Moderatorin Mo Asumang liest in Waldsassen aus ihrem Buch „Mo und die Arier“
Den Hass mit einem Lächeln entwaffnen

Leidenschaftlich appellierte Mo Asumang an ihre Zuhörer, ihrem Beispiel zu folgen und die friedliche Konfrontation zur rechten Szene bewusst zu suchen.
Vermischtes
Waldsassen
19.07.2017
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Sie mischt sich unter Neonazis und fragt diese, warum sie solchen Fremdenhass haben. Morddrohungen, Anfeindungen, Gewalt gegen ihre Person sind die Folgen. Aber die Fernsehmoderatorin gibt nicht auf. Sie möchte Rassismus verstehen und Rassisten mit Menschlichkeit entwaffnen.

Am Dienstag war Mo Asumang für das Netzwerk "Tirschenreuth aktiv gegen Rechts" in den Realschulen unterwegs. Da bot es sich an, die mutige Regisseurin, Moderatorin, Schauspielerin und Filmproduzentin auch zu einer Lesung für Erwachsene einzuladen. Mitgebracht hatte sie ihr Buch "Mo und die Arier". Knapp 40 Gäste hörten ihr aufmerksam im Kunsthaus zu.

Mo Asumang, deren Vater aus Ghana stammt, hat mit ihrem leidenschaftlichen Kampf gegen Rassismus für Aufmerksamkeit gesorgt. Als sie immer wieder aufgrund ihrer Hautfarbe angegriffen wurde, wollte es die Moderatorin genau wissen. Seither sucht sie die Konfrontation, mischt sich unter Angehörige der rechten Szene, spricht Neonazis an. Ihre Motivation sei ihr Wunsch gewesen, endlich die Angst vor diesen Leuten zu verlieren. "Das war ein langer Prozess. Aber ich musste da hingehen", so Mo Asumang. Am schlimmsten sei es geworden, als sie in einem Neonazi-Song mit einer direkten Morddrohung konfrontiert wurde. Erschreckend genug, doch Mo Asumang wusste noch mehr über den Rassismus zu berichten.

Alexander Fried, Ehemann der Kinderärztin Dr. Dorothea Wyzechowski-Fried, wollte wissen, was der Buchautorin diese Konfrontationen gebracht habe. Der 92-jährige Professor aus Tirschenreuth war in drei Konzentrationslagern inhaftiert, Nazis haben seine Mutter ermordet. Fried dankte Asumang für ihr mutiges Engagement, womit man nie nachlassen dürfe. Rassismus sei die Tragödie der Menschheit, wusste der Professor. Nach Meinung der Autorin bringe es nichts, "die Nazis" als Gruppierung abzulehnen.

Asumang sprach auch die derzeitige Lage in einigen europäischen Ländern und deutschen Bundesländern an, wo die rechte Szene fast "salonfähig" geworden sei. Das sei sehr gefährlich, meinte sie am Beispiel der Türkei. Mo Asumang hat sich auch schon unter 3000 Neonazis auf dem Berliner Alexandersplatz gemischt. Mitgliedern ihres Reporterteams wurden dort die Kameras ins Gesicht geschlagen. Obwohl sie mit einer Morddrohung lebt, ruft zum Nachahmen ihres couragierten Auftretens auf. "Sprechen Sie die Leute an. Fragen sie den Rassisten, seit wann er diesen Hass in sich trägt", appellierte sie an die Zuhörer. Mo Asumang meinte, dass die Zuhörer dabei mit einem Lächeln für "mehr Menschlichkeit" sorgen könnten.
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