Filmdreharbeiten im Kloster Waldsassen
Hauptrolle für eine Treppe

Gruppenfoto nach getaner Arbeit mit (von links) Kai Junge (Ton), Christian Scheunert (Licht). Thomas Beckmann (Kamera), Hauptdarsteller Hans Weis, Niklas Junker (Kameraassistent) und Jan Oechsner (Regie, Drehbuch und Co-Produzent). Bild: Privat
Vermischtes
Waldsassen
29.12.2016
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In so gleißendes Licht getaucht war das ehemalige Sudhaus im Mühlenviertel noch nie. Nein, hier wird noch nicht saniert. Hier wird gedreht. Nicht Däumchen, sondern ein Film.

Ein Waldsassener Passant fragte gleich mal nach, ob denn hier jetzt wohl doch abgerissen wird, obwohl es doch immer geheißen habe, dass das Mühlenviertel generalsaniert wird. Dabei bleibt es auch. Abgerissen wird nicht. Es war schon ein wenig eine Geheimniskrämerei um das Geschehen hinter dem alten Gemäuer aus dem 16. Jahrhundert, das nach der Restaurierung eine Physiotherapie-Praxis und im Obergeschoss eine Pilgerherberge beinhalten wird. Ein Team der Filmwerkstatt Chemnitz hatte drei Tage lang das alte Gebäude in Beschlag genommen und den Kurzfilm "Die Treppe" gedreht. Das Areal mit den uralten Bauten wird von Grund auf für etwa 11,8 Millionen Euro saniert (wir berichteten).

Zufällig entdeckt

"Ich habe dieses Sudhaus vor knapp zwei Jahren zufällig auf der Durchreise entdeckt und als Filmkulisse sofort als perfekt eingestuft, gerade weil es heruntergekommen, bei richtigem Licht sogar etwas gruselig aussieht", erklärte Jan Oechsner, der Regisseur aus Gornsdorf, als er bei Äbtissin Laetitia Fech mit seinem Projekt vorstellig geworden war.

Mit Hilfe des Klosters und dem Enthusiasmus des Filmteams sollte ein Kurzstreifen entstehen, bei dem es dem Zuschauer unbehaglich werden soll. Schließlich steht die alte, steile, instabile Treppe im Sudhaus im Mittelpunkt des Geschehens und die Frage: "Hat diese Treppe Leben in sich? Ist sie böse?"

Waldsassener Schauspieler

Fünf Waldsassener könnten diese Fragen bereits beantworten. Sie spielen in dem teils surrealen Film mit. Dabei sind Monika Grötsch mit Tochter Lisa und Sabine Hoscheck mit ihrem sechsjährigen Sohn Simon. Der Hauptdarsteller heißt Hans Weis. Der ist in Waldsassen vor allem als so als eine Art gute Seele des Klosters bekannt. Vor allem wenn es darum geht, kleinere Arbeiten zu erledigen, ist auf ihn Verlass. "Eigentlich vergeht kein Tag, wo ich nicht irgendwas in der Abtei zu tun habe", sagt der 75-Jährige.

Vor der Kamera stand er noch nie, wohl aber schon oft dahinter. Denn eines seiner Hobbys war es, seine Heimat mit ihrer Tierwelt im Super 8-Format auf Zelluloid zu bannen. Der Regisseur habe ihn gefragt, ob er mitmachen wolle - "weil ich so ernst schauen kann, wenn ich will", sagt Weis und lacht verschmitzt. Spontan habe er zugesagt. Seine Rolle übte er mimisch und gestisch zu Hause, damit beim Dreh alles sitzt.

"Wir mussten da ja nicht sprechen", erklärt Hans Weis. "Es geht in der Hauptsache um Gesten. Das war echte Arbeit", beschreibt er die drei Drehtage, die um 9 Uhr begannen und teilweise erst um 20 Uhr zu Ende waren. Ganz in Schwarz kommt der Protagonist im Film daher mit Mantel und breitkrempigem Hut.

Der Mantel gehört ihm selbst, der Hut ist eine Leihgabe von Gabriele Salomon, die bei der Suche danach zu ihm gesagt hat: "Nicht verzagen, Gabi fragen." Eine Einstellung verlangte von ihm, dass er die enge Brauhausgasse entlanggeht. "Das haben wir bestimmt 15 mal hintereinander gedreht - ich war danach total durchgefroren."

Das Filmteam freut sich, dass es geklappt hat, einige Drehtage im engen Zeitplan des millionenschweren Mühlenviertel-Projekts zu ergattern. Vielleicht die letzte Gelegenheit, denn nach der Sanierung etabliert die Abtei zusammen mit der Katholischen Jugendfürsorge hier das Projekt "Gemeinschaftlich Wohnen, selbstbestimmt leben". Schwerpunkt dabei ist das Thema "Inklusion". Damit soll in Waldsassen ein Wohnangebot geschaffen werden, durch das Menschen mit Behinderung, Senioren und junge Menschen selbstständig leben, soziale Kontakte pflegen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Sehr wohl gefühlt

Die Finanzierung steht, bis auf gut 2,8 Millionen Euro, die das Kloster als Eigenanteil stemmen muss. "Ich würde mich für das Kloster sehr freuen, wenn sich noch Spender finden", äußerte Jan Oechsner gegenüber der Äbtissin. Der Grund sei ein ganz einfacher: "Es ist ein tolles Kloster mit tollen Menschen. Es ist eine tolle Stadt mit tollen Menschen. Wir haben uns, und da kann ich für das gesamte Team sprechen, sehr wohl gefühlt in Waldsassen."

Es ist ein tolles Kloster mit tollen Menschen. Es ist eine tolle Stadt mit tollen Menschen.Regisseur Jan Oechsner
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