19.02.2018 - 18:46 Uhr
Waldsassen

Fünf Senioren aus Neustadt werden nach Brand liebevoll in Waldsassen umsorgt Notunterkunft mit Wintergarten

Waldsassen/Neustadt. Es ist 3.30 Uhr am 1. Februar, als der Leiter des Seniorenheims St. Martin in Waldsassen einen Anruf bekommt. Im Seniorenheim St. Martin in Neustadt sei ein Feuer ausgebrochen. Da aufgrund der starken Rauchentwicklung keiner mehr ins Haus zurück könne, wird angefragt, ob Waldsassen einige Neustädter Senioren aufnehmen kann.

Heimleiter Bernhard Riedl und die Neustädter Altenpflegerin Helga Fenzl tun alles für Herta Pöllmann, damit sie sich während ihres Aufenthalts im Seniorenheim St. Martin in Waldsassen wohl fühlen kann.
von Ulla Britta BaumerProfil

"Da muss man helfen", entscheidet Bernhard Riedl sofort. Umgehend werden fünf Zimmer ausgesucht. Gott sei Dank sind Kapazitäten frei. "Zuerst dachten wir, die Pflegegäste kommen in der Nacht. Aber sie wurden uns dann erst im Laufe des nächsten Tages gebracht", erzählt Riedl weiter.

Vertraute Pfleger dabei

Das war vor knapp drei Wochen. Seither werden die fünf Neustädter in ihrer Klosterstädter "Notunterkunft" liebevoll verwöhnt. Alle haben Einzelzimmer bekommen, und es gibt sogar "Exklusivpflege". Zwei Altenpflegerinnen aus dem momentan verwaisten Neustädter Heim sind nun in Waldsassen vorübergehend tätig. "So haben die alten Menschen eine vertraute Person um sich", freut das Riedl. Denn eine solch abrupte Umverlegung in die Fremde, noch dazu nach dem Schock, sei für die alten Leute schrecklich. Helga Fenzl, eine der Altenpflegerinnen aus Neustadt, bestätigt das. Sie macht der 80-jährigen Herta Pöllmann gerade die Haare, dreht Lockenwickler ein. Pöllmann wohnte bereits zwei Jahre im Neustädter Heim, als das Feuer ausbrach. "Ich bin Mitterteicherin", berichtet die Altenpflegerin lachend. Ihr Weg zur Arbeit sei jetzt erst einmal kürzer. "Das Feuer war für mich ein ziemlicher Schock", weiß Fenzl. Weit schlimmer sei es natürlich den Senioren ergangen.

Feuerwehrleute im Flur

Pöllmann erzählt aufgeregt von ihrem Erlebnis in dieser Nacht. Als der Rauchmelder Alarm schlug, sei sie aufgewacht. Es habe nach Rauch gestunken, und ihr erster Gedanke sei gewesen: "Jetzt geht's für immer dahin." Die Seniorin lief schnell zur Tür hinaus. Am Flur seien überall Feuerwehrleute herumgelaufen, berichtet sie weiter. "Die schickten mich zurück ins Bett." Trotz großer Angst musste die Neustädterin tapfer ausharren bis zur Evakuierung.

"Ich hätte nicht tauschen wollen. Die armen alten Leute", stöhnt Heimleiter Riedl bei diesem Bericht. Er kann sich die Schreckensnacht gut ausmalen, zumal es in Waldsassen im Februar 2010 auch gebrannt hat. Riedl erinnert sich an eine ähnliche Situation. "Wir mussten alle rausbringen, es war bitterkalt." Die Waldsassener konnten nach diesem Zimmerbrand zurück ins Heim. Die Neustädter hatten weniger Glück, wie Pöllmann weiter berichtet. "Wir wurden alle in den Kindergarten daneben geführt. Dann mussten wir in die Gymnasium-Turnhalle. Da waren Betten aufgestellt", erzählt sie.

Am nächsten Morgen habe man ihr gesagt, dass sie nach Waldsassen müsse. Das sei ein weiterer Schock gewesen. "Aber hier ist alles in Ordnung. Wir sind gut aufgehoben", sagt sie mit zufriedener Stimme. Pöllmann hatte Glück im Unglück: Ihre Notunterkunft in Waldsassen ist groß, hell und hat sogar einen kleinen Wintergarten. "Das Nötigste haben wir sofort mitgebracht. Inzwischen ist alles da, auch der Schmuck", berichtet Altenpflegerin Fenzl mit Blick auf die schicke Halskette, mit der sich Herta Pöllmann heute geschmückt hat.

Und Riedl kann das gute Zusammenspiel der beiden Heime in der Notlage nur loben: "Die Kolleginnen übergaben uns alle Unterlagen. Eine nahtlose Weiterversorgung war umgehend gewährleistet." Riedl macht der 80-Jährigen aus dem Nachbarlandkreis ein nettes Angebot: "Wer von meinen fünf Gästen hier bleiben will: Ich habe nichts dagegen." Pöllmann strahlt den Heimleiter an. Es gefalle ihr hier wirklich gut. Aber, schränkt sie ein, sie wolle wieder zurück in ihr vertrautes Neustadt.

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