18.08.2017 - 20:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Waldsassen bringt Wasserversorgung auf Vordermann Neuer Schliff für Quellsystem

Um das Trinkwasser, das Lebensmittel Nummer Eins, auch in Zukunft auf höchstem Niveau anbieten zu können, investiert die Stadt Waldsassen rund 700 000 Euro. Aufgeteilt in zwei Bauabschnitte gehen die Maßnahmen heuer und im kommenden Jahr über die Bühne.

So sieht es tief im Inneren eines Schachtes aus. In ein paar Metern Tiefe verläuft ein Ringbalkon über dem eigentlichen Brunnenschacht und bietet zusätzlichen Schutz vor möglichen groben Verunreinigungen.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

"Wasser ist ein wertvolles Lebensmittel und das ist uns was wert", rechtfertigt 2. Bürgermeister Karlheinz Hoyer die Investitionssumme. Im Quellgebiet im Altmugler Wald werden in diesem Jahr für rund 360 000 Euro die vier Muglbachtal-Quellen saniert. "Insgesamt bezieht die Stadt ihr Trinkwasser aus 14 Quellen", erklärt Wasserwart Tobias Tippmann. Die Quellen bei Breitenbrunn und die Eichelbachtal-Quellen werden im Bauabschnitt zwei im kommenden Jahr saniert.

Spezialfirma

Momentan arbeitet die Spezialfirma Luding aus Regnitzlosau an der dritten von vier Mugelbachtal-Quellen. In drei Metern Tiefe tritt das Grundwasser an der aktuellen Baustelle zutage. Darunter befindet sich klüftiger Fels. Die Quelle mit ihren zwei Schächten liegt unterhalb eines Hanges, wo zusätzlich Wasser herunterläuft und gesammelt wird. Beide Schächte werden im Zuge der Baumaßnahmen neu gesetzt. Der Grund, warum diese Baustelle besonders aufwendig ist. Aber das ist nicht überall der Fall.

Weil Baumwurzeln die Schächte und die gesamte Anlage mit der Zeit schädigen können, wurden Rodungsarbeiten durchgeführt. Insgesamt mussten dabei über zehn Hektar Wald weichen. Eine Maßnahme, die natürlich mit dem Naturschutz abgesprochen worden ist. Auf einer Ausgleichsfläche in der Nähe entsteht ein großes Areal, auf dem die entfernten Wurzelstöcke aufgeschichtet werden. Ein Eldorado für kleine Vögel, Reptilien, Insekten oder Igel.

Noch bis Mitte September

Ende Juni haben die Spezialisten mit ihrer Arbeit begonnen. Bis Mitte September soll Bauabschnitt eins erledigt sein. Geplant worden ist das Ganze bereits vor eineinhalb Jahren. Der Bau an der aktuellen Quelle wird noch etwa zwei Wochen in Anspruch nehmen, andere Maßnahmen sind viel schneller zu erledigen, weil oft eine Oberflächenbehandlung ausreiche, um ein Areal auf Vordermann zu bringen. Das Wasser, das Waldsassen und viele andere Ortsteile versorgt, ist ziemlich eisenhaltig und kommt deshalb recht sauer mit pH-Werten um die 5,6 daher, wissen die beiden anderen Waldsassener Wasserwarte, Manfred Härtel und Martin Stingl.

Laut Karlheinz Hoyer wurde das Quellsystem in dieser Größenordnung noch nie saniert. Der 2. Bürgermeister betont, dass mit der Maßnahme alle Quellen auf den neuesten Stand gebracht werden, um Zukunftssicherheit zu gewährleisten. "Colibakterien oder Nitrat waren bei uns noch nie ein Thema", freut sich Hoyer. Nitrat schon deshalb nicht, weil die Quellen im Waldgebiet liegen und dort ja keine Gülle ausgebracht wird. "Wir kontrollieren ständig und hatten von der Quelle bis zum Endverbraucher noch nie irgendwelche größeren Probleme." Zudem seien alle Quellen-Areale eingezäunte Schutzgebiete.

Wasserüberschuss

Tobias Tippmann verweist auf einen Wasserüberschuss. "Und das, obwohl wir auch Ottengrün, Schachten, Teile von Wernersreuth, Poxdorf, Motzersreuth und Maiersreuth mitversorgen." Darüber hinaus unterhalte Waldsassen noch einen Notverbund mit der Pfaffenreuther Gruppe. Das bedeute, dass dorthin nur eingespeist werde, wenn das kostbare Nass einmal knapp werden sollte. Auch für Ernestgrün tritt Waldsassen als Notversorger auf. "Das geht blitzschnell, da muss nur ein Schieber geöffnet werden", erklärt Tippmann.

Großräumiger Ausbau

Ziel bei der Wasserversorgung sei es, das Netz großräumig auszubauen - in der Weise, dass viele Versorger zusammenhängen und bei Notständen eben einer beim anderen aushelfen kann. In Waldsassen sei der Verbrauch eigentlich rückläufig, sagt Karlheinz Hoyer. "Aktuell verbrauchen wir etwa 380 000 Kubikmeter jährlich. Früher hatten wir als Spitzenwerte um die 500 000. Trotzdem ist der Preis immer stabil geblieben."

Neben den eigenen Kontrollen nehmen das Gesundheits- und das Wasserwirtschaftsamt regelmäßig Wasserproben in den Quellen. Für alle drei Wasserwarte ist die Arbeit ein "Fulltime-Job". Fast täglich sind sie unterwegs, um das ihnen anvertraute wertvolle Gut Wasser in Augenschein zu nehmen. 20 Kilometer lang sind die Leitungen, die parallel laufen und die wertvolle Fracht in die Klosterstadt transportieren. Die Ältere von beiden ist aus Stahlrohren, stammt aus dem Jahr 1900 und ist immer noch top in Schuss. Die Neuere aus Faserzement tut ihren Dienst seit den 1960er-Jahren.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp