15.10.2017 - 20:00 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Wolfgang-Caspar-Printz kehrt in die Heimat zurück Gedenken an Komponisten und Musikschriftsteller

"Viele verachten die edele Musik" - dieses alte Lied sang der Waldthurner Chor "Tonart" bei der Gedenkfeier am Gemeindezentrum zum 300. Todestag von Wolfgang-Caspar Printz. Der Chor unter Leitung von Stephan Striegl präsentiert für die Enthüllung der Printz-Gedenktafel Liedgut aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Bürgermeister Josef Beimler, Rektorin der Grundschule, Tanja Willax-Nickl, Landrat Andreas Meier, stellvertretender Bezirkstagspräsident Lothar Höher und Heimatforscher Georg Schmidbauer (von links) enthüllen den Gedenkstein zu Ehren des Waldthurner Komponisten Wolfgang-Caspar Printz. Bild: fvo
von Franz VölklProfil

Organisator und Laudator des historischen Freitagabends war der Oberbernriether Heimatforscher Georg Schmidbauer. "Im Jubeljahr 800 Jahre Waldthurn gilt es, dem bedeutendsten Mann in der Geschichte Waldthurns zu gedenken", erklärte Bürgermeister Josef Beimler einleitend. Wolfgang-Caspar Printz verstarb auf den Tag genau vor 300 Jahren im polnischen Sorau. Printz betrachtete die Oberpfalz immer als seine Heimat, und er hat seinen Geburtsort Waldthurn nie vergessen.

Heimat nie vergessen

Schmidbauer befasst sich seit Jahren mit dem Wirken des Künstlers. Bereits am Freitagvormittag war er an der Grundschule zu Gast und stellte zusammen mit den Schülern den Namensgeber der Bildungseinrichtung in den Focus. "Die Grundschule trägt seit dem 1. August 1992 nicht irgendeinen Namen. Nein, sie trägt den Namen eines Komponisten und Musikers, der selbst Schüler dieser Schule war und seinen Heimatort nie vergessen hat", resümierte Rektorin Tanja Willax-Nickl.

Ein großer Oberpfälzer

Stellvertretender Bezirksheimatpfleger Hans Wax merkte in der Gedenkfeier am Freitagabend an, dass das zur Schau getragene Oberpfalzbewusstsein von Printz für die damalige Zeit nicht selbstverständlich gewesen sei. Laut Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher war Printz einer der großen Oberpfälzer. "Was Waldthurn mit diesem Menschen macht, ist vorbildlich. Printz verdient es in unsere Herzen zurückzukehren."

Josef Pflaum senior ließ abschließend eine Aufnahme des Magnificats von Printz, gesungen vom berühmten Lennesriether Countertenor Franz Vitzthum, mit Schmidbauer an der Orgel erklingen.

Hochangesehener Komponist

Georg Schmidbauer blickte in seiner beeindruckenden Festrede auf das oft auch vom Pech verfolgte Leben und Schaffen des berühmten Waldthurners. Angefangen von seiner Geburt 1641 im herrschaftlichen Sommerhaus an der Waldthurner Grubmühle bis hin zu seinem Tod. Schon in seiner Kindheit habe Printz einschneidende Erlebnisse gehabt. Die Eltern wurden vor die Wahl gestellt, entweder katholisch zu werden oder innerhalb von vier Wochen das Waldthurner Herrschaftsgebiet zu verlassen. Die Eltern entschieden sich für das letztere und so siedelte man mit dem damals achtjährigen Wolfgang-Caspar zunächst nach Obertresenfeld und später nach Vohenstrauß.

Zunächst ging Printz dort zur Schule und wechselte als 13-Jähriger nach Weiden, wo er Orgelunterricht und das Spielen auf Blasinstrumenten lernte. Nach Jahren des Wanderlebens als Tenorist, Prediger, Kammerdiener, Hofkomponist und Schreiber erhielt Printz 1665 die Kantorenstelle an der Marienkirche in Sorau (Niederschlesien), wo er 52 Jahre wirkte. "Printz fand seine letzte Ruhestätte auf dem mittlerweile aufgelassenen Johannesfriedhof." Er sei zu seiner Zeit einer der bedeutendsten und hoch angesehensten Komponisten gewesen, der in den ersten 12 Jahren seiner Sorauer Zeit mehr als 150 Konzerte und 48 siebenstimmige italienische Kanzonetten schuf, die beim großen Stadtbrand ein Raub der Flammen wurden.

Der Komponist nehme auch eine herausragende Stellung als Musikschriftsteller und -kritiker ein und habe als Hauptwerk seine "Historische Beschreibung der edelen Sing- und Klingkunst" veröffentlicht. Schmidbauer meinte, dass in erstaunlicher Weise gerade in unserer Zeit die Bedeutung des Waldthurner Printz neu erkannt und bewertet wird. "Langsam kehrt der vergessene Printz wieder in das Bewusstsein der Heimatbevölkerung zurück." So verdiene dieser Mann zum 300. Todestag eine Gedenktafel, und es solle auch eine Straße nach Printz im neuen Baugebiet benannt werden. (fvo)

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.