23.04.2018 - 20:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Viele Besucher interessierten sich für Aram und Etem Caraos Lebensgeschichte Gefährliche Flucht aus der Heimat

Zwei Mal hielten die Zuhörer beim Vortrag von Aram Karao den Atem an. Zuerst wegen der Schönheit der Städte in Arams Heimat Syrien. Das zweite Mal war der Grund die gefährliche Flucht nach Europa. Diese haben Aram und sein Bruder Etem nur unter unerträglichen Strapazen überstehen können.

sLudwig Spreitzer (Mitte) begrüßte als Referenten diesmal Aram und Etem Carao. Die beiden jungen Männer aus Syrien erzählten von ihrer gefährlichen Flucht aus der Heimat. Bilder: ubb (2)
von Ulla Britta BaumerProfil

"Wenn einer eine Reise tut...": So lautet normalerweise der Beginn der Vortragsreihe im Gästehaus St. Joseph, initiiert von Ludwig Spreitzer. Im Saal gab es keinen Sitzplatz mehr, als Aram und Etem Carao von ihrer Heimat erzählten. Die beiden jungen Männer sind Migranten, die ihr Land verlassen mussten, weil das Elternhaus nach einem Bombenangriff jetzt nur noch aus Schutt und Asche besteht. Dabei hatte die Familie "Glück", dies alles überhaupt zu überleben. Bevor der 22-jährige Aram von dieser schmerzlichen Lebenserfahrung berichtete, zeigte er den Anwesenden, wie schön einst Syriens Städte und Sehenswürdigkeiten waren und teils weiter sind. Und er zeigte Fotos von einer glücklichen Familie mit acht Kindern, vielen Verwandten und guten Freunden. Das war vor 2015. "Bei uns haben die Häuser einen Innenhof, wo sich der Garten und ein Brunnen befindet", erzählte der Syrer, welche Unterschiede es in seiner Heimat zur Wohnkultur in Waldsassen gebe. 2013, so Asam, habe er sein Abitur gemacht. Als er in Aleppo Bauingenieur studierte, bekam er rasch die Wirren des Krieges am eigenen Leib zu spüren. IS-Kämpfer hätten ihn auf seinem Schulweg plötzlich immer wieder kontrolliert, berichtet er.

Dem Tod knapp entronnen

"Da kriegt man Sätze zu hören wie: Du hast Glück. Ich habe heute keinen Bock drauf, jemanden zu töten", so Aram. Seine Familie sei seit Wochen auf den Koffern gesessen. "Keiner wusste, müssen wir heute weg oder erst in einigen Wochen." Arams Eltern beschworen den Sohn, nicht mehr in seine Heimatstadt Kobane zurückzukehren. Tatsächlich wurde diese wenig später ausgebombt. Also versuchte der heute 22-jährige junge Mann, in die Türkei zu kommen, wo eine seiner Schwestern wohnte. Um zu überleben, nahm Aram jede Gelegenheitsarbeiten an, die sich ihm bot. Aber in der Türkei sei er ein Fremder gewesen, der illegal eingereist sei. Trotz seines syrischen Passes. "Nie hätte ich gedacht, dass ich eines Tages flüchten muss. Es war alles sehr schlimm", erzählte er weiter. Bald folgte Aram dem gefährlichen Weg vieler Landsleute mit einem Boot übers Mittelmeer nach Griechenland, weiter über die Balkanroute teils zu Fuß, teils mit einem Lastwagen bis nach Ungarn. Dort lernte er Europa von der weniger schönen Seite kennen, er wurde eingesperrt. Von München aus über Regensburg kamen sie am 30. Juli 2015 nach Waldsassen, wo sie von Privatleuten und den Helfern der AWO von Anfang an herzlich empfangen und gut versorgt wurden. Aram und Etem konnten beide Englisch sprechen. "Das war ein großer Vorteil", sagte Spreitzer. Denn auch die Waldsassener nutzen die Sprachkenntnisse. Beide halfen beim Dolmetschen, denn sie waren nicht die einzigen Migranten in der Klosterstadt. Ende gut alles gut? Nicht ganz. Natürlich wollen der 22-jährige Aram und der 25-jährige Etem ihre Familien wieder sehen, natürlich trauern sie um Verwandte, die im Krieg sterben mussten, natürlich vermissen sie ihre Heimat. Ein Trost: Sie dürfen in Deutschland arbeiten. Etem studiert an der Fachhochschule Amberg, Aram macht eine Ausbildung zum Bauzeichner bei Horn in Plößberg.

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