13.08.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mutter von Inge N. glaubt nicht an Suizid "Gekämpft bis zum Schluss"

Die Vorwürfe der 87-Jährigen an ihren ehemaligen Schwiegersohn waren heftig: "Für mich ist das eine Quälerei , was er gemacht hat." Die Seniorin trat am Mittwoch überraschend als Zeugin im Prozess gegen Kurt N. in Weiden auf. Der 64-Jährige soll seine todkranke Frau Inge mit drei Schüssen getötet haben.

von Frank Werner Kontakt Profil

"Die ist nicht gut auf Sie zu sprechen", warnte Vorsitzender Richter Walter Leupold den Angeklagten. Trotzdem wollte Kurt N. die Mutter seiner 62-jährigen Ex-Frau im Zeugenstand sehen. Dies war bis dahin als nicht notwendig erachtet worden.

Der Schuss ging tatsächlich nach hinten los. Die Seniorin berichtete von einem völlig zerrütteten Verhältnis zu dem Angeklagten. 15 Jahre habe sie keinen Kontakt zu ihm gehabt,. "Inge hat gekämpft bis zum Schluss", sagte die Weidenerin: "Sie hat nie von Selbstmord gesprochen." Außerdem habe sie "unheimliche Angst" vor den Waffen ihres Ex-Mannes gehabt. Ihre Tochter habe aber gleichwohl von einer möglichen Sterbehilfe in der Schweiz gesprochen. Kurt N. habe das Opfer außerdem drei Wochen ohne ärztliche Aufsicht daheim gelassen, klagte die 87-Jährige. Der Angeklagte sagte schließlich zu seiner ehemaligen Schwiegermutter: "Ich wollte nur sagen, dass mir das alles unheimlich leid tut."

Dr. Johannes Schwerdtner kam in seinem psychiatrischen Gutachten zu keinem eindeutigen Schluss über den Angeklagten. Der Chefarzt der Forensischen Bezirksklinik Mainkofen geht davon aus, dass Depressionen keine große Rolle bei dem 64-Jährigen gespielt haben. Dafür sprächen die umfangreichen Vorkehrungen, die Kurt N. für die Zeit nach dem Tod seiner geschiedenen Frau getroffen habe. Schwerdtner konnte aber auch verminderte Schuldfähigkeit nicht ausschließen, sollte der ehemalige Unternehmer aus Bodenwöhr (Kreis Schwandorf) tatsächlich vorgehabt habe, sich selbst zu töten.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Es sollen die Plädoyers gehalten werden, es wird auch noch am Nachmittag mit dem Urteil gerechnet.

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