23.02.2018 - 15:22 Uhr
Waldthurn

Künstler stellt in Waldthurn "Misereor Hungertuch 2017/18" vor "Ich bin, weil du bist"

Nach New York, Paris und Lagos stellt Chidi Kwubiri sein jüngstes Werk in Waldthurn vor. Der Künstler hat das Misereor-Hungertuch 2017/18 gestaltet. Es führt ihn eine besondere Mission in die Oberpfalz.

Der Waidhauser Pfarrer Georg Hartl mit Chidi Kwubiri vor dessen Kunstwerk. Bild: fvo
von Franz VölklProfil

"Schlagen ist in Nigeria an der Tagesordnung", kritisierte Chidi Kwubiri, der künstlerische Schöpfer des "Misereor Hungertuches 2017/2018". Im Rahmen der Misereor-Fastenaktion "Heute schon die Welt verändert?" war der afrikanische Künstler in das Waldthurner Pfarrheim gekommen.

Mit angereist war die Leiterin der Fachstelle Weltkirche (Diözese Regensburg), Ruth Aigner, und der Vorsitzende der Katholischen Erwachsenenbildung Neustadt-Weiden, Peter Schönberger. Zum einen stellte der in Pulheim bei Köln lebende Kwubiri seine Intentionen hinsichtlich des Hungertuchs unter dem Slogan "Ich bin, weil du bist" vor. Andererseits stand ein von ihm initiiertes Projekt hinsichtlich der Beendigung der gewaltvollen Erziehung in seinem Heimatland Nigeria im Mittelpunkt des Abends.

Mut zum Dialog sei laut Kwubiri das Ziel des Hungertuchbilds. Er sei sehr stolz, dass Misereor ihn ausgesucht habe, dieses Kunstwerk zu schaffen. Er sehe es als Ehre, da Misereor eine Bewegung sei, die versuche, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. So wolle auch er den Planeten auf seine Art, mit der Kunst, verbessern und Brücken bauen. Ab heute könne er sagen, er habe in New York, Paris, Lagos und in Waldthurn sein Kunstwerk bei einer Ausstellung gezeigt, meinte der sympathische Nigerianer mit einem Augenzwinkern. Insgesamt habe er sechs Wochen an den beiden Bildern, die später zu einem zusammengefügt wurden, gearbeitet.

Die afrikanische Philosophie des Zusammenhaltens, die "Ubuntu" genannt wird, habe ihn genauso inspiriert, wie die zwei längsten Flüsse in Nigeria, der Niger und Benue. Sie stoßen zusammen und fließen von diesem Punkt an friedlich geeint und gestärkt weiter, obwohl sie aus verschiedenen Quellen stammen.

Man wende sich wie im Hungertuchbild dem Anderen zu und sagt dem Gegenüber: "Ich bin, weil du bist." Oder auch: "Ich bin, weil wir sind, und da wir sind, bin ich." Und das nicht kategorisiert als Mann und Frau, Weißer und Schwarzer, Gesunder und Kranker, Junger und Alter, Armer und Reicher, sondern zuerst als Mensch. "Egal welcher Herkunft - in uns fließt immer rotes Blut."

Chidi Kwubiri ist gläubiger Christ und hat die Bilder auf Leinwand in der Dripping-Technik gestaltet. Bei seinem Besuch trug er eine mit Farbresten bekleckerte Arbeitshose samt Schuhen. Der Künstler musste auch schon als Kind leidvolle Erfahrungen mit Gewalt machen. Mit dieser eigenen Erfahrung wolle er das Leid geprügelter Kinder beim Projekt "Whip no child" (Schlage kein Kind) in die öffentliche Diskussion in seiner nigerianischen Heimat bringen.

Als er mit den Fingern malte, sahen dies seine Eltern als Zeitverschwendung, er sollte Anwalt oder Arzt werden. Er bekam regelmäßig Schläge. "Ein Kind erziehen heißt in Nigeria ein Kind schlagen." Dies werde in dieser Gesellschaft nicht hinterfragt. Körperliche Züchtigung sei dort kein krimineller Akt. Kwubiri wurde auch von seinem Bruder und von Lehrern geschlagen.

Männer schlagen Frauen, Frauen schlagen Männer, es sei alles sehr willkürlich. Folglich werden Kinder später als Erwachsene ihre Konflikte auch mit Gewalt austragen. Er wolle sein Land nicht verurteilen, es solle aber lernen, dass es andere Möglichkeiten gibt, die eine friedliche Gesellschaft entstehen lassen. Er setze sich bei diesem Projekt über den Weg der Kunst dafür ein, dass diese Zustände aufhören. "Ich habe zwei Söhne, sie werden gewaltfrei erzogen."

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