Linda Hamann noch bis Juni in Vietnam
Jahreswechsel erst in vier Wochen

Ein großartiges Erlebnis: die Hochzeit von Lindas Kollegin Thu.
Vermischtes
Waldsassen
31.12.2016
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Beim vietnamesischen Frühstück mit den Kollegen Martin aus Deutschland und Duy.
 
"Für Sprachen und fremde Kulturen hatte ich schon immer eine ausgeprägte Leidenschaft", sagt Linda Hamann, die noch bis Juni in Vietnam bleiben wird. Hier die 26-Jährige in der Nationaltracht Aó Dài - "quasi das vietnamesische Dirndl", wie die Tirschenreuther Kreisvorsitzende der Jungen Föderalisten erzählt. In diesen Tagen ist Linda in Kambodscha unterwegs, Ende Januar wird die Stiftländerin in Saigon sein.

Ho-Chi-Minh-Stadt/Waldsassen. Die Familie reagierte zunächst verhalten. "Was willst du denn bitte in Vietnam?" Aber Lindas Fernweh war größer als die Bedenken. Sie sagte nach langem Überlegen zu. "Wenn du es die zehn Monate nicht aushältst, kommst halt zu Weihnachten nach Hause", meinte die Familie.

Doch so weit kam es nicht. Im Gegenteil: An Weihnachten haben sich Freunde aus Bamberg angesagt, im Februar Papa und Bruder. Beim Flug nach Asien Ende August war eine Freundin aus der Heimat mit dabei und zwei Wochen geblieben. "Ich weiß jetzt schon, dass mir der Abschied von Vietnam im Juni schwer fallen wird", sagt die 26-Jährige. Sie unterrichtet Deutsch an der Universität für Geistes- und Sozialwissenschaften in Ho-Chi-Minh-Stadt.

Die blasse Haut

"Alle meine Kollegen und die Studenten haben mich herzlich aufgenommen." Linda lebt in einer WG - mit zwei Vietnamesinnen, einer Französin und einer Amerikanerin. Ho-Chi-Minh-Stadt - oder Saigon, wie viele Vietnamesen die Stadt auch (noch) nennen - beschreibt Linda als "sehr internationale und dynamische Stadt". Anschluss sei rasch zu finden. "Man wird auf der Straße von wildfremden Menschen gegrüßt. Alle sind neugierig, woher man kommt." Beneidet wird Linda um ihre blasse Haut: In Asien ist Blässe sehr begehrt, Body-Lotions enthalten "Weißmacher". "Das Gegenstück zu unserem Selbstbräuner und der braunen Haut." Heimweh? Für Linda kein Thema. "Ich unterrichte auch Deutsch hier in Vietnam und habe somit jeden Tag auch mit der deutschen Sprache und Deutschland zu tun. Der Kontakt über moderne Kommunikationsmedien sei unkompliziert. Allerdings vermisst Linda das in Deutschland übliche Essen - Brot, Milchprodukte wie Käse, Quark. Linda freut sich schon auf den Besuch, "... der dann hoffentlich auch ein bisschen deutsches Essen im Gepäck hat".

Weihnachtsstimmung? Fehlanzeige. Das christliche Fest wird in Vietnam nicht gefeiert: Am 24. Dezember war in der Uni eine mündliche Prüfung angesetzt, außerdem passen die äußeren Bedingungen gar nicht zum Fest - bei 30°C Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit. Wichtigstes Fest für die Vietnamesen ist das vietnamesische Neujahrsfest "T?t" - nach dem Mondkalender der erste Tag des neuen Jahres, dieses Mal am 28. Januar. An diesem Tag beginnt das Jahr 2017 auch in Asien offiziell, das dann unter dem Zeichen des Hahns steht - jedes Jahr ist es ein anderes Tier. Das spannende Kennenlernen der Traditionen des Neujahrsfests entschädigt Linda dafür, dass Weihnachten anders verlief als gewohnt.

Unerreichbares Traumland

"Ich bin immer wieder überrascht, dass so viele Vietnamesen Deutsch lernen möchten." Bei den engen wirtschaftlichen und politischen Kooperationen zwischen Vietnam und Deutschland hätten deutsch sprechende Fachkräfte gute Chancen auf Jobs bei deutschen Unternehmen in Vietnam oder im Tourismusbereich. "Deutschland wird hier als Land gesehen, in dem viel gut funktioniert, alles gut organisiert ist und so etwas wie ein ,unerreichbares Traumland' ist." Viele Studenten lernten Deutsch, "... obwohl sie noch nie in Deutschland gewesen sind und Land und Kultur eigentlich vorher nicht gekannt haben". Ein besonders schönes Erlebnis für Linda: Die Verlobungsfeier und die Hochzeit einer vietnamesischen Kollegin. "Dabei habe ich gelernt, dass auf vietnamesischen Hochzeiten mindestens 500 bis 600 Leute eingeladen sind, die Feier mit diesen Leuten aber nur ungefähr zwei Stunden dauert." Zu den Feierlichkeiten werde nur wenige Tage vorher eingeladen. "Man muss sich generell daran gewöhnen, dass vieles auf den letzten Drücker passiert."

Für begrenzte Zeit ins AuslandDurch Studienkollegen wurde Linda Hamann auf den DAAD und sein Sprachassistenten-/Lektorenprogramm aufmerksam: Damit ist der Aufenthalt für eine begrenzte Zeit im Ausland möglich, um dort an einer Uni Deutsch zu unterrichten. Nach einer Bewerbung für den asiatischen Kulturraum und einem erfolgreichen Auswahlgespräch in Bonn bekam Linda die eine Stelle in Ho-Chi-Minh-Stadt als Deutschlehrerin in Vietnam angeboten - zehn Monate weitab von der Heimat.

Linda findet es etwas schade, dass sie sich "wie eine kleine Analphabetin in diesem fremden Land fühlt". Vietnamesisch beherrsche sie nach einem Sprachkurs wohl, doch ist sie damit noch ganz am Anfang. "Die Sprache ist unglaublich schwer. Englisch, Französisch oder Spanisch ist ein Klacks dagegen." Mit Englisch sei die Kommunikation aber ganz gut möglich. "Und im Job brauche ich vor allem Deutsch." Linda verweist auch auf eine große internationale "community": Viele junge Leute aus allen Herren Ländern, die in Vietnam als "Expats" leben. "Mit denen ist die Kommunikation auf Englisch auch überhaupt kein Problem.

Deutschland wird hier als Land gesehen, in dem viel gut funktioniert, alles gut organisiert ist und so etwas wie ein ,unerreichbares Traumland' ist.Linda Hamann

Der Umgang mit Müll und die schlechte Luft

Linda Hamann erzählt auch von Dingen in Ho-Chi-Minh-Stadt, "... die einem hier sehr schwer fallen und die man selbst einfach nicht verstehen kann". Beispiel: Keine Mülltrennung, Plastiktüten immer und überall in den Geschäften. "Man wird manchmal komisch angeschaut, wenn man typisch deutsch mit dem Jutebeutel aufkreuzt und keine Plastik-Tasche möchte", erzählt Linda. Das Bewusstsein für Umweltprobleme sei weniger verankert wie in Deutschland. Eine "krasse Herausforderung" auch der Verkehr. "Es herrscht auf den Straßen teilweise unglaubliches Chaos. Tausende von Motorrädern verstopfen die Straßen." Das Bus-System sei nur schlecht ausgebaut. "Es hat ein bisschen Zeit gebraucht, die etwas eigenen Verkehrsregeln Vietnams zu verstehen." Die daraus resultierende Luftverschmutzung findet Linda daher besonders schlimm. "Ich freue mich jetzt schon wieder so sehr auf die gute Oberpfälzer Landluft!" Schwer zu akzeptieren auch kulturelle Unterschiede. "Von deutscher Pünktlichkeit kann man bei Bussen, Studenten und sogar Kollegen manchmal nur träumen." Direkte Kritik sei ebenfalls verpönt. Auf das Unterrichten in Vietnam musste sich Linda erst einstellen. "Selbständiges Denken und Diskussionen werden hier wenig gefördert."

HintergrundLinda Hamann (26) ist in Konnersreuth und Waldsassen aufgewachsen, hat nach dem Abitur am Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth Englisch, Französisch und Deutsch als Fremdsprache (DaF) in Bamberg studiert. "Für Sprachen und fremde Kulturen hatte ich schon immer eine ausgeprägte Leidenschaft", erzählt die 26-Jährige. Vor allem durch ihren Master-Abschluss in Deutsch als Fremdsprache ("Da lernt man, wie man Deutsch Leuten beibringt, die Deutsch eben als Fremdsprache lernen") bekam die Stiftländerin große Lust, Deutsch auch einmal im Ausland zu unterrichten. Während des Studiums absolvierte Linda zwar schon Auslandssemester in England und in Frankreich. Aber sie wollte nach dem Studium noch einmal in einem Land und einer Kultur leben, die so ganz anders als Deutschland und alles, was ich bisher kennengelernt habe.
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