01.09.2017 - 20:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Faulbrut bei Bienen ist auf dem Vormarsch Imkerei ist auch Verantwortung

Damit Anfänger kein Fiasko erleben, empfehlen Imkervereine Neulingen zuerst einmal einen Grundkurs zu belegen. Der Kreis-Sachverständige für Bienenkrankheiten, Josef Ernst, erklärt warum das so wichtig ist. Es geht dabei nämlich auch um die Eindämmung von Seuchen.

Das weiße Etwas, das Josef Ernst mittels Äschen aus der Brutwabe zieht, ist der Reste einer gesunden Bienenlarve. Wäre ein kakaobrauner Faden zum Vorschein gekommen, wäre das ein eindeutiger Beweis für das Vorhandensein von Faulbrut-Sporen gewesen. Bilder: tr (2)
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Münchenreuth. Dass immer mehr Menschen mit der Imkerei beginnen und somit die flächendeckende Bestäubung für Nutz- und Wildpflanzen sichern, sieht Josef Ernst durchaus positiv. "Aber wenn Leute ohne Grundkenntnisse über die wesensgemäße Bienenhaltung einsteigen, dann ist das eine nicht unproblematische Situation."

Auf dem Vormarsch

Bienenkrankheiten seien schon seit geraumer Zeit auf dem Vormarsch und nur schwer in den Griff zu bekommen. Aktuell häufen sich laut Ernst die Fälle von Faulbruterkrankungen bei den Bienenvölkern nicht nur im Landkreis Tirschenreuth, sondern flächendeckend im ganzen europäischen Raum. In außereuropäischen Ländern werde die Krankheit mit Medikamenten unterdrückt.

"Aus dem Grund weisen nahezu alle Honige aus diesen Ländern Faulbrutsporen auf und dürfen keinesfalls an unsere Bienen verfüttert werden", warnt der Experte. Leere Honiggläser aus dem EU-Ausland, müssten vor der Entsorgung in Glascontainer gründlich gewaschen werden, damit die Sporen nicht auf diesem Weg weiterverbreitet werden. Es sei davon auszugehen, dass Honig, der beispielsweise aus Russland, Südamerika oder China stamme, immer antibiotisch belastet sei und Sporen der Faulbrut enthalte. Für den Verbraucher seien die Sporen nicht gefährlich.

Zwei Stadien

Faulbrut entstehe in zwei Stadien. In der ersten Phase befielen die oben genannten Sporen die Bruträume im Bienenstock. Bis sich daraus dann die tödlichen Bakterien entwickelten, könnten zwei bis drei Jahre vergehen. Auf dem Territorium der Europäischen Union werde versucht, die befallenen Bienenvölker ohne Einsatz von Medikamenten zu sanieren. Im restlichen Teil der Honig produzierenden Welt setzten die Hersteller auf Antibiotika, die den Bakterien den Garaus machten, aber nicht die vorausgehenden Sporen abtöten würden. Deshalb finden sich laut Ernst praktisch in jedem Honig aus dem Nicht-EU-Ausland Antibiotikateile.

Wichtiger Grundkurs

Der Bienensachverständige bittet in diesem Zusammenhang alle Neu-Imker und Anfänger, sich bei einem Grundkurs die wesentlichen Kenntnisse über die Imkerei anzueignen. Der Umgang mit den nützlichen Bestäubern bereite nicht nur Freude, sondern bedeute nämlich auch Verantwortung. Nicht nur für das eigene Bienenvolk, sondern auch gegenüber den Imker-Kollegen in unmittelbarer Nähe. Denn die Bienen selbst würden die Sporen auch in andere Stöcke tragen.

Bei den Kursen werde unter anderem auf die Bienenseuchenverordnung hingewiesen. Viele Anfänger wüssten nicht, dass Bienenhaltung anzeigepflichtig gegenüber dem Veterinäramt ist. Wer dieser Verordnung nicht nachkomme, riskiere ein hohes Bußgeld von bis zu 30 000 Euro. Wer Bienen außerhalb des Landkreises einkaufe oder in einen anderen Landkreis verbringe, müsse sich ein amtliches Gesundheitszeugnis zeigen lassen, beziehungsweise beim Veterinäramt eines einholen. Bei den Grundkursen zur Bienenhaltung werde speziell auf die Bedürfnisse der Bienen hingewiesen und gezeigt, wie mit imkereilichen Eingriffen die Tiere vital und gesund gehalten werden können.

Für Neu-Imker vermitteln die Imkervereine auch "alte Hasen" als sogenannte Imker-Paten. Aktuell gehören dem Kreisverband Tirschenreuth etwa 330 aktive Imker, die etwa 2000 Bienenvölker betreuen, an. Josef Ernst sagt, "wir dachten, dass eigentlich die meisten Imker organisiert sind. Aber es tauchen immer mehr auf, die einfach so loslegen." Früher seien Bienen anscheinend robuster gewesen, stellt der Sachverständige fest. Dass das heute anders ist, führt er auch auf vermehrten Herbizideinsatz zurück. Per Anschreiben hat das Veterinäramt die Gemeinden im Frühjahr auf die Faulbrut-Problematik aufmerksam gemacht. Daraufhin wurde im ganzen Landkreis ein Faulbrutmonitoring durchgeführt. Mit dem Ergebnis, dass zwar Sporen gefunden wurden, aber kein Grund zur Panik bestehe.

Wie man einen befallenen Bienenstock saniert und dabei die Selbstheilungskräfte eines Bienenvolkes mobilisiert, weiß Josef Ernst genau. "Wenn dabei sauber gearbeitet wird, liegt die Erfolgsquote bei über 95 Prozent. Die Seuche werden wir aber nie ganz in den Griff bekommen."

Kurse für Neueinsteiger

Anfängern stehen der Sachverständige und andere versierte Imker jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Jedes Frühjahr bieten der Bezirksverband in Aschach, der Kreisverband und diverse Ortsverbände entsprechende Kurse für Neueinsteiger an.

Hintergrund

Josef Ernst ist Bienensachverständiger im Landesverband Bayerischer Imker. In enger Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt Tirschenreuth kümmert er sich um die Vorbeugung und Erkennung von Bienenkrankheiten und um die Sanierung erkrankter Bienenvölker. Sorge bereiten ihm die zunehmende Gefahr von Brutkrankheiten und die Tatsache, dass immer mehr Imker ohne Vorkenntnisse und Anleitung durch Fachleute mit der Bienenhaltung beginnen. Sein Rat, der übrigens nicht nur für Anfänger gilt, lautet: "Wenn jemand merkt, es stimmt was nicht im Bienenvolk, soll er sofort beim Veterinäramt, beim Kreisverband oder beim Ortsvorsitzenden Rat suchen. (tr)

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