27.04.2018 - 20:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Schauspieler der region wagen Faust I im Kunsthaus Faust zerlegt und neu zusammengebaut

Neu ist Goethes Faust auf der Theaterbühne nicht. Daran haben sich schon viele versucht, etwa die Luisenburgfestspiele in Wunsiedel. Alle Inszenierungen fordern vom Zuschauer Sitzfleisch, denn unter drei Stunden geht da gar nichts. Manfred Grüssners Version im Kunsthaus dauert 90 Minuten.

Minimalisierung von Requiste, Kostüm und Kulisse unterstreichen den sehr intimen Bühnen- und Zuschauerraum. Bilder: Grüner (6)
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Schauspieler, ganz in schwarz gekleidet, huschen kreuz und quer über die Bühne. Sie haben Korken im Mund, sprechen dabei unverständlich Monologe aus dem Faust. Ein Bild vom Bibliothekssaal der Waldsassener Abtei auf der Leinwand, davor formieren sich die Akteure zu einer Statue, halten gemeinsam ein dickes Rohr in der Hand, darauf der Doktorhut des Faust. Sie beginnen zu sprechen, nacheinander, teilen sich einen langen Monolog. Zwischen den 14 Szenen hat der Regisseur drei Intermezzi installiert, bei denen Nachwuchstalent Felix Schmidkonz aus Tirschenreuth textsicher und professionell agiert.

Als weitere Schauspieler sind dabei: Julian Mühlmeier (Bärnau), Johannes Zagler (Tirschenreuth), Steffi Ohle (Tirschenreuth), Petra-Sommer Stark (Waldsassen), Werner Müller (Waldsassen), Ulla Britta Baumer (Wiesau), Reiner Summer (Mitterteich), Lilly Melzer (Neualbenreuth), Julia Birkner (Tirschenreuth) und Autor und Regisseur Manfred Grüssner (Konnersreuth).

Kapazitäten frei

Der Vorsitzende des Vereins "Kunsthaus Waldsassen", Wolfgang Horn, hatte Letzteren darauf angesprochen, hier ein Theaterstück zu inszenieren. Grüssner hatte Kapazitäten frei und begann umgehend mit der Arbeit. Die Idee vom Faust hatte er da schon länger im Kopf. Fast alle Schauspieler sind bekannt in der Region. Einer fragte den anderen, ob er Interesse an dem experimentellen Stück habe. 15 waren es schließlich, die sich zum "Casting" trafen. 10 ließen sich darauf ein und erarbeiten seit März in einem wahren Probenmarathon eine spielbare Fassung. Bei seinem abgespeckten eineinhalb Stunden Faust komme es vor allem auf die Spielformen an, erklärt Grüssner. Ein Zehntel des Originaltextes habe er verwendet. Das reiche aus, den Sinn des Stückes zu bewahren. Die Sprache bleibt original und wird in Versform vorgetragen. Für die Intermezzi, die der junge Felix zelebriert, sei er selbst zum Dichter geworden.

Jeder spielt alles

Es gibt keine Besetzungsliste. Jeder darf alles spielen. Da können schon mal sechs Mephistos auf einmal auf der Bühne stehen. Hüte, Gesichts- und Halbmasken, Taschenlampen, rote Schals, ein Paar Highheels fürs Gretchen, das ist im Prinzip alles, was die Akteure zur Verfügung haben. "Mehr braucht es nicht", sagt Grüssner.

"Auch kein Effektlicht, kein großes Bühnenbild, das wird alles überschätzt." Werner Müller liefert mit seinem Keyboard Hintergrundtöne und die Musik, die er stets improvisiert und die bei keiner Vorstellung die geleiche sein wird. Dass ihn der Regisseur zum aktiven Agieren auf der Bühne überredet hat, erstaunt ihn noch jetzt. Übrigens, des Pudels Kern findet sich schließlich in einem Plüschpudel, der, wie könnte es anders sein, schwarz ist.

Information

Premiere ist am Samstag, 12. Mai, um 19 Uhr. Weitere Aufführung am 13., 17, und 18. Mai, jeweils um 19 Uhr. Karten zum Preis von 9 Euro gibt es ausschließlich in der Tourist-Info Waldsassen, Telefon: 09632/88160. (tr)

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