27.09.2017 - 20:00 Uhr
WaldthurnOberpfalz

300. Todestag von Wolfgang-Caspar Printz Der größte Sohn des Orts

"An Wolfgang-Caspar Printz kommt keiner vorbei", sagt Georg Schmidbauer. Der Oberbernriether Heimatforscher weiß genau, wovon er spricht.

Bild (fvo) „Historische Beschreibung der Edelen Sing- und Klingkunst“ von Wolfgang-Caspar-Printz
von Franz VölklProfil

Das Jubiläum "800 Jahre Waldthurn" steht auch im Zeichen eines bedeutenden Mannes der Region, der vor 300 Jahren im polnischen Sorau starb. Schmidbauer beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Printz, dem in Waldthurn geborenen Komponisten und Musikschriftsteller. "Das Waldthurner Jubiläumsjahr 2017 kann man auch als Wolfgang-Caspar-Printz-Jahr bezeichnen." Am Freitag, 13. Oktober 2017, um 18 Uhr wird am Gemeindezentrum in Waldthurn eine Wolfgang-Caspar-Printz-Gedenktafel enthüllt. Schmidbauer ist an diesem Abend Laudator.

"Printz, von dem es leider kein Porträt gibt, ist der größte Sohn des Orts", findet der Heimatforscher. 1992 hatte Schmidbauer vorgeschlagen, die Volksschule in Wolfgang-Caspar-Printz-Schule umzubenennen. Printz sein ein unglaublich guter Komponist und gebildeter Mann gewesen und habe über die Entstehung der Musik als Ganzes geschrieben. Obwohl er schon als Achtjähriger Waldthurn verließ, sah er sich immer als "echter Waldthurner". Seine Bedeutung für die Musik ist erst die letzten Jahrzehnte erkannt worden. Es erscheinen Bücher, Universitäten beschäftigen sich mit Printz.

Sein berühmtestes Werk ist "Historische Beschreibung der Edelen Sing- und Klingkunst". Die ersten Ausführungen über die Musikgeschichte in deutscher Sprache erschien 1690 auf zirka 240 Seiten. Es beinhaltet ein umfangreiches Register mit Gedanken des Ursprungs der Musik. Das Marktarchiv hat ein Exemplar in seinem Bestand.

Die Fülle der Kompositionen und schriftstellerischen Abhandlungen zeigt eindrucksvoll die überragende Bedeutung, die Printz zu seiner Zeit hatte und bis heute hat. Alle wichtigen Musiklexika würdigen ihn mit umfangreichen Beiträgen. Printz wurde als ein Stern erster musikalischer Größe des 17. Jahrhunderts bezeichnet. Schließlich findet er auch in der "Musikgeschichte Bayerns" seine gebührende Würdigung. Geboren wurde Printz 1641 in einem herrschaftlichen Sommerhaus der Lobkowitzer an der Grubmühle. Heute sind dort Pferdekoppeln.

"Mein Vaterland ist die Oberpfalz. Der Ort, an welchem ich geboren, heisset Waldthurn. Allhier bin ich Anno 1641, den 10. Octobris, morgens früh um 6 Uhr geboren worden", schrieb Printz. Im Alter von sieben Jahren wurde er in die Waldthurner Schule geschickt.

1649 mussten die Eltern wegen ihres evangelischen Glaubens den Ort verlassen und siedelten nach Tresenfeld über, nach einem weiteren Jahr nach Vohenstrauß. Hier besuchte Wolfgang die Lateinschule, erhielt Kompositionsunterricht und lernte Geige sowie Orgel spielen. Im September 1654 wechselte der Musiker in die Schule nach Weiden. Hier erhielt er auch weiterhin Orgelunterricht und lernte das Spielen auf etlichen Blasinstrumenten.

Nach dem Tod seiner Mutter 1658 ging Printz an die Universität Altdorf bei Nürnberg zum Studium, das er aber 1661 abbrechen musste, weil es ihm an Geld mangelte. Nachdem der Vater wieder geheiratet hatte, ging Printz als lutherischer Prediger zurück nach Vohenstrauß. Er entschloss sich nach einigen kritischen Predigten, dieses Amt aufzugeben, die Heimat zu verlassen und sich ganz der Musik zu widmen. Nun folgte eine Zeit unsteten Wanderlebens.

Printz heiratete 1664 eine Apothekerstochter aus Sorau, mit der er acht Kinder hatte. Im Mai 1665 trat er dann die Kantorenstelle an der Hauptkirche in Sorau an. Ab 1704 war er auch am gräflichen Hof angestellt. 52 Jahre war er Kantor. Schon in den ersten 12 Jahren seines Wirkens in Sorau hatte er nach eigenem Bekunden mehr als 150 größere Werke im italienischen Stil geschaffen, die leider beim großen Stadtbrand von 1684 samt seiner bedeutenden Bibliothek ein Raub der Flammen wurden. Aber er komponierte unverdrossen weiter. So waren bis 1944 im Musikalienbestand der Sorauer Stadtkirche noch 83 Werke von Printz erhalten, die teilweise auch noch aufgeführt wurden. Leider verbrannten sie beim Großangriff der Amerikaner auf Sorau im April 1944.

Eine herausragende Stellung nahm Printz auch als Musikschriftsteller und -kritiker ein. Mit unglaublichem Fleiß verfasste er eine Fülle von Werken, nach neuestem Forschungsstand insgesamt 39 Bücher, darunter fünf Musikerromane, ,,Anweisungen zur Singkunst" sowie musiktheoretische Werke, die alle im Druck erschienen und zum Teil in mehreren Auflagen weit verbreitet waren.

"Ich machte mich im vergangenen Jahr mit meinen beiden Freunden Werner Pankotsch und Helmut Gollwitzer Richtung Polen zur Reise nach Zielonej Gora (deutsch: Grünberg) auf, wo ein neues Staatsarchiv gebaut wurde. Beim Stöbern in den Akten fanden wir ein bisher unbekanntes, geistliches Lied - das Magnificat von Printz", freut sich Schmidbauer.

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