05.07.2017 - 21:26 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Diskussion um Fotografierverbot in Freibädern Bikini-Fotos schnell im Netz

Als früher der Vater seine im Wasser planschenden Kinder auf Farbfilm bannte, machte sich kaum jemand Gedanken, ob er vielleicht im Hintergrund auf dem Bild zu sehen sein könnte. Wo sonst könnte das Foto landen als im heimischen Familienalbum? Diese Zeiten sind jedoch vorbei.

Im Bikini auf Facebook? Für viele kein prickelnder Gedanke. Deutschlandweit wird über ein Fotografier- und Smartphoneverbot in Freibädern diskutiert - auch im Schätzlerbad und im Freibad Windischeschenbach. Bild: gsb
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Inzwischen landen Bilder ganz schnell in den sozialen Netzwerken. Beim Stadtbummel oder einem Festbesuch versehentlich fotografiert zu werden, ist nicht weiter tragisch. Im Schwimmbad dagegen kann's unangenehm werden. Wer möchte schon, dass ein Bikini-Foto von sich auf Instagram oder Facebook die Runde macht? Auch Fotografen, die ganz bewusst hübsche Mädchen oder Kinder ins Visier nehmen, haben mit einem Fotohandy leichtes Spiel.

Doch wie lässt sich dieses Problem lösen? "Eine schwierige Sache", gibt Reinhard Meier, Vorsitzender des Weidener Schwimmvereins, zu. "Natürlich wird unser Personal aktiv, wenn sich ein Badegast beschwert", sagt er. Aber man könne niemandem das Handy abnehmen. Außerdem sei die Aufsicht in erster Linie dazu da, die Becken zu überwachen. "Es müsste eine einheitliche rechtliche Handhabe geben", fordert er. Von Aufklebern, die die Kameralinse verdecken sollen, hält er nichts. "Viel zu aufwendig", winkt Meier ab. Seiner Meinung nach bringe das nichts. "Wenn einer fotografieren will, zieht er es ab und klebt es wieder drauf."

Thema bei Fachleuten

Horst Lindner, Leiter des Freibads in Windischeschenbach, sieht das ähnlich. "Ich kann verstehen, dass es vielen Leuten unangenehm wäre, wenn ein Foto von ihnen in Badekleidung in einem öffentlichen Medium auftauchen würde."

Auch in Kollegenkreisen und in der Fachpresse sei das Fotografierverbot ein Thema. Die Deutsche Gesellschaft für Badewesen habe sich dazu schon geäußert, rät aber von einem generellen Verbot ab. Stattdessen empfiehlt sie, die Haus- und Badeordnung zu ändern und den Passus aufzunehmen: "Das Fotografieren und Filmen fremder Personen und Gruppen ohne deren Einwilligung ist nicht gestattet." So hätten Mitarbeiter die Möglichkeit, Beschwerden von Badegästen nachzugehen und Verstöße gegen diese Regel zu ahnden - mit Verweisen oder gar Hausverboten. Um diese Änderung in einem kommunalen Bad einzuführen, müsste der Gemeinde- oder Stadtrat entscheiden. Private Bäder könnten das für sich beschließen. Lindner ist aber der Meinung, dass sich eine solche Verordnung kaum kontrollieren lässt. "Unsere primäre Aufgabe ist die Beckenaufsicht. Die Sicherheit der Badegäste ist letztendlich wichtiger als ein Handyfoto." Er appelliert deshalb an alle, ein wenig achtsamer zu sein und Respekt zu zeigen.

Zwei Milliarden Nutzer

Für den Weidener Fachanwalt Sven Kröber ist die Angelegenheit juristisch eindeutig. "Der Betreiber eines Bades kann über die Hausordnung steuern, ob er das Fotografieren erlaubt. Der Badegast akzeptiert diese Regeln, indem er Eintritt bezahlt." Abgesehen davon hat jeder Recht am eigenen Bild. "Dabei macht es schon einen Unterschied, ob man auf dem Foto nur Beiwerk ist und in der Masse untergeht, oder ob man zentral zu sehen ist." Das Fotografieren sei oft nicht das Problem, sondern die Veröffentlichung. "Facebook hat mittlerweile zwei Milliarden Nutzer", gibt Kröber zu bedenken. Außerdem gebe es noch das allgemeine Persönlichkeitsrecht. "Nicht jeder möchte in Badehose fotografiert werden."

Wer ein Bild von sich im Netz entdeckt, muss das nicht unbedingt hinnehmen. Ein Betroffener könne auf Unterlassung klagen. Allerdings müsse ein Rechtsanwalt den Verursacher im Vorfeld abmahnen.

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