28.05.2012 - 00:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Festwirt Paul Stellmach verärgert über Zieglerbrauerei - Gerstensaft aus Kulmbach für die Gäste "Wir wollen Waldsassener Bier"

Die Sache eskalierte kurz vorm Auftakt am Freitag: "Wir wollen auf dem Waldsassener Pfingstfest auch Waldsassener Bier", schrieb Paul Stellmach im Internet auf seiner Seite in einem sozialen Netzwerk an etwa 2000 "Freunde".

von Paul Zrenner Kontakt Profil

Zudem verteilte der Festwirt beim "Waldsassener Pfingstfest" am Eröffnungsabend im Bierzelt ein Flugblatt mit gleichem Inhalt. "Prost zur Wahrheit", heißt es darin abschließend. Im Fokus: Die Zieglerbrauerei, die mittlerweile auf eine annähernd 165-jährige Tradition zurückblickt. Der Betrieb biete Bier zum Verkauf, das gar nicht in Waldsassen gebraut sei, so der Vorwurf. Stellmach war am Freitagabend reichlich angefressen wegen der Vorgänge, sprach auf NT-Anfrage am Telefon von einer "Riesen-Schweinerei".

"Ich als Festwirt findet es traurig, dass solche Sachen erst zwei Tage vor Festbeginn ans Tageslicht kommen, bzw. mir sowas nicht mitgeteilt wird", schrieb Stellmach in dem Eintrag, der vielfach mit "Gefällt mir" quittiert wurde. "So geht das nicht, uns einfach ein anderes Bier unterjubeln zu wollen", heißt es. "Zieglerbrauerei und Ulrika Hart, schämt euch, dass ihr uns so veräppeln wollt."

"Nichts zu beschönigen"

"Es gibt nichts zu beschönigen", sagt Ulrika Hart, ergänzt aber im selben Atemzug, sich auf diese Weise nicht ins Zwielicht stellen lassen zu wollen: "Ich habe doch niemals verheimlicht, dass wir zukaufen", so die Geschäftsführerin über den - vorübergehenden - Bezug von Bier anderer Brauereien, das dann als eigenes Produkt verkauft wird.

In Notlagen völlig legitim

Der Grund für diese Vorgehensweise ist nach Aussage von Ulrika Hart rein wirtschaftlicher Natur: Nach einem Frostschaden während des strengen Winters könne im Betrieb am Stationsweg vorübergehend nicht mehr gebraut werden; die Nachfrage sei bisher aus dem Lagerbestand und eben über den Zukauf bei regionalen Kleinbrauereien gedeckt worden. Dies sei in Notsituationen völlig legitim. "Ich habe auch schon an andere Brauereien geliefert." Im Vorfeld habe die Unternehmerin versucht, dass die Brauerei das "Pfingstfest" als Bierlieferant zusammen mit den Mitarbeitern gut über die Bühne bringt, "... nach bestem Gewissen", wie sie sagt. Der Zukauf sei geregelt gewesen. "Für mich war alles geradlinig gelöst", so Ulrika Hart.

Lebensbedrohlich

In die aktuelle Entwicklung in den Tagen vor dem Fest in Waldsassen habe sie dann aber nicht mehr mit voller Kraft eingreifen können: Dabei verweist die Brauerei-Chefin auf ihre seit Wochen schwer angeschlagene Gesundheit; in der Woche vor Pfingsten sei ihr Zustand zeitweilig sogar lebensbedrohlich gewesen.
Ulrika Hart, die zurzeit im Krankenhaus liegt, will nach ihrer Genesung die Angelegenheiten regeln. "Ich werde dann in aller Ruhe prüfen, wie es weiter geht." Dann soll auch der Frostschaden im Sudhaus behoben werden, damit wieder selbst gebraut werden könne, so erklärte die Geschäftsführerin auf NT-Anfrage. Auch der Erhalt der Arbeitsplätze spiele eine Rolle. Bisher sei aber die teuere Reparatur nicht möglich gewesen.

"Das sind alles wirtschaftliche Faktoren." Und überhaupt müsse sie erst wieder ganz gesund werden; dies werde noch einige Wochen dauern. Festwirt Paul Stellmach hatte jedenfalls wegen des Biers anderer Brauereien in Ziegler-Fässern und-Flaschen kurz vor dem Festauftakt die lange bestellte Ware kurzerhand abbestellt und sich an andere Lieferanten gewandt. Die "Pfingstfest"-Besucher durften sich Gerstensaft überwiegend von Kulmbacher Brauereien schmecken lassen - was sich die Zieglerbrauerei-Chefin wegen der bereits abgeschlossenen Verträge nicht ohne weiteres bieten ließ: Ulrika Hart hat inzwischen den Juristen des Bayerischen Brauerbunds eingeschaltet.

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