22.12.2017 - 19:38 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Pfarrer an Weihnachten: Zwischen Strapazen und Besinnlichkeit Kein Stress trotz vieler Arbeit

Viele Menschen jammern über Stress an Weihnachten. Dabei geht's da meistens nur darum, was man wem schenkt. Richtig viel zu tun haben Pfarrer. Wie Thomas Vogl oder Karlhermann Schötz. Über Geistliche zwischen Strapazen und Besinnlichkeit.

Waldsassens Stadtpfarrer Thomas Vogl in der frisch sanierten Basilika. Er freut sich auf die Festtage - auch wenn viel Arbeit wartet. Bild: Norbert Grüner
von Julian Trager Kontakt Profil

Waldsassen/Sulzbach-Rosenberg. Die Festtage kosten natürlich Kraft. Sagt Waldsassens Stadtpfarrer Thomas Vogl. Aber stressig seien sie nicht. Viel Arbeit hat Katholik Vogl an Weihnachten auf jeden Fall. In drei Tagen feiert er sechs Gottesdienste. Allein am 24. Dezember sind es drei.

Für Sulzbach-Rosenbergs Dekan Karlhermann Schötz sei Weihnachten Erholung. "Ich genieße die Gottesdienste mit ihrer besonderen Atmosphäre." In diesem Jahr ist das allerdings nur einer: die Christvesper an Heiligabend. "Ein Ausnahmejahr." Einen "heißen Herbst" hatte der Protestant heuer. Konferenzen, Sitzungen, Tagungen. Da blieb wenig Zeit für die Weihanchtsvorbereitung.

Die Feiertage gut vorzubereiten, ist wichtig, findet auch Thomas Vogl. Bei einer guten Vorbereitung hätten die Tage ihre eigene Dynamik. "Das tut mir gut und erfüllt mich." Vogl bereitet sich seit dem ersten Advent vor. Sind die Feiertage da, bleibt nur wenig Zeit für einen selbst. Vogl verbringt Weihnachten in Waldsassen. "An den Feiertagen ist jeder Pfarrer in seiner Pfarrei, das gehört ja zu seinem Dienst." In der Zeit freut er sich auch über etwas Ruhe. Wenn er Musik hören kann: "Eher klassisch. Aber auch mal Radio - Ö3 finde ich ganz gut." Mit der eigenen Familie kann Vogl auch feiern. Am 26. Dezember fährt der Pfarrer zu Mutter und Brüdern nach Neukirchen bei Hl. Blut.

Abschalten beim Kochen

Dekan Schötz feiert mit seiner Familie in der Regel daheim. Nur heuer sei das anders. "Wir besuchen unsere Tochter in Berlin. Sie ist guter Hoffnung." Schötz und seine Frau erwarten ihr erstes Enkelkind. An den Festtagen schaltet der evangelische Pfarrer am besten beim Kochen ab. Für beide Pfarrer seien die Weihnachtspredigten etwas Besonderes. Katholik Vogl sagt: "Eine große und schöne Aufgabe. Weil die Gottesdienste mit ihrer besonderen Atmosphäre und der Offenheit der Besucher eine große Chance für die Predigt bedeuten." Der Sulzbach-Rosenberger Dekan habe in der Vergangenenheit auch schon mal auf ein Lied der "Toten Hosen" zurückgegriffen. "Tage wie diese" müssen eben besonders angegangen werden.

Die Predigten entstünden nicht auf Knopfdruck, sagen beide Pfarrer. Vielmehr sei das ein Prozess über einen längeren Zeitraum. Dekan Schötz hält es wie Sepp Herberger: Nach Weihnachten ist vor Weihnachten." Manche Ideen trage er durchs ganze Jahr. Er wird heuer auf eine Bemerkung von Angela Merkel beim Reformationstag eingehen. Mehr gibt er nicht preis. Beim Waldsassener Stadtpfarrer verhält sich das ähnlich. Die Predigt für die Christmette wachse mit der Zeit. Fertig sei die aber auch einen Tag vor Heiligabend nicht. "Sie ist eigentlich nie fertig, denn was die Hörer daraus machen, liegt nicht bei mir." Über was er predigen möchte, verrät auch Vogl nicht.

Die Gotteshäuser werden dann wieder voll besetzt sein. Mit Leuten, die sonst nicht kommen. Vogl findet das gut. So bleibe Kontakt zur Kirche. Schötz sieht das genauso: "So lange das so bleibt, habe ich keine Sorge um die Zukunft der Kirche Jesu."

"So gut wie ein Stadion"

Dass die Leute an Weihnachten in die Kirche kommen, habe sicher mit einer gewissen Tradition zu tun, findet Thomas Vogl. "Bei vielen wird wohl etwas wach, das sie empfindsam für den Mitmenschen und für Gott macht." Schötz sagt: Das habe mit Heimat und Geborgenheit zu tun. Für ihn sei ein volles Gotteshaus ein tolles Erlebnis: "Mindestens so gut wie ein volles Fußballstadion."

Doch, wo Stimmung ist, gibt es auch Menschen, die schlechte Stimmung verbeiten. Vogl sagt: "Schade ist nur, dass manche 'Weihnachtschristen' das Ganze wie ein Event sehen. Nörgeln, wenn sie keinen Sitzplatz bekommen, oder mürrisch dreinschauen." Das motiviere nicht wirklich, sei jedoch die Ausnahme.

Heilgabend allein? Muss nicht sein

Wie in den vergangenen Jahren organisieren Vereine und Verbände auch heuer wieder Weihnachtsfeiern am 24. Dezember für allein Lebende. In Amberg veranstaltet die CVJM bereits zum 50. Mal eine solche Feier, die um 16 Uhr beginnt. Ein Fahrdienst steht zur Verfügung. In Weiden geht die Weihnachtsfeier um 18.30 Uhr los, die Caritas und das Diakonische Werk laden dort in die Personalcafeteria des Klinikums. Auch für Obdachlose wird sich ins Zeug gelegt: Der Weidener Verein "Die Initiative" veranstaltet am Heiligen Abend um 17 Uhr eine Weihnachtsandacht in der Notunterkunft Schustermooslohe. (jut)

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