06.11.2017 - 20:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Pfarrei könnte ebenfalls ein 500. Jubiläum begehen Ein Festtag im Kloster

Das Reformations-Gedenken ist groß gefeiert worden. Die Pfarrei könnte in dieser Woche ebenfalls ein 500. Jubiläum begehen - das der Weihe der wiederhergestellten Klosterkirche am 8. November 1517.

Die 1517 wieder hergestellte und eingeweihte Klosterkirche mit 5 Absiden auf dem sogen. Stilp-Plan von 1670. Bild: Archiv Treml/hfz
von Autor TMLProfil

Vorausgegangen waren dramatische Ereignisse und stürmische Jahre: Im sogenannten Landshuter Erbfolgekrieg 1504/05 überfiel ein Volkshaufen der "Markgräfler" aus dem benachbarten Sechsämter-Land mit etwa 3000 Mann unter der Leitung des Wunsiedler Hauptmanns Alexander von Luchau am 4. August 1504 unvermutet das Kloster Waldsassen, raubte es aus, zerstörte es weitgehend. Um das Maß des Schreckens zu vollendeten, steckten die räuberischen Horden abschließend auch die Kirche und mehrere Klostergebäude in Brand. Das Abteischloss blieb gottlob verschont.

Als Abt amtierte zu dieser Zeit Georg Engel (reg. 1494 - 1512), dessen Grabstein sich vor einigen Jahren wieder gefunden hat. Wie der Chronist später berichtete, sei durch die Hitze des Feuers das Blei geschmolzen, mit dem der Turm der Kirche gedeckt war und floss es herab wie Waser. Auch die drei harmonischen Glocken wurden dabei zerstört und sei das Erz zur Erde geflossen. Diese erste, nun zerstörte Kirche war bekanntlich am 12. Juni 1179 von Bischof Konrad II. in Gegenwart von Kaiser Friedrich Barbarossa geweiht worden. Auf dem Rückweg ins Sechsämter-Land brannten die Übeltäter dann auch noch 12 umliegende Orte und Dörfer nieder, auf die sie stießen. So waren unermessliche Not und dramatisches Leid über das Kloster und viele umliegende Ortschaften gekommen und sollte es noch lange Jahre dauern, bis man sich davon allmählich wieder erholen konnte.

Eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau kam dem ab 1512 nachfolgenden Abt Andreas Metzl zu. Er stammte aus Heidingsfeld bei Würzburg, wo das Kloster schon seit dem Mittelalter ein Weingut besaß. Als er nun sein Amt antrat, widmete er sich vorrangig der Wiederherstellung der zerstörten Klosterkirche. Dabei gelang es ihm und seinem Konvent, das Gotteshaus innerhalb von fünf Jahren wieder aufrichten zu lassen.

So entstand nun die Kirche "wie ein Phönix aus der Asche! Groß und geräumig stand der Tempel da, ein würdiges Werk seines Meisters", was der damalige Chronist nicht ohne Stolz vermerkte. Die Umfassungsmauern und wohl auch die Wölbungen hatten den Brand einigermaßen überstanden und konnten daher wieder verwendet werden.

Zur Weihe der wiederhergestellten Kirche am 8. November 1517 war der Regensburger Weihbischof Petrus Krafft eingeladen, der die Benediktion zusammen mit dem Abt vollzog, nachdem der eigentliche Oberhirte Pfalzgraf Johann III. nur eine administrative Rolle spielte. Der Hochaltar der neuen Kirche war nun der hl. Dreifaltigkeit geweiht, ebenso auch der hl. Jungfrau Maria und dem hl. Evangelisten Johannes, die schon die Patrone der ersten Kirche waren. Bei dieser Gelegenheit wurde in Chor eine entsprechende Inschrift angebracht, deren lateinische Verse von dem damaligen Prior des Klosters Georg Fröhlich verfasst worden waren.

Abt Andreas Metzl widmete sich aber nicht nur der Wiederherstellung der Klosterkirche. Er erbaute und installierte auch eine neue Klosterbibliothek, ließ 1523 eine Wasserleitung mit Bleirohren vom nahen Glasberg her in den Kreuzgang des Klosters führen und erwarb 1515 für das Stift das Schloss und die Herrschaft Neuhaus. Außerdem wurde Leonberg 1521 von der Pfarrei Tirschenreuth abgetrennt und erhielt den Status einer eigenen Pfarrei. So hatte Abt Andreas Metzl trotz vieler Schwierigkeiten überaus segensreich für das Stift gewirkt und verstarb schließlich krank und gramgebeugt am 30. Juli 1524.

Der letzte Prälat Waldsassens, Abt Georg III. Agmann (reg. 1531 - 1537) ließ dann noch in der Kirche weitere kostbare Altäre aufstellen, verschönerte die Kirche mit einer neuen Orgel und hat das Dach der Kirche mit schwarzem Schiefer decken lassen. Die Seitenkapellen wiesen später Rippengewölbe auf. Als nach der Reformation 1626 die katholische Religion in Waldsassen wieder eingezogen war, ließ der Jesuiten-Pater Johannes Balsterer die Kirche von neuem tünchen. So fungierte das 1517 wieder geweihte Gotteshaus trotz bewegter Zeiten noch mehr als 170 Jahre als Pfarr- und Klosterkirche und wurde im Frühjahr 1689 vollständig abgebrochen, um durch den geplanten, barocken Neubau - der heutigen Basilika - ersetzt zu werden. Diese neue Stiftskirche war dann bis um 1703 erbaut und erhielt am 30. November 1704 die kirchliche Weihe.

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