Vernissage im Stiftlandmuseum Waldsassen
"Handwerk hat goldenen Boden"

Monika Kunz und Franz Danhauser als "Neualbenreuther Zwio" gestalteten die Vernissage im Stiftlandmuseum. Bild: jr
Vermischtes
Waldsassen
28.03.2018
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Zur Eröffnung der Sonderausstellung waren viele Besucher gekommen. Vorne in der ersten Reihe links Schreinermeister Otto Weiß, rechts daneben Bürgermeister Bernd Sommer und Hans Zölch sowie links in der zweiten Reihe 2. Bürgermeister Karlheinz Hoyer. Bild: jr

Im Stiftlandmuseum gibt es eine neue Sonderausstellung. Bei der Eröffnungsfeier erzählt Schreinermeister Otto Weiß aus seinem bewegten Handwerker-Leben - und entführt dabei die Besucher in eine ganz andere Welt.

"Handwerk hat goldenen Boden" - so ist die Präsentation überschrieben. Sie läuft bis 6. Januar 2019. Der Mitterteicher Schreinermeister Otto Weiß erzählte bei der Eröffnung der Ausstellung von seinem Handwerkerleben. "Früher haben wir unsere Möbel in der Umgebung verkauft, heute bis nach Usedom und sogar Dubai", verriet Weiß in typisch Stiftländer Mundart mit böhmischem Einschlag. Musikalisch begleitete die Vernissage das "Neualbenreuther Zwio".

Für die Museumsleitung hieß Robert Treml die Besucher willkommen. Stolz war Treml darauf, "dass wir überwiegend mit eigenen Stücken eine passable Ausstellung auf die Beine gestellt haben". Die Ausstellung soll auf die jahrhundertelange Tradition des Handwerks im Stiftland hinweisen. "Waldsassen war bis 1896 Markt, schon damals besaß das Handwerk goldenen Boden. Das Werken unserer Hände hat das Leben geformt." Dank galt den Leihgebern für diese Ausstellung. Treml abschließend: "Ich habe nur einen Wunsch - dass das Handwerk bestehen bleibt."

Hans Zölch informierte, dass die Vorbereitung der Ausstellung zwar viel Arbeit, aber auch Freude und Spaß bereitete. Zölch stellte Otto Weiß vor und fragte in die Runde: "Wie erkennt man einen Schreinermeister?" Otto Weiß riss gleich seine linke Hand nach oben und zeigte, wo der eine oder andere Finger nur mehr verkürzt vorhanden ist. Damals sei es schmerzvoll gewesen, heute sei es sein Markenzeichen. Nach diesem Vortrag blieb Bürgermeister Bernd Sommer nur noch übrig, die Ausstellung offiziell für eröffnet zu erklären. Sommer zeigte sich von den Ausführungen von Otto Weiß begeistert. "Ich könnte dir und deinen Erzählungen stundenlang zuhören."

Sommer sprach von einer Hommage ans Handwerk. Ausdrücklich dankte der Bürgermeister Robert Treml und Hans Zölch, die die Ausstellung hauptverantwortlich konzipierten. "Ich wünsche uns viele Besucher. Sie erleben ein Stück Heimatgeschichte und Tradition", sagte Sommer. "Is Feierabend" sang das Neualbenreuther Zwio - damit endete die Vernissage. Info-Kasten

Ich habe nur einen Wunsch - dass das Handwerk bestehen bleibt.Robert Treml, der mit Hans Zölch die Sonderschau hauptverantwortlich konzipiert hat.


Anfangs ein Wochenlohn zwischen 60 und 70 D-MarkDer 74-jährige Otto Weiß erzählte in seiner ihm eigenen Art von seinem Berufsleben. 1966 machte er seine Gesellenprüfung als Schreiner, drei Jahre später ging es zur Bundeswehr, 1972 dann die Meisterprüfung und schon zwei Jahre später gründete er seine eigene Schreinerei, die heute sein Sohn Helmut leitet. 2012 bekam er den Goldenen Meisterbrief des Schreinerhandwerks überreicht. "Schreiner war mein Traumberuf, die Feuerwehr ist mein Leben." Mit solchen Sätzen begeisterte er sein Waldsassener Publikum.

Weiß wies in seinem Vortrag auf viel traditionelle Details hin, die es zu großen Teilen heute nicht mehr oder nur vereinzelt gibt. Weiß bedauerte, dass viel handwerkliches Wissen in den beiden Weltkriegen geblieben ist. "Ein Handwerker musste immer schwere körperliche Arbeit verrichten, aber er war zufrieden, zum Essen und zum Leben hat es gereicht." Gerade die Anfänge als junger Handwerker waren nach den Worten von Weiß nicht leicht. Arbeitstage mit über zehn Stunden waren die Regel, es war normal, auch am Samstag zu arbeiten. Und es galt der Spruch "A G'lernter ist niat vom Himmel g'falln". Kurz ging Weiß auf die Löhne der Schreinergesellen ein. Anfang der 60er Jahre war ein Wochenlohn von 60 bis 70 D-Mark die Regel. Ein Metzgergeselle bekam noch weniger, dafür gab's zumeist am Wochenende ein Wurstpaket mit nach Hause. Weiß wusste auch, dass ein Schlotfeger unter seinem Zylinder zumeist ein paar Eier hatte. Damit bezahlten Landwirte die Reinigungsgebühren an ihren Kaminen. Ein weiteres Thema war die Walz, wo junge Handwerksburschen auf ihrer Durchreise fürs Essen und Schlafen arbeiten. Wer auf die Walz ging, der wollte etwas lernen. Sich selbstständig zu machen, sei nicht so einfach gewesen, erzählte Weiß: Viele Kollegen wünschten sich in ihrem Ort keine zusätzliche Konkurrenz. Am einfachsten war es, wenn ein Meister die Tochter oder Witwe eines Handwerksmeisters heiratete, dann konnte er ohne Probleme den Betrieb und damit die Selbstständigkeit erreichen.

Zum Schluss gab Weiß noch Einblicke in die Kunst eines Schreinermeisters. "Wer kann heute noch maserieren?", fragte Weiß. "Dies machen doch heute alles die Maschinen." Weiß, der in Mitterteich ein Schreinereimuseum sein eigen nennt, stellte alte Werkzeuge vor. (jr)
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