26.06.2017 - 12:30 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Vier Wochen nach dem Großfeuer in Schottenhof Aufräumen nach dem Schock

"Es kommt alles wieder hoch", sagt Alexandra Schuller. Die Flammen lodern meterhoch überm Scheiterhaufen. Wo früher Stadel und Maschinenhalle standen, brennt es wieder. Genau vier Wochen nach dem Großfeuer.

Auf dem Hof der Familie Schuller war am Samstag ein Helferfest organisiert worden. Die Münchenreuther Feuerwehr verbrannte in einer kontrollierten Aktion die verkohlten Balken. Am Grill Alexandra und Josef Schuller, links Sohn Christoph. Bild: pz
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Seit dem Brandunglück am 24. Mai, als im Münchenreuther Ortsteil Schottenhof die Nebengebäude zweier eng bebauter Anwesen völlig zerstört worden waren (wir berichteten), sind die Brandleider inzwischen mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Die Familie Schuller, in deren Anwesen laut kriminaltechnischer Untersuchung das Feuer nach einem technischen Defekt aufgegangen sein soll, hat diesen Samstag spontan ein Fest für die Helfer nach dem Unglück organisiert.

Es gibt Gegrilltes sowie Kaffee und Kuchen. Die ganze Familie ist da - Alexandra und Josef Schuller und die Kinder Theresa (19) sowie die Zwillinge Christoph und Katrin, die diesen Samstag 13. Geburtstag feiern. Auch Familienhund Niko ist dabei, der seit dem Brandunglück unruhiger ist als früher: "Die vielen fremden Leute", sagt Alexandra Schuller.

"Hurra, wir leben noch"

Auf dem Schuller-Grundstück hat die Feuerwehr Münchenreuth eine Übung angesetzt. Die Aktiven verbrennen kontrolliert die vielen verkohlten Balken - Überreste des Stadels. "Drei bis vier Leute sind den ganzen Tag über da", erklärt Klaus Grötsch, Münchenreuther Feuerwehrkommandant und direkter Nachbar der Schullers. "Hurra, wir leben noch", hat sich Familienvater Josef Schuller seinen Humor bewahrt und ist froh, dass die Waldsassener Feuerwehrleute eine neue und besonders weit ausfahrbare Drehleiter haben - und damit das Wohnhaus vor den Flammen retteten. "Sonst müssten wir jetzt draußen irgendwo zelten." Das Wohnhaus ist allerdings beschädigt worden. Die Fenster waren geborsten in der Hitze. "Bei Christophs Zimmer haben schon die Flammen hinein geschlagen", erinnert sich Mutter Alexandra und zeigt aufs Obergeschoss, darüber der zerstörte Lüftungskamin. Der hatte schon gebrannt. Auch in den Raum schräg darunter mit den Öltanks war das Feuer schon vorgedrungen. "Das war meine größte Angst, dass das Wohnhaus auch noch abbrennt." Die Nebengebäude, darunter die Maschinenhalle mit der Werkstatt, waren nicht mehr zu retten. "Wir sind heraußen gestanden und haben praktisch zuschauen müssen, wie alles abbrennt." Froh ist die Familie über die rasche Reaktion von Achim Graßold: Der Kreisbrandmeister aus Konnersreuth war zufällig am Brandort vorbei gekommen und hatte wenig später die größtmögliche Alarmierungsstufe ausgelöst - worauf alle Feuerwehren aus dem Umkreis angerückt waren.

"Alle können wir halt nicht einladen", sagt Alexandra Schuller entschuldigend, unterstreicht aber gleichzeitig die große Unterstützung in den Tagen nach dem Brandunglück. "Wir waren nie allein." Die Feuerwehr Kondrau hatte Brandwache gehalten. Von der Waldsassener Wehr war Michael Lochner die Nacht vor Ort geblieben und war um halb zwei Uhr mit der Familie nach den Löscharbeiten ins Haus gegangen. "Da hat der Wecker geklingelt, weil mein Mann in die Schicht musste." Alexandra Schuller nennt außerdem die Helfer des Kriseninterventionsteams. Über das Trauma nach dem Großbrand halfen Freunde und Bekannte hinweg. "Das war uns eine Hilfe." Freunde und Bekannte hätten Werkzeug und Maschinen gebracht, um mit dem Aufräumen beginnen zu können - Werkzeugkiste, Akkuschrauber, Rasenmäher, Motorsense. "Mein Mann hat ja immer irgendwo herumgewerkelt", sagt die Ehefrau über Josef Schuller, der viel Zeit in seiner Werkstatt verbrachte - die jetzt in Schutt und Asche liegt. "Am Samstag nach dem Brand hat Josef erst einmal Schaufeln und Besen gekauft" erzählt Daniel Trißl. Er hat die Familie seiner Schwester viel unterstützt: Mit dem Bagger der Firma Plannerer - seinem Arbeitgeber - räumte Trißl den Schutt weg. Auch diesen Samstag setzt er sich immer wieder auf die Maschine und hebt mit dem Greifarm die verkohlten Balken auf den Scheiterhaufen.

Pläne für Wiederaufbau

"Ich bin froh, dass der ganze Dreck weg ist", sagt Alexandra Schuller. Mit Unterstützung des älteren Bruders, der bei der Firma Kassecker arbeitet, wurden Pläne für den Wiederaufbau geschmiedet und inzwischen auch gezeichnet. "Der Charakter des Vierseithofes soll erhalten bleiben, dass es halt wieder zu ist", verrät sie. "Wir müssen halt schauen, wie es finanziell hinkommt." Klaus Grötsch erinnert sich noch genau: "Als wir gekommen sind, hat ja alles schon gebrannt." Die zwölf Minuten, die das Löschwasser vom 800 Meter entfernten Teich bis zur Saugstelle gegenüber des Brandorts brauchte, hätten gefühlt eine Ewigkeit gedauert. "Aber es ist alles richtig gemacht worden." Oft sei in den Medien lapidar zu lesen, dass bei Brandunglücken die Wohnhäuser gehalten werden konnten. "Aber wenn man sieht, wie man da kämpfen muss", sagt der Feuerwehrchef über den beherzten Einsatz der Feuerwehrleute und erklärt, dass es in Schottenhof "wirklich kurz auf knapp" gewesen wäre. Das Feuer habe sich derart schnell ausgebreitet; auch der Wind habe dazu beigetragen. Diesen Samstag weht der Wind wieder. "Aber das ist gut", sagen die Feuerwehrleute. Sie passen auf, dass sich das Feuer auf der Wiese nebenan nicht unkontrolliert ausbreitet.

Noch keine Freigabe der Versicherung

"Man muss nach vorne schauen", sagt Michael Arneth: Die Nebengebäude seines Anwesens und weitere der Familien Bauer/Baumgartner waren durch das verheerende Feuer am 24. Mai ebenfalls völlig zerstört worden. Nicht zu retten war auch ein denkmalgeschützter Stadel aus dem Jahre 1770, der laut Arneth erst vor einigen Jahren restauriert worden war. In den vergangenen Wochen hatte der Brandleider verkohlte Balken feinsäuberlich gestapelt. "Die Eigenleistung wird mir angerechnet", verweist der Nachbar der Schullers auf die Absprache mit der Versicherung. Diese habe aber eine große Aufräumaktion wie bei den Nachbarn bislang noch nicht freigegeben. Arneth sieht die Aufräumarbeiten als Therapie. "Wenn man nur dasitzt und sieht, das nichts vorangeht, dann wird man beinahe depressiv." Auf dem Hof liegen Reste alter Fahrzeuge herum, etwa zwei Achsen, außerdem zerstörte Werkzeuge der Großeltern. "Fotos sind da ganz wichtig", sagt Arneth über das, was er unter dem Schutt gefunden hat und aufbewahrt - für die Kostenregulierung durch die Versicherung. Bis zum Winter will der Brandleider wieder die Holzlege überdachen und vorm Anwesen einen Zaun errichten. Der soll den jetzt freien Blick in den früheren Innenhof verhindern. "Die Privatsphäre ist gestört." Auch Angela Baumgartner verweist auf den dringenden Hinweis der Versicherung, wonach die Aufräumarbeiten erst nach ausdrücklicher Erlaubnis der Brandversicherung beginnen dürften. Dies könne sich noch Wochen hinziehen. Michael Arneth sowie die Familien Bauer/Baumgartner wollen zu einem späteren Zeitpunkt ein eigenes Helferfest als Dankeschön organisieren. (pz)

Alle können wir halt nicht einladen.Alexandra Schuller
Es ist alles richtig gemacht worden.Kommandant Klaus Grötsch
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