25.01.2018 - 19:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gisela II. und Heinz IV. regieren in der Session 1977 Broadway-Musical weiß-blau

In ihre Regentschaft fällt sogar eine Europa-Premiere: Der Skihang in Mitterhöll erhielt 1977 ein weiß-blaues Rautenkleid. So etwas hatte es noch nie gegeben. Bei diesem Spektakel flimmerte auch das Weidener Prinzenpaar Gisela II. und Heinz IV. über den Bildschirm.

Feuer frei für Schneekanonen: Das Weidener Prinzenpaar Gisela II. und Heinz IV. war mit von der Partie, als Hans Fröhler das Bayerische Fernsehen nach Mitterhöll geholt hatte, um bunten Schnee zu filmen. Er ließ den Hang in Mitterhöll weiß-blau einfärben. Eine Europa-Premiere. Repro: Schönberger (2)
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Weiden/Vohenstrauß. Und das kam so: SpVgg-Skiabteilungsleiter Hans Fröhler, Mitentwickler der Schneekanonen, hatte sich den Gag mit dem weiß-blauen Skihang ausgedacht, um den Bayerischen Rundfunk nach Weiden zu locken. Der übertrug das einmalige Ereignis in der Abendschau.

Prinzessin Gisela II. - mit bürgerlichem Namen Gisela Arnz - erinnert sich heute vor allem noch an die Kälte, die damals die Gardemädchen in Mitterhöll zittern ließ. "Wir haben sie anschließend zum Frühstück in den Hölltaler Hof eingeladen. Da konnten sie sich aufwärmen." Wir, das sind Gisela Arnz und ihr Ehemann Heinz, leitender Angestellter bei Hueck und Cie. Als Prinzenpaar der Narrhalla Weiden schwangen sie in der Session 1976/77 das Zepter.

Kein Wunder, brachten sie doch beste Voraussetzungen dafür mit. Schließlich stammen beide aus dem Rheinland. Vor allem die in der Faschingshochburg Andernach aufgewachsene Gisela stand von Kindesbeinen an in engem Kontakt mit dem Fasching. "Mein Vater war bei den Stadtsoldaten, meine Schwester war Prinzessin. Ich habe den Karneval immer geliebt." 1969 kam sie nach Weiden, wenige Jahre später trat sie der Narrhalla bei.

Klar, dass sie sofort bereit war, Prinzessin zu werden, als die Anfrage an sie herangetragen wurde. "Mein Mann hat da nicht ganz so gezogen", gesteht sie zögerlich ein, um mit ihrer offenen rheinländischen Art dann als Erklärung anzufügen: "Er stammt aus Wuppertal, nicht gerade eine Hochburg des Karnevals." Ihr geliebter Mann ist 2010 verstorben. "Er war ein schmucker Prinz", betont sie mit glänzenden Augen. Und auch ihr Sohn Eyvind, der seine Eltern als Sechsjähriger tagsüber im Fasching als Page begleitete, lebt nicht mehr. Der Marinesoldat kam 2003 ums Leben - bei einem Autounfall auf dem Weg zum Einsatz in Afghanistan. Die Erinnerung legt sich immer wieder wie ein Schatten über das Gesicht von Gisela Arnz.

Prinz im Elvis-Anzug

Doch auf Bitten des "Neuen Tag" erinnert sie sich an ihre Regentschaft als Faschingsprinzessin und fördert dabei natürlich viel Unterhaltsames zutage. Broadway-Musical lautete das Motto in der Session 1977. "Das haben wir uns gewünscht, weil ich ein Elvis-Fan war." Prinzgemahl Heinz IV. trat dementsprechend im Elvis-Anzug auf. Der Fasching stand damals in Weiden in voller Blüte. Neben dem Inthronisationsball der Stadt und dem ADAC-Ball, gab es noch Metzgerball, Marineball, Reiterball und, und, und. 63 Auftritte hatten die Hoheiten zu bewältigen.

Gisela Arnz: "Durch Otto Vorsatz sind wir auch auf einen Neustädter Ball eingeladen worden. Seine Tochter Susi war unsere Kinderprinzessin." Besonders stimmungsvoll ging es bei den gemeinsamen Veranstaltungen mit der Narrhalla Vohenstrauß zu, zu denen die Weidener Narren engen Kontakt pflegten. Zur gemeinsamen Prunksitzung kamen die Vohenstraußer ins Weidener Hauptquartier Josefshaus. Zum Kehraus fuhren die Weidener nach Vohenstrauß. "Präsident Hans Wurdack war für seine tollen Reden bekannt."

er Präsident war damals Kurt Metzner, der das Amt viele Jahre innehatte. Gisele Arnz und ihr Mann waren außerdem als Schriftführerin beziehungsweise Ordensminister in der Faschingsgesellschaft engagiert. Als Prinzenpaar proklamiert wurden sie übrigens von Oberbürgermeister Hans Schröpf, der erst sechs Monate zuvor an die Spitze der Stadt gewählt worden war. Prinz Heinz IV. hatte eigens Gesetzesregeln für die närrische Zeit ausgearbeitet. Ihre Hoheiten überraschten enge Freunde und Veranstalter, von denen sie eingeladen wurden, außerdem mit kobaltblauen Tellern von Rosenthal, auf denen der Gesellschaftsorden abgedruckt war. Das hatte es zuvor noch nie gegeben.

Goldtaler für Stadtkasse

Und auch für den Faschingsabschluss hatte sich Prinz Heinz IV. etwas besonderes einfallen lassen. Er gab die Geldkassette der Stadt mit glänzendem Inhalt zurück: Bis an den Rand gefüllt mit Goldtalern - oder besser gesagt, Schoko-Kaubonbons in Goldfolie. "Hans Schröpf hat sich später beschwert, dass das ganze Haus danach gerochen hat."

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