29.12.2016 - 16:52 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Countertenor Franz Vitzthum singt zum Start des Waldthurner Festjahres An Printz kommt keiner vorbei

Mit einem Paukenschlag wird das Waldthurner Festjahr 2017 eingeleitet: Am Freitag, 6. Januar, um 19 Uhr beginnt ein geistliches Konzert in der Pfarrkirche. Dabei stehen vor allem zwei Personen im Mittelpunkt.

Der gebürtige Lennesriether Franz Vitzthum steht an Dreikönig in der Waldthurner Pfarrkirche auf der Bühne. Bild: hfz
von Franz VölklProfil

(fvo) 2017 steht im Zeichen der 800-Jahr-Feier der Marktgemeinde, aber auch des 300. Todestags (13. Oktober 1717 in Sorau) des Komponisten und Musikschriftstellers Wolfgang Caspar Printz, dessen Namen die Grundschule trägt. Printz ist Waldthurns berühmtester Sohn, wurde hier am 10. Oktober 1641 geboren und wirkte Jahrzehnte als Kantor und gräflicher Kapellmeister im schlesischen Sorau (heute Zary).

Für den Konzertabend haben die Verantwortlichen den gebürtigen Lennesriether Franz Vitzthum gewonnen. Er wird auch mit dem "Magnificat anima mea" eine Uraufführung des Komponisten Printz zu Gehör bringen. "Ich entdeckte das geistliche Lied im polnischen Staatsarchiv Archiwum Panstwowe in Zielonej Gora (Grünberg) wieder", sagt der Oberbernriether Heimatpfleger Georg Schmidbauer. Dieser führte mit dem Countertenor Vitzthum nun ein Interview.

Beim großen Konzert am Dreikönigstag, das als Eröffnung des Jubiläumsjahrs "800 Jahre Waldthurn" stattfindet, werden Sie auch ein bis heute noch nie aufgeführtes Werk von Wolfgang Caspar Printz singen. Wie kam es dazu?

Vitzthum: Dieses "Magnificat" ist ein tolles Stück, und es steckt eine Art Detektivgeschichte hinter dieser Aufführung, bei der man das Stück zum ersten Mal nach 300 Jahren wieder hören wird. Von der großartigen Printz'schen Musik ist ja leider gar nicht so viel erhalten, und als wir überlegten, was ich zum Konzert beitragen könnte, habe ich nochmal genauer geschaut und einen ganzen Band von Arien entdeckt, den selbst die Musikwissenschaft in Regensburg so nicht kannte.

Aber da nach langen Vergleichen mit Musik anderer Komponisten noch nicht gesichert ist, ob wirklich alle Musik von Printz stammt, habe ich davon wieder Abstand genommen. Vielleicht kommen diese Stücke zu einem späteren Zeitpunkt mal ins Programm. Das "Magnificat" aber ist hundertprozentig von ihm. Allerdings ist nur die Singstimme erhalten. Den Orgelpart mussten wir rekonstruieren, wie bei einem alten Gemälde also fehlende Teile neu einarbeiten. Das ist großartig geworden. Wunderbar, dass dieses Stück in einem Konzert mit unterschiedlichsten Werken und vielen Waldthurner Musikern erklingen wird.

In welchen Zusammenhängen sind Sie vorher schon auf den Komponisten und Musikschriftsteller Printz gestoßen?

Vitzthum: Als Countertenor beschäftigt man sich ja sehr viel mit Barockmusik und mit barockem Gesang im Speziellen. Dann stößt man früher oder später auf den Waldthurner Printz. An ihm kommt man nicht vorbei. Er hat zum Beispiel eine Art "Geschichte der Musik" von der "Sünd-Fluth" bis in seine Tage verfasst. Dieses Buch war zu seiner Zeit hochgeschätzt und bedeutende Musiker kannten das, unter anderem auch der heute noch bekannte Georg P. Telemann.

Printz war ein unglaublich fleißiger Komponist und Schriftsteller. Seine Kompositionen sind leider großenteils verbrannt, aber seine insgesamt 39 Bücher sind fast alle erhalten. Wie ist aus Ihrer Sicht heute sein Schaffen zu sehen?

Vitzthum: Er ist vor allem als Theoretiker sehr wichtig. Da kann man sich heute freilich fragen: "Theoretische Schriften - Wer braucht denn so was?" Aber sie sind ein enorm wichtiger Baustein, weil sie einen spannenden Einblick in die Musizierpraxis der damaligen Zeit geben. Überliefert sind nur die Noten und keine genaueren Anweisungen wie beispielsweise piano oder forte, oder für welche Instrumente komponiert wurde. Printz hat sich im Bereich der Taktarten, einem eher mathematischen Teilbereich der Musik, einen Namen gemacht.

Printz wollte ursprünglich gar kein Musiker werden, sondern evangelischer Prediger. Erst nach seinem Scheitern in Vohenstrauß wandte er sich der Musik zu. Wie sah Ihr Weg zur Musik aus?

Vitzthum: Mein Weg kam natürlich über ein musikbegeistertes Elternhaus und durch die Zeit bei den Regensburger Domspatzen. Viel interessanter finde ich, was mich mit Printz verbindet. Er kommt aus Waldthurn, auch er war Sänger und auch er lebte in Heidelberg, wo ich seit 2006 lebe. Er war vor seiner Zeit als Komponist als "Tenorist" am kurpfälzischen Hof in Heidelberg angestellt.

Printz hat auf allen Buchtiteln seinen Heimatort Waldthurn erwähnt. Wie sieht es mit Ihrem Bezug zur alten Heimat aus?

Vitzthum: In meiner Künstlervita steht auch als erster Satz, dass ich in der Oberpfalz geboren bin. Damit will ich nicht zeigen, dass ich ein hitziger Patriot bin, ganz im Gegenteil, aber ich sehe auch, dass sich viele Oberpfälzer kleiner machen als sie sind.

Bereits 1992 wurde die Volksschule Waldthurn in Wolfgang-Caspar-Printz-Grundschule umbenannt. War das ein Anfang, Printz dem Vergessen zu entreißen?

Vitzthum: Mich macht es sehr froh, dass Printz damit zur Identifikationsfigur für die Waldthurner geworden ist. Ein Musiker und Denker, der Großes geleistet hat, ist das Beste, was man sich als Vorbild wünschen kann. Dass so eine Person auch ein wirtschaftlicher Faktor für einen Ort werden kann, zeigt beispielsweise Bad Köstritz (Geburtsort von Heinrich Schütz), wo große Scharen von Musikbegeisterten hinpilgern.

will Printz im Oktober bei einem Festakt anlässlich des 300. Todestags eine Gedenktafel widmen, und das ist aus meiner Sicht nur ein Anfang. Eigentlich sollte es in Waldthurn und Umgebung regelmäßig Konzerte mit Musik von Printz und Komponisten aus seiner Zeit geben. Das würde dem Ort zusätzliches Profil geben und auch touristisch noch attraktiver machen.

Ich sehe auch, dass sich viele Oberpfälzer kleiner machen, als sie sind.Countertenor Franz Vitzthum

Lebenslauf von Franz Vitzthum

Der Countertenor Franz Vitzthum ist ein vielgefragter Kammermusikpartner. Er erhielt seine erste musikalische Ausbildung bei den Regensburger Domspatzen. Sein Gesangsstudium absolvierte der Lennesriether 2007 an der Musikhochschule Köln. Schon während seiner Ausbildung erhielt er zahlreiche Preise und Stipendien.

Mittlerweile folgten Einladungen zu Solo-Abenden beim Rheingau-Musik-Festival, den Händel-Festspielen in Halle, Karlsruhe und Göttingen, zu La Folle Journée in Nantes und dem Bach Festival of Philadelphia. Vitzthum arbeitete unter anderem mit den Dirigenten Nicholas McGegan, Hermann Max, Marcus Creed und Philippe Herreweghe zusammen.

Des Weiteren hat er bei diversen Opern- und Oratorienproduktionen mitgewirkt. So konzertiert der Oberpfälzer regelmäßig mit dem Lautenisten Julian Behr, der Zitherspielerin Gertrud Wittkowsky, dem Capricornus Consort Basel und singt mit dem von ihm gegründeten Vokalensemble "Stimmwerck".

___

Weitere Informationen und Hörproben:

www.franzvitzthum.de

Musikalische Reise

Im Konzert am Freitag, 6. Januar, um 19 Uhr in der Pfarrkirche werden neben dem einheimischen Chor "Ton-Art" auch die Sopranistin Sarah Kellner sowie Christoph Pausch (Violine), Felix Griesbach (Trompete) und Johannes Pflaum (Klarinette) bei einer "musikalischen Reise durch acht Jahrhunderte" zu hören sein. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Der Erlös geht an die NT-Hilfsorganisation "Lichtblicke". (fvo)

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.