06.02.2018 - 20:10 Uhr
Waldsassen

Stillstand nicht erlaubt

Die Vision: Der Zuschlag für die Gartenschau ist erteilt. Jetzt geht es um Stadtmarketing und Tourismus. Beim Workshop zur Vorbereitung des Bewerbungskonzepts sprudeln die Ideen.

Werbung mit Waldsassener Produkten kann sehr bunt sein - so wie die überdimensionalen Schmetterlinge aus Lamberts-Glas. Der Künstler Detlev Bertram hat sie bei der Gartenschau in Tirschenreuth gezeigt. Bild: Grüner
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Mehrere Monate in der Zukunft durfte sich die Runde wähnen: Ende Juni soll die Entscheidung fallen, wer die Bayerische Landesgartenschau ausrichten darf. Bei dem Treffen im Sparkassensaal (wir berichteten) gingen die Teilnehmer schon mal davon aus, dass "pro Waldsassen" entschieden worden ist.

"Die Bewerbung erlaubt keinen Stillstand", erklärte Landschaftsarchitekt Raimund Böhringer, der für die Stadt das Bewerbungskonzept erstellt - unter der starken Einbindung von engagierten Leuten aus der Region. "Jetzt erst recht" - nach diesem Motto könnte sich Stephanie Wenisch, Tourismus-Sachbearbeiterin am Landratsamt Tirschenreuth, eine Art Motivation und Aufbruchsstimmung unter den Inhabern von Übernachtungs- und Gastronomiebetrieben vorstellen. Ein Zuschlag könne vor allem auch Impuls sein, um vorhandene Dinge zu optimieren.

Potenzial bei Quartieren

Die Qualität der Quartiere steigern wollte auch Nils Wittmann. Der Unternehmer nannte Beispiele im Raum Neualbenreuth, wo Betriebe durch Modernisierung punkten konnten. In Waldsassen sei hier noch Potenzial vorhanden. Auch die Bedeutung des Klosters im Zusammenhang mit der Teichwirtschaft kommt nach Einschätzung von Wittmann in aktuellen Präsentationen viel zu kurz.

Zuvor regte Robert Christ die Einbindung von Gewerbebetrieben an und nannte als ein Beispiel die Arbeiten des Künstlers Detlev Bertram - überdimensionale Schmetterlinge aus mundgeblasenem Lamberts-Glas. Nils Wittmann wünschte sich, dass Assoziationen mit Waldsassen über bekannte Produkte noch besser herausgearbeitet werden.

Dabei nannte er die Rosner-Lebkuchen oder das Mineralwasser aus Kondrau - auch wenn es in der Werbung so daherkomme, als ob es aus dem Allgäu wäre. "Kondrauer" aber sei in ganz Bayern bekannt. "Sogar Thomas Gottschalk kennt es." Bürgermeister Bernd Sommer skizzierte die vorrangige Bedeutung Waldsassens als attraktive Wohnstadt mit hoher Lebensqualität: "Ich möchte der Ort sein, wo ich gut leben kann." Dies schätzten auch Leute aus dem benachbarten Ausland.

"Nicht nach Tschechien"

Umgekehrt unterstrich Sommer den Reiz des nahen Westböhmens. Deshalb will der Bürgermeister daran arbeiten, dass der Begriff "grenzüberschreitend" im touristischen Kontext künftig nicht mehr in den Vordergrund rückt. "Wir müssen da aufpassen in der Werbung", hakte Inge Frank ein. Sie hatte den Stiftland-Messestand bei der Grünen Woche in Berlin mit besetzt: Bei Gesprächen mit Besuchern in der Bayern-Halle habe die Mitarbeiterin der Tourist-Info und dabei vielfach von Besuchern gehört, als die Rede auf die Grenznähe der Region kam: "Nach Tschechien will ich nicht."

Viel besser sei es, in Regionen zu denken - und auch so darüber zu sprechen. Ein großes Problem: Im gemeinsamen Oberzentrum Waldsassen und Eger/Cheb verkehre zwischen den "Ortsteilen" nicht einmal ein Linienbus. Die Runde war einhellig der Meinung, dass zwischen den Nachbarorten der Öffentliche Personennahverkehr verbessert werden müsste. "Ohne den wird ein Austausch nicht funktionieren", gab Inge Frank ihre praktischen Erfahrungen in der Tourist-Info weiter. Der aktuelle Trend hin zu Bio- und Naturprodukten war für Stephanie Wenisch ein interessanter Aspekt. Im Zusammenhang mit dem "Essbaren Garten", den das Bewerbungskonzept für die Gartenschau auf dem Klostergelände vorsieht, regte Wenisch auch eine Kooperation mit der "Slowfood"-Bewegung an.

Ideal für den "Aus-der Stadt-Tourismus"

"Familien sind zu vernachlässigen", erklärte Bürgermeister Bernd Sommer bei der Stoffsammlung fürs Verfeinern des Gartenschau-Bewerbungskonzepts auf die Frage nach der Gäste-Zielgruppe in Waldsassen. Die Altersklasse "50 plus" dagegen gelte es zu pflegen. Als Ergänzung wäre es nach Einschätzung von Sommer gut, wenn die 20- bis 50-Jährigen Waldsassen als Urlaubsort schätzen würden, wobei Sommer das Stichwort "Hipster" nannte: "Nicht als Verjüngung, sondern als Ergänzung." "Radeln und wandern können Sie überall", gab Stephanie Wenisch den Tipp zur Spezialisierung. "Sie müssen Anlaufpunkte schaffen. Die habe ich in Waldsassen." Drei Tage ließen sich damit locker füllen. Dies sei beim Städtetourismus nicht anders. Auch dort könne viel in kurzer Zeit erlebt werden. Bürgermeister Sommer wollte das aber nicht als Städtetourismus bezeichnen, eher schon als, wie er sagte, "Aus-der- Stadt-Tourismus". (pz)

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