07.08.2017 - 20:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Neue Großbaustelle für Waldsassener Äbtissin Im Mühlenviertel geht's rund

Am Freitag montieren die Zimmerer den Dachstuhl auf dem Neubau im Mühlenviertel, der die ehemalige Brauerei und Schmiede verbindet. Am Mittag ist das Werk vollbracht. Bis die historischen Gebäude saniert sind, fließt aber noch viel Wasser die angrenzende Wondreb hinab.

von Norbert Grüner Kontakt Profil

Am 6. April war der symbolische Spatenstich zur Sanierung des Mühlenviertels des Klosters Waldsassen und noch am selben Tag begannen die Bauarbeiten. Die Maßnahme besteht aus drei Bauteilen und alle wurden gleichzeitig in Angriff genommen.

Verpressung und Edelstahl

Deshalb wuseln ständig zwischen 25 bis 30 Leute auf der Baustelle herum. Ehemalige Schmiede und ehemaliges Sudhaus sind denkmalgeschützte Bereiche und werden aufwendig saniert. Dazwischen entsteht an der Stelle, wo früher der sogenannte Mühlenkasten stand, ein Neubau. Der bekam am Freitag bereits seinen Dachstuhl aufgesetzt. "Die einfachste Maßnahme bei der ganzen Geschichte", erklärt Bauleiter Axel Rüth und verspricht gleichzeitig: "Im Herbst sind alle Dächer dicht, dann geht es innen weiter." Auch auf der ehemaligen Schmiede, deren ursprünglicher Dachstuhl noch recht gut erhalten ist, sind die Dachdecker bereits damit beschäftigt, Latten für die Biberschwanz-Schindeln zu platzieren. Als letztes wird das ehemalige Brauhaus eingedeckt, das Gebäude, das Rüth als ruinös bezeichnet. Der Originaldachstuhl weist kaum mehr intaktes Holz auf, weshalb sich hier die Arbeiten recht schwierig und langwieriger gestalten.

Auch der Gewölbebereich des Brauhauses hat sich laut Bauleiter in einem recht kritischen Zustand befunden. Entsprechende Sicherungen in Mauerwerk und Gewölbe sowie eine umfangreiche statische Ertüchtigung waren notwendig, um das Gebäude zu erhalten. Mürbes Mauerwerk wurde durch entsprechende Verpressmaßnahmen stabilisiert und mit Edelstahlbewährungen gefestigt. Für die Verpressungen wird eine Mischung aus Zement und Quarzsand eingesetzt. Dort, wo eine Maßnahme notwendig ist, werden kleine rote Schläuche im Mauerwerk verankert. Von hier aus findet die Masse, getrieben von 3 bis 4 Bar Pressluft, ihren Weg zu den maroden Stellen tief in der Wand und verbindet sich mit ihr. "Das bringt die ursprüngliche Stabilität des 300 Jahre alten Gebäudes wieder zurück", erklärt der Bauleiter und ergänzt: "Das ist eine Standard-Methode bei der Denkmalschutzsanierung."

Während der Wintermonate erfolgt die komplette Installation was Elektrotechnik, Haustechnik, Heizung, Lüftung und Sanitär betrifft. Zwei Drittel der beteiligten Firmen kommen aus der Region im Umkreis bis etwa Weiden. Als Termin für das Richtfest nennt die Äbtissin den 7. November. Als Inbetriebnahmezeitraum ist der Herbst kommenden Jahres anvisiert. Eingeweiht wird dann im Frühjahr 2019, wenn wirklich alles fertig ist, einschließlich der Außenanlagen inklusive etwa 70 Parkplätzen.

Aufrechter Joseph

"Der heilige Joseph in meinem Arbeitszimmer steht inzwischen wieder ganz aufrecht", freut sich die Klosterchefin. Es ist bekannt, dass die Äbtissin die offenen Rechnungen unter der Figur des heiligen Mannes deponiert, damit er die Finanzierbarkeit ankurbelt und bisher hat das immer geklappt.

Von der Nutzung her habe sich nichts mehr verändert. In der ehemaligen Brauerei zieht der Waldsassener Physiotherapeut Gerhard Grüner mit seiner Praxis ein, den Rest übernimmt die Katholische Jugendfürsorge und bietet dort ein Wohnprojekt für gehandicapte Jugendliche an. "Das ist eigentlich alles schon ausgebucht", weiß Äbtissin Laetitia. Der Bedarf in der Region sei größer als die Zahl der Wohneinheiten, die das Kloster anbieten könne.

Das alte Wappen erhalten

Beim Abriss des Mühlenkastens konnten die Experten der Abbruchfirma das Wappen der ersten Äbtissin von Waldsassen, Richmunda Herrnreither, das unter dessen Giebel angebracht war, vollständig erhalten. Dieses Original wird auch am Neubau, exakt an der gleichen Stelle, wieder mit eingebaut. Über der Eingangstüre begrüßt dann das Wappen der aktuellen Äbtissin die Besucher. Die Gewölbeträger im Brauhaus sind für den Bauleiter typische Dokumente für die Bauten vor 300 Jahren. Damals haben die Baumeister links und rechts sowie vorne und hinten stabile Steine benutzt und diese stabilen Rechtecke quasi als Schalung verwendet.

Den Hohlraum dazwischen verfüllten sie mit einer Sand-Kalk-Mischung. "Typisch für die Barockzeit", weiß Rüth. Diese Sand-Kalk-Mischung werde im Laufe der Zeit durch chemische Reaktionen, bei denen sich der Kalk verabschiedet, mürbe. Der Grund für die notwendigen Verpressungen in den Wänden.

Übrigens erkennt der Experte an der Farbe, dass der Sand, der im Brauhaus verwendet worden ist, aus einer Sandgrube aus Zirkenreuth stammen muss. "Ich bin in Mitterteich aufgewachsen und da waren wir schon als Kinder in den Zirkenreuther Sandgruben unterwegs. Außerdem hatte die Arbeiter damals nicht die Möglichkeit, Baumaterial mit Karren von weither zu schaffen." Im Sudhaus findet sich noch eine Tafel mit der Inschrift von Abt Eugen Schmid, die gesäubert wird und im Gebäude verbleibt. Der Abt ließ von 1724 bis 1726 die Stiftsbibliothek ausbauen. In den gleichen Zeitraum datiert die Äbtissin den Bau des Sudhauses.

Führungen am Denkmaltag

Am Tag des offenen Denkmals, am 10. September, können sich Interessierte selbst ein Bild vom Baufortschritt im Mühlenviertel machen. Dabei gibt es zwei Führungen um 11 Uhr und um 13 Uhr. An letzterer ist auch die Äbtissin beteiligt.

Der Heilige Joseph in meinem Arbeitszimmer steht inzwischen wieder ganz aufrecht.Äbtissin Laetitia Fech

Geschichte der Mühle

Am 15. Juli 1933 wütet ein Großbrand in der Mühle und der Brauerei. Am 17. Dezember 1933 will der Mühlenverein den Wiederaufbau des Mühlenbetriebes verhindern. Das Kloster darf nur für den Eigenbedarf mahlen. Nach vielen Schwierigkeiten wird am 6. Januar 1934 die Mühle neu eingeweiht. Am 22. Juli 1934 erfolgt der Eintrag der Klosterbrauerei und der Klostermühle ins Handelsregister Weiden, Februar 1960 wird die Klostermühle aufgelassen und die Brauerei in die Mühle verlegt.

Am 15. Januar 1969 brennen die Ställe und die Scheune bei der ehemaligen Mühle ab. Wohnhaus und Schweine können gerettet werden. Ein Mädchen aus der 5. Volksschulklasse hatte den Brand gelegt, weil sie einmal ein Großfeuer sehen wollte.

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