27.08.2017 - 17:52 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Borkenkäfer auf dem Vormarsch Ungeliebte "Handwerker"

"Mein lieber Freund und Kupferstecher" - ein Spruch, den kein Forstmann teilt. Denn damit ist nicht nur ein ehrenwerter Beruf, sondern auch ein Waldschädling bezeichnet. Der ist in unseren Breitengraden aber nicht das Problem, sondern einer, der seinen Namen auch von einem Handwerk hat.

Forstbetriebsleiter Gerhard Schneider ist nicht begeistert von den Tätigkeiten der Buchdrucker und Kupferstecher in seinem Revier. Aber in Nordbayern ist die Situation derzeit noch gut überschaubar, entwarnt er. Bilder:tr (3)
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Keinen Respekt vor dem Baum des Jahres 2017 hat der winzige Übeltäter. Das ist die Fichte, der Brotbaum der hiesigen Forstwirtschaft und die Lieblingsspeise des Buchdruckers. "Über ganz Bayern haben wir derzeit eine Borkenkäfergradation", erklärt der Leiter des Forstbetriebs Waldsassen, Gerhard Schneider. Gradation bedeute in diesem Fall, dass sich der Käfer in Massen vermehrt. Als Schwerpunkte nennt Schneider die Gebiete, die vor zwei Jahren vom Sturm Niklas stark gebeutelt wurden, nämlich Südbayern und der fränkisch/schwäbische Jura. Dort seien in den Betrieben derzeit bis zu 18 Harvester unterwegs, die nichts anderes tun als Käferbäume aus dem Bestand zu schaffen. Bis zu 800 Festmeter in der Woche macht jeder von ihnen, um die Situation in den Griff zu bekommen.

"Der nordostbayerische Raum ist im Moment noch vom Massenbefall verschont", weiß der Forstdirektor und ergänzt: "Wir beobachten derzeit den Buchdruckerbefall im leicht erhöhten Umfang." In allen Forstbetrieben seien die Mitarbeiter unterwegs und suchten nach Bohrmehl auf dem Boden, das sichere Zeichen für Borkenkäfer. Bäume die geschädigt sind, werden abgesägt, aufgearbeitet und zeitnah ins Sägewerk abtransportiert. Drei Wochen wären wünschenswert, seien aber derzeit kaum zu schaffen, weil wegen der prekären Situation in Südbayern und im Jura für Nordbayern ein Fichteneinschlagstopp verabredet ist, um den gebeutelten Gebieten den schnellen Abtransport zu den Sägewerken zu erleichtern."

Spritzen ist die Ausnahme

Etwaige Hotspots werden allerdings schon beseitigt und die dabei gefällten Bäume dann halt an den Wegen gelagert, bis sich die Situation im Süden entspannt. Gespritzt werde übrigens nur in ganz wenigen Ausnahmefällen. Im Großen und Ganzen sei bei uns die Welt derzeit käfermäßig in Ordnung, fasst Schneider zusammen. Am meisten Probleme gäbe es auf den trockenen Granitkuppen im Falkenberger Raum.

Angstschweiß der Bäume

Dort käme die Fichte als erstes unter Wasserstress, was die eigentliche Ursache für Invasionen sei. "Die Käfer riechen förmlich den ,Angstschweiß' der Bäume." Auf Pheromon-Basis kommunizierten die Käfer dann ihre Strategien. Die ersten, die zu einem gemeldeten geschwächten Baum kämen, wären vergleichbar mit Kamikazes. Wenn sie den noch einigermaßen gesunden Baum angreifen, werden sie zugeharzt und sterben. Aber ob der Masse, die dann angeschwirrt kommt und ihre tödliche Arbeit beginnt, gibt die Fichte schließlich auf.

Welle im September

Dann kommt die Botschaft, hier gibt es nichts mehr zu holen und das nächste Opfer wird gesucht und erleidet genau dasselbe Schicksal. Als Prognose für seinen Zuständigkeitsbereich rechnet Schneider für den September mit einer erheblichen Aufarbeitungswelle. Dann, wenn die Rinde der befallenen, toten Bäume vom Stamm fällt. Wirtschaftlich gesehen wäre dieses Holz immer noch als wertvoll zu bezeichnen. Es ist nur einen Tick schlechter als das von einem gesunden Baum, die Klassifizierung rutscht von B nach BC nach unten. Bliebe das Holz über den Winter im Bestand, wäre es nur noch D-Ware und damit fast wertlos.

Der Kupferstecher sei ebenfalls relevant im Revier, informiert der Forstbetriebsleiter. Aber da dieser Schädling in der Hauptsache eher schwächere, jüngere Bäume im Gipfel- und Kronenbereich befalle, sei er vom Schadenspotenzial her praktisch zu vernachlässigen.

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