06.03.2018 - 20:00 Uhr
Waldsassen

Stadtväter in Cheb/Eger fühlen sich übergangen Monstranz zu verkaufen

Die Stadtväter sind sauer und fühlen sich übergangen. Doch das einzigartige spätgotisches Kunstwerk soll weiterhin in Eger bleiben.

von Autor GJBProfil

Cheb/Eger. Im Rathaus von Waldsassens tschechischer Nachbarstadt war die Entrüstung zuerst groß: Es wurde bekannt, dass Petr Hruska, Pfarrer der Nikolauskirche, die spätgotische Monstranz zum Verkauf angeboten hat. Es ist wahrscheinlich das letzte verbliebene Kunstwerk des mittelalterlichen Kirchenschatzes. Das Prämonstratenserkloster Strahov in Prag soll dafür 3 Millionen Kronen geboten haben und auch an eine Wiederverwendung im liturgischen Dienst denken.

Die Stadtväter sind verärgert, weil "... wir uns von dem Verhalten des Pfarrers übergangen fühlen", so Vizebürgermeister Michal Pospísil. Sie wollen unbedingt erreichen, dass dieses einzigartige Denkmal keinesfalls die Stadt verlässt.

2,3 Millionen Kronen

Als Preis für einen möglichen Ankauf der Monstranz wird der Betrag von 2,3 Millionen Kronen genannt. "Das letzte Wort ... wird der Stadtrat haben", betont Pospísil.

Der Erste Bürgermeister, Zdenek Hrkal, ist bereits optimistisch, dass die Verhandlungen mit dem Pfarrer erfolgreich sein werden. Hrkal überlegt schon, wo die Monstranz aufgestellt werden soll: "Es bietet sich die Möglichkeit einer Ausstellung in der St.-Klara-Kirche an." Dort wäre bereits ein Sicherheitssystem installiert, das bei Zwischenfällen sofort Polizei und Feuerwehr alarmieren würde, wie es heißt. "Oder wir erwägen auch eine Aufstellung in der Burgkapelle."

Vor Saisonbeginn

Das Stadtoberhaupt weiter: "Sicherlich könnten wir die Monstranz schon zu Beginn der touristischen Saison der Öffentlichkeit vorstellen." Nachdem die Stadt ihr großes Interesse an der Monstranz bekundete, hat Pfarrer Petr Hruska die Frage nach dem Verkauf vorerst zurückgestellt. Er erklärte jetzt zu dem beabsichtigten Verkauf: "Wir wollen alles dafür tun, dass die Monstranz in Eger bleiben kann, wo sie historisch und liturgisch hingehört und wo die Ausstellung eine große Öffentlichkeit erreichen könnte. Wir erwägen bereits jetzt, sie ausschließlich an Cheb zu verkaufen. "

Man kann Pfarrer Hruska erst verstehen, wenn man weiß, wozu er das Geld braucht: Das Dach der St.-Nikolauskirche muss dringend neu gedeckt werden. Die Kosten dafür übersteigen die finanziellen Möglichkeiten der Pfarrei bei weitem.

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Große geschichtliche Bedeutung für die Stadt

Diese wertvolle Monstranz wurde im 15. Jahrhundert eigens für die St.-Nikolauskirche in Eger angefertigt. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist sie das Werk eines Egerer Goldschmiedes. Sie könnte aber möglicherweise auch von einem Meister in Nürnberg geschaffen worden sein. Die Monstranz ist 1,09 Meter hoch und das vergoldete Silber wiegt 7,2 Kilogramm. Am Fuße ist das Kunstwerk mit goldenen Medaillons geschmückt, auf denen das Wappen der Stadt Eger , außerdem auch der Reichsadler, das Wappen des Königreichs Böhmen und das Kreuz des Deutschherrenordens abgebildet sind. Die Markierung mit einer Punze aus dem Jahre 1809 erinnert daran, dass nach dem verlorenen Krieg gegen Napoleon die Monstranz vom Staat beschlagnahmt wurde, um sie zur "Liquidation" einzuschmelzen. Die Egerer Bürger veranstalteten damals in aller Eile eine Spendenaktion, und es gelang, die Monstranz noch rechtzeitig loszukaufen. (gjb)

Wir wollen alles dafür tun, dass die Monstranz in Eger bleiben kann, wo sie historisch und liturgisch hingehört und wo die Ausstellung eine große Öffentlichkeit erreichen könnte.Pfarrer Petr Hruska

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