Dr. Annemarie Schraml vor Millionenpublikum bei Fernsehgala "Ein Herz für Kinder"
Ein Engel für Feuerkinder

Kinder mit verdrehten oder verkürzten Beinen werden in Tansania oft als Aussätzige behandelt. Dr. Annemarie Schraml (links) hilft den Kindern, aus diesem Teufelskreis zu entrinnen. Nach einem geglückten Eingriff ist die Freude groß. Bilder: exb (2)
Vermischtes
Waldsassen
06.12.2017
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Das Team mit Dr. Schwendner, Schwester Conny, Dr. Triebel, Schwester Melanie, Schwester Grace, Dr. Hohenberger und Dr. Schraml (von links).
 
Kinder mit verdrehten oder verkürzten Beinen werden in Tansania oft als Aussätzige behandelt. Dr. Annemarie Schraml (links) hilft den Kindern, aus diesem Teufelskreis zu entrinnen. Nach einem geglückten Eingriff ist die Freude groß. Bilder: exb (2)

Dr. Annemarie Schraml ist für viele Kinder aus Tansania ein Engel. Einer, der nicht nur zur Weihnachtszeit erscheint. Ständig kreisen die Gedanken der Stiftländerin um die Not in diesem Land. Am Samstag erfährt ein Millionenpublikum davon.

Die Orthopädin im Ruhestand aus Waldsassen ist zur Spendengala "Ein Herz für Kinder" eingeladen und darf dort von ihrem Projekt erzählen. Die 65-jährige gebürtige Stiftländerin operiert seit 17 Jahren Kinder in Tansania, die mit entstellten Beinen oder Klumpfüßen zur Welt kommen. Da die Buben und Mädchen oft in die offenen Feuerstellen in den Hütten fallen, werden sie auch Feuerkinder genannt.

Vor kurzem war Dr. Annemarie Schraml wieder in Tansania zu Operationen - schon das dritte Mal in diesem Jahr. Mit dabei war diesmal auch ein Kamerateam, das für die Spendengala Bilder von ihrem Feuerkinder-Projekt gedreht hat. An zehn Operationstagen wurden bei diesem Aufenthalt 85 Operationen durchgeführt. Unterstützt wurde Dr. Schraml durch den jetzt in Fulda tätigen Kinderorthopäden Dr. Gerd Hohenberger, den Nürnberger Anästhesisten Dr. Klaus Schwendner, die beiden in München tätigen OP-Schwestern Melanie Alt und Conny Gerrer, den Rummelsberger Orthopädietechnikermeister Peter Raab sowie die an der Uniklinik Jena tätige Neuropädiaterin Dr. Mirjam Triebel.

Kinder mit extremen X-Beinen

Schon seit dem Jahr 2000, dem Beginn des Feuerkinder-Projektes ist eine wesentliche Unterstützung die Krankenschwester und Hebamme Grace Ayoo-Küffner, die jetzt in Nürnberg lebt und weiterhin jeden Einsatz tatkräftig begleitet. "Sehr erfreulich war, wie engagiert die einheimischen Schwestern und Pfleger mitarbeiteten", so Dr. Schraml. Sehr hilfreich war nach ihren Angaben diesmal auch, dass Dr. Hohenberger im Team war, der erforderliche Operationen durchführte, während Dr. Schraml mit dem Fernsehteam beschäftigt war, das den Beitrag für die Spendengala "Ein Herz für Kinder" drehte. Am ersten Tag des Einsatzes wurden 110 Kinder zur Untersuchung gebracht, alleine durch Mund-zu-Mund-Propaganda, obwohl keinerlei öffentliche Information erfolgt war. Besonders oft operierte das Team Kinder mit extremen X- und O-Beinen, die während des August-Einsatzes aus Zeitgründen auf das nächste Mal vertröstet worden waren.

Das Filmteam besuchte auch zwei Kinder in ihrer häuslichen Umgebung. "Es war äußerst deprimierend zu sehen, wie groß zum Teil die Armut ist und wie rasch in Tansania die Schere zwischen Arm und Reich auseinandergeht", klagt Dr. Schraml. Sie berichtet von der achtköpfigen Familie der kleinen Shaksia, die auf 16 Quadratmetern lebt und von der Familie von Upendo und Daima, die ebenfalls acht Familienmitglieder zählt. Upendo macht im Reha-Center Usa River eine Ausbildung zur Schneiderin. Daima arbeitet in einem Hotel. Beide Mädchen können nun mit Unterstützung des Feuerkinder-Teams ihre äußerst armen Eltern und die jüngeren Geschwister unterstützen.

Verseuchter Boden

Geplant ist der Bau eines Hauses für diese Familie in einer Gegend, in der nicht absolute Trockenheit herrscht und der Boden infolge des Minenabbaus verseucht ist. Auch der tansanische Fahrer des Feuerkinder-Teams war von dem, was er sah, zutiefst beeindruckt. Er hatte in seinem Heimatland noch nie eine so große Armut gesehen. Am Beispiel von Upendo und Daima wird das Ziel der Arbeit des Feuerkinder-Projektes deutlich: Dass behinderte Kinder ihre Beine und Arme benutzen, in die Schule gehen, einen Beruf erlernen oder studieren können, um so aus der Spirale der Armut herauszukommen. "Der einzig richtige Weg zur Fluchtprophylaxe der Menschen aus Afrika", so Dr. Schraml.

In Gesprächen mit dem neuen Bischof der Meru-Diözese und den Verantwortlichen des Reha-Centers Usa River konnte Dr. Schraml die Gründung eines Fonds zur Unterstützung von sehr armen Patienten, die eine medizinische Behandlung nicht bezahlen können, und die Reaktivierung der Dorfarbeit in die Wege leiten. Es werden je 5000 Euro zur Verfügung gestellt. Aus diesem Fonds werden auch Grundnahrungsmittel für arme Familien oder Schulgeld für behandelte Kinder bezahlt. "Es ist paradox, dass Patienten, die ihre Krankenhausrechnung nicht bezahlen können, nicht entlassen werden, was natürlich dazu führt, dass die Rechnung täglich ansteigt. Zum Teil müssen Hausrat und Haustiere verkauft werden, was die Probleme nur noch verstärkt", beschreibt Dr. Schraml einen Teufelskreis.

Ausbildung der Ärzte erfolgreich

Sehr erfreulich war es für die Oberpfälzerin zu sehen, dass die beiden durch ihr Team ausgebildeten Ärzte Dr. Kiwesa und Dr. Mollel nun im Nkoaranga-Krankenhaus während des Jahres selbst viele Operationen durchführen, unterstützt durch die Operationsmaterialien und Medikamente des Feuerkinder-Projekts.

Umso unverständlicher ist es, dass die bürokratischen Hürden für die Einfuhr der Materialien immer schwieriger und teurer werden. Trotz dieser immer größer werdenden Schwierigkeiten will das Feuerkinder-Team die Arbeit in Tansania fortsetzen. Und so sammelt Dr. Schraml weiter Geld für Feuerkinder. Ein Spendenkonto ist bei der Evangelischen Bank Kassel eingerichtet (IBAN DE53 520 604 100 103 509 982).

Fernsehgala "Ein Herz für Kinder"Seit 1978 sammelte die Hilfsorganisation BILD hilft e.V. - "Ein Herz für Kinder" über 294 Millionen Euro Spenden, mit denen der Verein Schicksalsschläge abmildert und große Projekte unterstützt - national wie international. Die Hilfsorganisation engagiert sich schnell und unbürokratisch, wenn Kinder Hilfe brauchen.

Wichtiger Bestandteil des Hilfsprojekts ist die Spenden-Fernsehgala "Ein Herz für Kinder", die am Samstag, 9. Dezember, um 20.15 Uhr im Studio Berlin Adlershof stattfindet. Das ZDF überträgt die von Johannes B. Kerner moderierte Show live ab 20.15 Uhr. Über 60 Prominente aus Gesellschaft, Sport, Politik und Showbusiness sitzen an den Telefonen und nehmen während der Gala Spenden der Zuschauer entgegen.

Viele prominente Gäste übernehmen dabei auch Patenschaften für die vielen bewegenden Geschichten in der Sendung. Unter anderem haben Sarah Connor und Jan-Josef Liefers ihr Kommen zugesagt.

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Weitere Informationen:

www.ein-herz-fuer-kinder.de
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