30.06.2017 - 17:28 Uhr
WaldsassenDeutschland & Welt

Florierende Wirtschaft in Waldsassens tschechischer Nachbarstadt Cheb/Eger Strategisch optimal in Europa

"Etwa hier", zeigt Oberbürgermeister Antonín Jalovec auf die freie Fläche an der Wand, rechts neben der großformatigen Luftaufnahme von Cheb/Eger. In der Industriezone am östlichen Stadtrand ist Entwicklungsphase zwei in zwei Jahren beendet. Teil drei folgt - nach 2020.

Beeindruckend ist die wirtschaftliche Entwicklung im Industriegebiet am östlichen Rand von Waldsassens Nachbarstadt Cheb/Eger. Im Bild eine der riesigen Hallen auf dem Areal. Bild: kgg
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Waldsassen/Cheb (Eger). Vor 15 Jahren entstanden ist die Gewerbezone im Osten von Waldsassens westböhmischer Nachbarstadt - eine Entscheidung mit Weitblick, wie sich jetzt zeigt: Denn der erste Abschnitt des nahe der Autobahn gelegenen Areals war damals rasch ausgebucht - eine Entwicklung, die sich rasant fortgesetzt hat. Vor allem deutsche Unternehmen nutzen die strategisch günstige Lage in der Mitte Europas zur Ansiedelung - für Produktionsanlagen wie für Logistik-Zentren. "Erst vergangene Woche habe ich wieder eine Fabrik eröffnet", freut sich OB Jalovec augenzwinkernd über die florierende Entwicklung: Die Firma Deufol - ein international agierender Dienstleister im Bereich Verpackung, hat sich in Waldsassens tschechischer Nachbarstadt angesiedelt. Daneben sind in dem Industriegebiet mit den aneinander gereihten Hallen DHL und Tschibo vertreten. Ausbaustufe eins und zwei umfassen etwa 50 Hektar - eine Größenordnung, die etwa der Fläche des interkommunalen Gewerbegebiets bei Wiesau entspricht, wie Bürgermeister Bernd Sommer anmerkt, der bei dem Gespräch in Eger mit dabei ist.

Für eine Restfläche laufen laut Jalovec Verhandlungen mit einem amerikanischen Unternehmen. Dann aber sei das Gelände komplett ausgebucht. Die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung von Cheb planen nebenan eine Erweiterung der Industriezone - 130 Hektar groß. Es könnte dann von einem einzigen Investor genutzt werden, erklärt Jalovec, wobei immer wieder der Name Tesla ins Spiel kommt. Das Gewerbegebiet ist die größte Industriezone in Tschechien. Rund 1000 bis 2000 neue Arbeitsplätze seien in den vergangenen Jahren in dem neuen Industriezone geschaffen worden, schätzt der OB, wobei die Zahl je nach Jahreszeit variieren kann - etwa weil Playmobil Saisonkräfte beschäftigt. Bei einer Arbeitslosenquote von rund 2,7 Prozent bei den Nachbarn muss Oberbürgermeister Jalovec darauf achten, dass in der Region genügend Fachkräfte verfügbar sind. "Wir brauchen ganze Familien", erklärt der Rathauschef und ist bestrebt, dass Leute von auswärts sich in der bayerisch-böhmischen Grenzregion niederlassen. Wenn Mitarbeiter scharenweise etwa aus Balkanländern nach Cheb zur Arbeit pendelten, dann könne dies ein Problem werden - hier wie in den Heimatorten der Arbeitskräfte.

Erst vergangene Woche habe ich wieder eine Fabrik eröffnet.Oberbürgermeister Antonín Jalovec

Umweg über Marktredwitz als Zwischenlösung zumutbar

Klangvolle und bekannte Namen haben sich in der Industriezone in Cheb/Eger angesiedelt. Der Sattelzug mit der auffälligen Playmobil-Werbung etwa ist regelmäßig auf der Bundesstraße durch Waldsassen unterwegs, wie viele andere Schwerlastfahrzeuge auch. Vor diesem Hintergrund betrifft die Entwicklung in der tschechischen Nachbarstadt auch Waldsassen. Im Rathaus am Egerer Marktplatz ist den Verantwortlichen durchaus bewusst, dass die vergangenes Jahr eröffnete Umgehung an Eger vorbei in Richtung Waldsassen massiv für zusätzlichen Verkehr sorgt. "Die Südostumgehung war für uns äußerst wichtig", erklärt OB Jalovec. Aber erst dadurch sei die Sperrung der Innenstadt von Cheb für den Schwerlastverkehr möglich geworden. "Wir erwarten, dass auch Waldsassen bald eine Umgehung bekommt." Jalovec zeigt Verständnis für die innerstädtische Verkehrsproblematik in Waldsassen und für eine kurzfristige Problemlöser - die Sperrung der Bundesstraße 299 durch Waldsassen für den Schwerlastverkehr. Dies sei zwar nicht Sache der Stadt, erklärt das Stadtoberhaupt über die Notwendigkeit des Umwegs über Marktredwitz. Aber dies dürfe wohl kein Problem darstellen. Dabei zeigt Jalovec auf der Karte, dass die Autobahn D 6 neben der Industriezone verläuft. "Wir tun viel für die Unternehmen", erklärt Bürgermeister Bernd Sommer; da wäre für die Firmen für eine gewisse Übergangszeit auch eine Umleitung zumutbar. (pz)

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