07.04.2017 - 15:42 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Sanierungsarbeiten am Mühlenviertel des Klosters begonnen "Ein Leuchtturm für die Oberpfalz"

Mit dem symbolischen ersten Spatenstich am Donnerstag war der offizielle Baubeginn besiegelt. Der Generalsanierung des sogenannten Mühlenviertels steht jetzt nichts mehr im Weg. Die Finanzierung ist gesichert und Ende kommenden Jahres soll die Anlage bezugsfertig sein.

von Norbert Grüner Kontakt Profil

Die Feierstunde am Donnerstagvormittag eröffnete Äbtissin Laetitia Fech mit einem Mark Twain-Zitat. Der Schriftsteller hatte einmal gesagt, "jeder Mensch mit einer Idee gilt solange als Spinner, bis seine Idee Erfolg hat." Im Fall der Klosterchefin trifft dies einmal mehr zu, denn seit 1996 wird unter ihrer Leitung am Kloster gebaut und verschönert und immer mit Erfolg.

"Es war diesmal mühsam die Ideen auf den Weg zu bringen", stellte sie fest. "Ja wir bauen mal wieder, nicht weil es uns langweilig ist und wir sonst nichts zu tun hätten, aber das Mühlenviertel steht unter Denkmalschutz und Ruinen verwalten ist auch keine Lösung." Ministerpräsident Horst Seehofer als großer Förderer und Unterstützer der Abteil konnte diesmal nicht persönlich dabei sein, genauso wie Ministerin Emilia Müller. Aber per Brief habe der Landesvater seine Glückwünsche zum Baubeginn übermittelt.

Die Äbtissin bedankte sich bei den Vertretern der Zuschussgeber. Bürgermeister Sommer lobte sie als einen, der stets ein offenes Ohr für die Belange der Abtei habe und auch immer neue Ideen mit entwickle. Sie werde nie vergessen, wie Sommer beim ersten runden Tisch gesagt habe, "ich habe zwar kein Geld aber ich baue mit." Die Klosterchefin stellte fest, "ich hatte auch kein Geld und sagte ich baue."

Pragmatische Fachmänner

Bei Landrat Wolfgang Lippert bedankte sie sich einerseits für ideelle Unterstützung von erster Stunde an und dafür, dass der Landkreis die Zinsen für die Zwischenfinanzierung der Eigenmittel übernommen hat. Bei der Maßnahme rede die Denkmalpflege ein gewaltiges Wort mit. Aber mit Generalkonservator Mathias Pfeil und dem Gebietsreferenten Raimund Karl stünden pragmatische Fachmänner zur Seite. Der Grund, dass der Mühlenkasten abgebrochen werden konnte.

An alle Geldgeber gewandt sagte sie: "Dass ein Kloster so unterstützt wird, das gibt es nur in Bayern, das ist gewaltig". Die neue Baustelle habe sie in den vergangenen Jahren sehr in Atem gehalten. Es sei schon eine gewaltige Herausforderung gewesen, 2,8 Millionen Euro Eigenmittel zu schultern. Jetzt könne man durchatmen, nicht zuletzt, weil gleich mehrere Zuschussgeber in die Bresche gesprungen seien. So etwa die bayerische Landesstiftung, die Diözese, die deutsche Stiftung Denkmalschutz oder die Aktion Mensch.

Als äußerst wichtigen Partner bezeichnete sie den Direktor der Katholischen Jugendfürsorge (KJF), Karl Eibl, der dem Kloster seit mehr als sieben Jahren zu Seite steht. "Es war ein schwerer Weg aber wir haben es geschafft von 8 auf 14 Wohnungen aufzustocken und den Mietvertrag von 10 auf 25 Jahre zu fixieren."

Damit sei die Rentabilität für beide Seiten gesichert. Weiteres Lob zollte die Äbtissin Schwester Sophia, die ihr stets als guter Geist im Hintergrund zur Seite stehe. Dass der Physiotherapeut Gerhard Grüner in ein Gebäude mit seiner kompletten Praxis einzieht, freute sie besonders. Schließlich habe sie die Qualität seiner Behandlungen schon öfters selbst erfahren.

Regierungspräsident Axel Bartelt sprach von einem schönen Tag für ganz Bayern. Aus denkmalpflegerischer Sicht sei das Kloster Waldsassen von nationaler Bedeutung, aufgrund seiner spirituellen und kulturellen Ausstrahlungskraft ein Leuchtturm für die Oberpfalz und darüber hinaus. Seit 1996 seien hier insgesamt rund 37 Millionen Euro verbaut worden und jetzt kämen noch mal 11,5 Millionen dazu.

"Fast 50 Millionen gut angelegtes Geld". Den Spatenstich bezeichnete der Präsident als Startschuss für ein weiteres wegweisendes Projekt, welches den Abschluss der scheinbar nicht enden wollenden Sanierungsarbeiten definiere. Er wünschte dem Konvent, dass er danach das "Lebenswerk der Äbtissin" endlich auch genießen kann.

Gelebte Inklusion

Weiter sagte Bartelt, dass hier ein Musterbeispiel gelebter Inklusion entstehe. "Da werden 14 Menschen mit Behinderung wohnen und eine neue Heimat finden. Dabei wird in Waldsassen das Motto gelten: Mittendrin, statt nur dabei." Das sei auch die Philosophie für ein inklusives Bayern. Bartelt lobte das Verhandlungsgeschick der Äbtissin: "Ohne das wäre dies hier alles nicht möglich geworden. Diese liebenswürdige Hartnäckigkeit der sich niemand entziehen kann ist äußerst professionell und etwas Einmaliges." Die Sanierung des Mühlenviertels bewertete der Regierungspräsident als erhebliche Aufwertung für Waldsassen. Damit werde die Strahlkraft des Klosters weiter wachsen und immer mehr Menschen werden diesen ganz besonderen Ort der Stille, des Gebets und der inneren Einkehr aufsuchen,

Beim Segensgebet wünschte die Äbtissin dem Bauvorhaben die zärtliche Ungeduld des Frühlings, das milde Wachstum des Sommers, die stille Reife des Herbstes und die Weisheit des erhabenen Winters.

Diese liebenswürdige Hartnäckigkeit der sich niemand entziehen kann ist äußerst professionell und etwas Einmaliges.Axel Bartelt über die Äbtissin
Dass ein Kloster so unterstützt wird, das gibt es nur in Bayern, das ist gewaltig.Äbtissin Laetitia Fech

Bedeutung als Denkmal

In seiner Stellungnahme zur Frage ob das Ensemble des Klosters Waldsassen national bedeutsam für das kulturelle Erbe der Bundesrepublik Deutschland ist, urteilt der Denkmalschutz so: "Das Kloster ist mit dem ehemals zugehörigen Stiftland von großer Bedeutung für die mittelalterliche Territorialgeschichte Deutschlands. In der Geschichte des Klosters und der hiermit verbundenen baulichen Struktur, spiegeln sich die konfessionellen Auseinandersetzungen des 16. und 17. Jahrhunderts ebenso wieder wie das Aufblühen der Klosterkultur im Barock. Die Gesamtanlage des im späten 17. Jahrhunderts neu erbauten hochbarocken Klosters ist zusammen mit den erhaltenen Gebäuden der ehemaligen Klosterökonomie im Mühlenviertel national bedeutsam für das kulturelle Erbe der Bundesrepublik."

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