"Anzügl" und Kleid statt Albe

Ein Kommunionandenken aus der Zeit um 1913, vermutlich ein Werk des Waldsassener Fotografen Anton Hölzl (1857-1938). Das Bild in der Mitte zeigt eine Tochter der Familie Anton Malzer in ihrem Kommunionkleid. Archivbild: exb
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Waldsassen
18.05.2017
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An diesem Wochenende wird wieder Erstkommunion in der Basilika gefeiert. Da wird sicher wieder fleißig darüber diskutiert, dass früher alles ganz anders war als heute. Doch viele Dinge sind auch genauso geblieben - fast genauso zumindest.

In früheren Jahrzehnten war der "Weiße Sonntag" der feste Termin für die Erstkommunion, und dies schon seit dem 18. Jahrhundert! In den vergangenen Jahrzehnten rückten viele Pfarreien davon ab, wohl wegen der Osterferien, und weil die Tage im Mai meist schon wärmer und schöner sind.

In der Pfarrei Waldsassen sind es heuer 39 Kinder, die erstmals zum Tisch des Herrn treten. Im Jahre 1902 waren es trotz einer viel geringeren Einwohnerzahl 70 Erstkommunikanten; 1903 betrug die Zahl 87 und 1904 immerhin 81. Im Jahre 1907 zählte man dann schon 116 Kinder. Bis 1917, also mitten im Ersten Weltkrieg, war die Zahl der Kommunionkinder gar auf 142 gestiegen: ein Beweis für die bedenkliche demografische Entwicklung.

Die Kinder waren damals, wie auch noch gut 30 Jahre später, als Gruppe im Presbyterium versammelt, um dem Altar und damit dem Heilsgeschehen näher zu sein. Die Ortsgeistlichen bemühten sich auch damals schon, die Feier in würdiger liturgischer Form zu gestalten. Die Teilnahme der Eltern und Angehörigen bei der Erstkommunion war eigentlich immer sehr rege. Auch die Nachmittagsandacht war schon üblich. Die Kinder zogen mit ihren Angehörigen früher schon zu der 1905 entstandenen Lourdesgrotte beim Mitterhof. Auch vor 100 Jahren gab es bereits das obligatorische Kommunion-Andenken.

Fotos zur Erinnerung

Ab der Jahrhundertwende breitete sich dank der technischen Errungenschaften dann der Brauch aus, das große Ereignis im Bild festzuhalten. Seit 1909 wirkte Anton Hölzl (1857-1938) als Fotograf in Waldsassen; er hatte als Erinnerungsrahmen eine besondere Bildvorlage entwickelt mit dem jeweiligen Kommunionkind im Vordergrund und dahinter dem "fotografischen Blick" in die Pfarrkirche, wobei solch ein Bild aus der Zeit um 1914 für eine Tochter der Familie Malzer noch erhalten ist. Am Bildsockel ist das Letzte Abendmahl abgebildet. Später setzte der unvergessene Waldsassener Fotograf Josef Weiß (1906-1975) diese beliebte und inzwischen weit verbreitete Tradition mit den Kommunionbildern in moderner und zeitgemäßer Form fort.

In aller Regel wurden die Kinder zur Feier ihrer Erstkommunion neu eingekleidet. Die Mädchen erhielten anfangs ein kurzes, ab den 1960er Jahren ein langes, weißes Kleid und die Buben das sprichwörtliche dunkle "Kommunion-Anzügl" mit kurzer oder langer Hose. Die heutige Praxis mit der einheitlichen Albe für die Kommunionkinder kam erst vor rund 20 Jahren auf. Wichtige Requisiten stellen zeitlos die Kommunionkerzen dar, die man ein Leben lang aufbewahrte, ebenso das Gebetbuch und den Rosenkranz.

Rührende Berichte

Die örtliche Presse publizierte früher ebenso rührende, wie feinsinnige Berichte. So war da einmal die Rede von der "ernsten und feierlichen Stimmung", in der sich die ganze heilige Handlung vollzog. "Ernst und feierlich klingen die ehernen Stimmen von der Höhe in die Herzen hinein, Wehmut und Hoffnung erweckend, aber auch mahnend und liebevoll zugleich ...", lautete 1904 der Tenor. Schließlich galt ja die Erstkommunion als eminent wichtiger Schritt der jungen Christen ins Glaubensleben. Das Altarsakrament wurde als eine Art "Samenkorn, das nun in die Herzen der jungen Menschen gesät wurde" beschrieben.

Während es in anderen Pfarreien schon länger Brauch war, die "Jubelkommunion" zum Andenken an die Erstkommunion vor 25, 40 und mehr Jahren zu feiern, wurde dies in der Pfarrei Waldsassen erst relativ spät eingeführt, um damit eine Art "geistliche Erinnerungskultur" zu pflegen und die Menschen nach einem oftmals bewegten Leben und angesichts einer gewandelten Religiosität neu anzusprechen und auf ihrer Lebensreise zu begleiten.
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