05.03.2018 - 20:00 Uhr
Waldsassen

Imkerverein Waldsassen Gottes Wunder, Imkers Beitrag

Die Wünsche für die nächsten 100 Jahre aus Sicht der Imker sind klar formuliert: "Bienenfreundliche Pflanzen einplanen, nahrungsreiche Lebensräume schaffen, so weit wie irgend möglich auf Pflanzenbehandlungen verzichten."

Josef Ernst wünschte allen Imkern "volle Honigtöpfe".
von Konrad RosnerProfil

Josef Ernst ist seit 22 Jahren Vorsitzender des Imkervereins Waldsassen. Der feierte am Sonntag 100-jähriges Bestehen, verbunden mit dem Oberpfälzer Imkertag. Ernst wandte sich mit seinen Zukunftswünschen besonders an die Kommunen, die Landwirtschaft sowie die Obst- und Gartenbauvereine: "Nicht Quantität, sondern Qualität als Ziel setzen sowie naturnahe Gärten und Blumenwiesen anlegen." Sollte dies alles umgesetzt werden, dann dürfte der Spruch "willst du Gottes Wunder sehen, musst du zu den Bienen gehen" auch in den kommenden Jahrhunderten Bestand haben, sagte der Vorsitzende. Allen Imkern wünschte er ein gutes Bienenjahr und "volle Honigtöpfe".

Zu Beginn des Festaktes in der städtischen Turnhalle freute sich Josef Ernst auch über den Besuch zahlreicher Ehrengäste. Bei diesem Jubiläum wolle man an die Generationen von Imkern und deren Motivation denken, Bienen zu halten und dem Imkerverein beizutreten. Der Imkerverein sei 1918 in erster Linie gegründet worden, die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. In der Nazi-Zeit habe man versucht, eine "arische Biene" zu züchten, welche die Stecher hervorgebracht habe. "Mit diesen bösen Bienen mussten unsere Vorgänger imkern, bis sich endlich die Carnica durchgesetzt hatte."

Ende der 1970er-Jahre sei mit der Varroamilbe eine neue Geißel der Imkerei aufgetreten, die man heute noch bekämpfe. Ernst betonte, dass die Biene ein Indikator für die aktuellen Lebensgrundlagen sei. "Wenn die Biene Probleme hat, um zu überleben, dann können wir Menschen nicht erwarten, dass wir im Gesundheitsparadies leben." Die Milben und ihre Viren würden immer widerstandsfähiger, die Bienen jedoch immer anfälliger. Pestizide und Fungizide täten ein Übriges. Dennoch wollte der Redner nicht auf die Landwirte schimpfen, "denn zum Überleben müssen sie auch was verdienen". Um die Zukunft positiv zu gestalten, sollte man miteinander reden und gemeinsame Strategien entwickeln. Denn sowohl die Landwirtschaft als auch die Imker hätten ein großes Interesse am Bestand der Natur. Josef Ernst forderte dazu auf, auch die Verbraucher mitzunehmen und ihnen klarzumachen, für das Lebensmittel das Geld auszugeben, das es wert sei. Das Motto "Geiz ist geil" sei das Schlimmste für unsere Gesellschaft.

"Eure Arbeit ist ein Segen", wandte sich Bezirkstagspräsident Franz Löffler an die Imker. Er zeigte sich von der Ansprache des Waldsassener Vorsitzenden beeindruckt: "Was Sie in den letzten 15 Minuten gesagt haben, sollte man jedem Menschen ins Stammbuch schreiben. Sie haben aufgezeigt, welche Bedeutung die Imker für unsere Heimat haben." Die Gesellschaft von heute gebe lediglich 7 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus, "früher waren es 30 bis 40 Prozent". Die Imker verkörperten gelebte Heimat, sie seien ein wichtiger Eckpfeiler. Löffler machte klar, wenn der Lebensraum der Bienen nicht mehr funktioniere, funktioniere auch vieles andere nicht mehr. Wichtig sei, insektenfreundliche Hausgärten anzulegen, auch bei der Gehölzpflege sollte man auf den Lebensraum der Bienen achten. Löffler plädierte für ein Miteinander von Imkern, Jägern und Landwirtschaft.

Landtagsabgeordneter Tobias Reiß verwies auf die lange Tradition, die die Imkerei auch dank des Klosters in Waldsassen habe. Großes Lob zollte er Vorsitzendem Josef Ernst: "Ein Imker mit Herzblut." Auch Reiß betonte das Miteinander mit der Landwirtschaft. Stellvertretender Landrat Alfred Scheidler verwies auf die Leidenschaft "einmal Imker, immer Imker", die vor allem der Allgemeinheit zugute komme. "Ich bin ein Genussmensch. Was gibt es Schöneres als am Sonntagvormittag eine frische Semmel mit Honig beschmiert", sagte Scheidler und überreichte im Auftrag des Landkreises einen Scheck über 500 Euro.

Bürgermeister Bernd Sommer verwies auf die Tatsache, dass es in Waldsassen kaum ein Fest gebe, bei dem nicht die Imker präsent seien. Sommer ging auf die Bewerbung für die Landesgartenschau ein: "Wir wollen weg von einer reinen Blumenschau. Uns geht es um den Nutzgarten, der muss wieder mehr im Mittelpunkt stehen." Die Natur zu schützen sei auch einer der Gründe, weshalb sich Waldsassen als Weltkulturerbe beworben habe. Sommers abschließender Rat: "Es ist wichtig, auf die Imker zu hören." Leitender Landwirtschaftsdirektor Wolfgang Wenisch befand: "Wir sind das Land, in dem Milch und Honig fließen". Der Chef des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten verwies auf aktuelle Veränderungen, man wolle wieder mehr auf Vielfalt setzen und den Ökolandbau stärken. Wenisch wörtlich: "Es gibt viel zu tun, wir haben verstanden."

Sehr umfassend stellte anschließend Kreisheimatpfleger Robert Treml die wechselvolle Chronik des Imkervereins Waldsassen bis zum heutigen Tag vor. Musikalisch wurde das Jubiläum von einem Quartett der Münchenreuther Bauernkapelle umrahmt.

Beim anschließenden Imkertag verwies Bezirksvorsitzender Richard Schecklmann darauf, dass der Imker von heute mehr tun müsse, als nur mit den Bienen richtig umzugehen. Es gebe immer neue Herausforderungen. Umso wichtiger sei eine fundierte Ausbildung, warb er für die Imkerschule in Aschach. "Imkern ist in", freute er sich. Auch viele Frauen fänden mittlerweile Freude daran. Nicole Höcherl vom Institut für Bienenzucht und Imkerei in Veitshöchheim referierte zum Thema "Bee Warned - das bayerische Frühwarnsystem für den kleinen Beutenkäfer und die asiatische Hornisse". Diese Insekten seien realistische Bedrohungen für die heimische Biene.Mit einem imposanten Festgottesdienst in der Basilika eröffnete der Imkerverein Waldsassen seinen Jubiläumstag. Gesanglich wurde der Gottesdienst von der Choralschola der Basilika umrahmt. In seiner Predigt nahm Stadtpfarrer Thomas Vogl Bezug auf den Jubiläumsverein: "Die Biene, so lange sie nicht sticht, erfreut sich großer Beliebtheit." Dies wohl vor allem wegen ihrer Produkte, dem köstlichen Honig und wegen ihres Fleißes. Der Biene begegne man deshalb mit sehr viel Respekt, Hochachtung und Dankbarkeit. Diese Wertschätzung für die Biene könne man sogar schon im Alten Testament nachlesen, wo es unter anderem heiße "ihr werdet in das Land ziehen, wo Milch und Honig fließen". Die Biene habe in diesem Text die höchste Weihe erhalten. Sie habe es auch in die Osternacht geschafft. Die Osterkerze, auch die in der Basilika, sei aus dem Wachs der Bienen gefertigt. Der Biene schmelzendes Wachs sei dazu da, damit die Flamme brennen könne, so wie sich Gott am Kreuz für die Menschen hergegeben habe.

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