11.09.2017 - 22:06 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Die Nordoberpfalz als geografischer und emotionaler Glücksfall Diplomatische Bekenntnisse zur nördlichen Oberpfalz

"Die Nordoberpfalz ist ein Glücksfall für meine Familie und mich." Diese Feststellung trifft ein weltgewandter Absolvent der Diplomaten-Akademie Berlin, der in Regensburg geboren ist und dessen Frau aus München stammt. Mehr Anerkennung für das Land an der Grenze zu Tschechien geht nicht.

"Die besten Ideen entstehen oft im Garten", sagt Josef Karl. Er gewinnt seiner neuen Heimat Waldsassen nur positive Seiten ab. Im Hintergrund liegen Spielsachen seines Söhnchens Joseph (2). Bild: cf
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Waldsassen/Berlin. Dr. Josef Karl lebt mit seiner Familie in Waldsassen. Der 38-jährige - gelernte - Diplomat leitet als persönlicher Referent das Büro des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Hans-Joachim Fuchtel: mit dem Fokus auf Lateinamerika, Asien und Osteuropa (Länder außerhalb der EU). Der ehemalige Oxford-Stipendiat beherrscht sieben Fremdsprachen - davon fünf fließend - und trug bereits bei seinem ersten diplomatischen Auslandseinsatz in jungen Jahren von 2010 bis 2014 Verantwortung als Kulturattaché in Bukarest.

Was führt einen ausgebildeten Diplomaten ausgerechnet nach Waldsassen? Karl lacht. Vor wenigen Jahren nahm er eine Landkarte zur Hand. "Ich zog eine fiktive Linie von München nach Berlin. Wegen der guten Verkehrsanbindung kam für mich dann eigentlich nur die nördliche Oberpfalz in Frage. Und meine Frau wollte unbedingt, dass wir in Altbayern bleiben."

Internationales Flair in Eger

Der Zufall fügte es, dass in Waldsassen noch die Notariats-Stelle für Ehefrau Sonja Pelikan plötzlich frei wurde. "Regensburg wäre mich verkehrsmäßig viel ungünstiger gelegen. Und die Grenznähe ist in meinen Job immer ein starkes Plus." Beispielsweise, als der Oberstleutnant d. R. die Urlaubsvertretung für den Militärattaché an der deutschen Botschaft in Prag übernahm: "Nach Prag ist es wirklich nur ein Katzensprung. Nach dem Dienst konnte ich in Waldsassen sogar noch an der Feuerwehr-Übung teilnehmen."

Josef Karl engagiert sich nämlich seit Jugendzeiten als Feuerwehrmann. Überhaupt: "In Waldsassen ist immer was los. Ich kenne an jeder Ecke Menschen. Wir fühlen uns sehr wohl." Entgegen kommen ihm die "grenzüberschreitenden Aktivitäten" des Rotary Clubs Stiftland, in dem seine Frau Mitglied ist. Und sollte Karl einmal der Sinn nach "internationalem Flair" stehen, dann besucht er die Innenstadt des nahen Eger (Cheb). Über Eger erreicht er mit dem Zug übrigens schneller seinen Arbeitsplatz in Berlin, als mit der Deutschen Bahn.

Als Büroleiter und persönlicher Referent des Parlamentarischen Staatssekretärs Fuchtel in Berlin sieht sich Karl vor allem als "geräuschloser Organisator im Hintergrund". "Ich befasse mich inhaltlich mit allem, was reinkommt - und suche Lösungen, wie man damit umgeht." Diese "täglich neuen Situationen" stellten stets eine Herausforderung dar.

In diesem Zusammenhang empfindet der ausgebildete Diplomat seine Kindheit in der Schmiedewerkstatt des Großvaters in Eichhofen bei Regensburg "zentral prägend": "Er konnte stets alles reparieren und wieder zum Laufen bringen, auch scheinbar Auswegloses. Sein technisches Talent habe ich zwar nicht geerbt, aber seine Grundeinstellung, dass man immer Lösungen findet - wenn man überzeugt und hartnäckig ist. Auch das brauche ich in meinem Beruf."

"Draht" zum Präsidenten

Schon in der Kindheit betrachtete der Regensburger den diplomatischen Dienst als "Traumberuf". Wie das Leben so spielt: Ein zeitgeschichtliches Projekt über die deutsche Minderheit in Rumänien führte ihn im Zuge seiner Magister- und Doktorarbeit nach Hermannstadt in Siebenbürgen. Der Student leistete sein Praktikum beim damaligen Bürgermeister Klaus Johannis. Jahre später brachte ihn die erste Auslandsverwendung erneut nach Rumänien: als Referenten für die deutsche Minderheit, Kultur und Bildung. Fast zeitgleich wählten die Rumänen Klaus Johannis zu ihrem Staatspräsidenten.

"Es war ein Riesenglück, dass sich unsere Wege wieder überschnitten." Der rumänischen Staatspräsident und der Diplomat: Auch wenn Karl hier bescheiden tiefstapelt - der persönliche "Draht" zwischen ihm und Johannis funktioniert dem Vernehmen nach bis heute.

Karl bedauert, dass das Image dem Land Rumänien "nicht gerecht wird". "Die Wirtschaft - vor allem Autozulieferer und IT - brummt. Es herrscht Arbeitskräftemangel." Er lobt die "ausgeprägte Toleranz" der Rumänen gegenüber ethnischen Minderheiten. Der studierte Volkswirt lehrt bis heute Makroökonomie an der TU Bukarest. Dort erlebt er aus erster Hand, wie "gut ausgebildet und wissbegierig die jungen Leute sind".

In Waldsassen findet Josef Karl mit seiner Familie eine liebgewonnene feste Heimat: Egal, in welche Ecke der Welt ihn die Laufbahn noch verschlagen wird.

Das Leben ist nichts für Spezialisten - und schon gar keine Generalprobe: Ein Diplomat muss von möglichst vielen Dingen viel wissen.Josef Karl, Büroleiter im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Berlin/Bonn)

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