Jo Strauss im Schafferhof
Kratzige, schräge Philosophien

Bild (fvo) Jo Strauss mit Band am Schafferhof
Freizeit
Waldthurn
09.04.2018
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Neuhaus. Die Stimme von Jo Strauss aus Wien könnte man mit verbundenen Augen erkennen. Der Wiener Musiker und seine Truppe gastierten am Samstag im Schafferhof. Der mit renommierten Kunstpreisen ausgestattete Mann erzählte, fest verankert auf seinem Barhocker sitzend, manchmal etwas um die Ecke denkend von Momenten und Situationen seines Lebens. Die Klänge seiner Band drängten seine markante Stimme manchmal bewusst in den Hintergrund.

Als früherer Wahlberliner stellte er seine Zeit als Philosophiestudent der Allgemeinheit vor. Die Zuhörer hatten mit dieser Sichtweise von Unterhaltung durchaus ihre Freude. Er sei viel zwischen Wien sowie Berlin gependelt und habe sogenannte Mitfahrzentralen in Anspruch genommen. Siebeneinhalb Stunden in einem Auto sitzen und nichts sagen, sei aus soziologischer Sicht interessant. Strauss erklärte, warum ihn die Polizei in Bademantel und Birkenstock auf sechs Meter Dachrinnenhöhe ertappt hatte und sagte sehr eindrucksvoll, warum der Österreicher eine "bipolare Störung" entwickelt hat.

Zwischen den Ausführungen brachte der Kabarettist seine intelligenten Lieder wie das "I werd di verlieren" zu Gehör, die von den jungen Musikern, dem lächelnden Stefan Sonntagbauer (Bass), Lukas Höfler (Gitarre), David Sonntagbauer ("Plastikklavier") und dem Schlagzeuger Tobias Wagner gekonnt begleitet wurden. "Heute kommt der Straussinator", verglich er sich mit dem österreichischen Rennfahrer Hermann Maier, der er gerne sein würde. Mit dem "Rennfoara-Lied" unterstrich er diese Sehnsucht, während die Musiker ihn mit dem Sound eines Rennautos begleiteten.

Beim Stück "Blauboad" bespielte Wagner sein Schlagzeug mit zwei 30 Zentimeter langen Messern und Strauss sang davon, dass er sich vor den toten Weibern unterm Schlafzimmerboden fürchte. Der Künstler nahm die Zuhörer mit in die dunklen Ecken seines Daseins, schubste sie aber sofort wieder in bunte Farbe und in das Licht der Bühne.

Überraschende Momente und Situationen besang er und dirigierte die Besucher "wendehalsmäßig" wieder in eine überraschende, gegensätzliche Richtung. Der Kabarettist kümmerte sich um die blinden Flecken seiner Zuhörer und dachte für sie so manchen Gedanken etwas verschnörkelt mit seiner rauen Stimme zu Ende. Sein Geistesgut zog die Zuhörer in ihren Bann und sie quittierten dies mit herzhaftem Lachen. "Was hilft der schärfste Verstand, wenn du nicht in der Lage bist, mit der Kleidung diesem Ausdruck zu verleihen?", zitierte Strauss seinen Großvater. So war es klar, dass der Künstler mit brauner Jacke, gepunkteten Designerhemd samt passenden Tuch, entsprechender Hose, Socken und modischen Schuhen auf seinem Hocker philosophierte.

Pop-, Folk- oder auch Jazzklänge waren zu hören. Nach der ausgiebigen Präsentation seiner CDs stellte er klar fest, dass er auch jederzeit für Hochzeiten und Scheidungen gebucht werden könne. Mit dem "Schönen Abend" und einer kurzen Erklärung über "vorgebuchte Zugabe-Regularien" entließ Strauss seine beeindruckten Zuhörer.
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