Verpflichtungen mit 1000 Terminen und unendlich viel Verantwortung.

Aus Überzeugung

Ich bin eigentlich nicht ins Kloster gegangen um zu bauen, ich bin nicht ins Kloster gegangen, um zu repräsentieren, ich bin aus Überzeugung ins Kloster gegangen, um ein verborgenes Leben zu führen. Das soll jetzt aber nicht als Klage verstanden werden. Ich glaube ganz fest, dass ich eine Führung im Leben habe und der Herrgott mich zur Äbtissin berufen hat. Ich habe dazu ja gesagt und das birgt alles was dazu gehört in sich."

In der Zwischenzeit habe ihr der Herrgott geeignete Mitschwestern geschickt, von denen sicher eines Tages eine fähig sei, das Äbtissinnen-Amt zu übernehmen. "Es wäre mein großer Wunsch, dass zu meinem nächsten Runden jemand soweit gewachsen ist, um dieses Amt auszufüllen. Wenn man mit 38 Jahren Äbtissin geworden ist, reicht das eigentlich, muss man das nicht unbedingt bis zum 75. Lebensjahr ausreizen.

Ich musste von Anfang an powern und das hat schon auch gezehrt." Im August ist Mutter Laetitia 40 Jahre im Kloster. "Ich habe Entwerfen, Malen und Geige spielen und vor allem meinen Stickerberuf über alles geliebt. Ich habe geglaubt, ich darf hier ein Leben lang sticken. Jetzt habe ich im übertragenen Sinne ein ganzes Kloster gestickt."

Voller Überraschungen

Das Leben ist schön, spannend und voller Überraschungen. Ich hätte nie geglaubt, dass ich als Ordensfrau einmal so viel tun und bewegen kann. Dafür danke ich dem Herrgott und den vielen Menschen, die mir in all den Jahren zur Seite gestanden sind."

Ich hätte nie geglaubt, dass ich als Ordensfrau einmal so viel tun und bewegen kann.Äbtissin Laetitia Fech
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