12.02.2018 - 19:04 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Glasmacherbrauch geht auf Detag zurück Schimmel für guten Zweck versteigert

Weiden/Neustadt/WN . (pblf) Es gibt sie noch, die Traditionen, die Jahrzehnte überdauern und gegen alle Widerstände fortgeführt werden. Seit über 50 Jahren reitet alljährlich die "Detag Schimmel AG" aus, um ihr weißes Ross in Weiden und im Umland feilzubieten.

Sowohl in Weiden als auch in Neustadt können sich die Verhandler auf einen Preis einigen. Bild: Schönberger (2)
von Externer BeitragProfil

Am Rosenmontag war Präsident Jürgen Laubert mit seinem Team wieder unterwegs und machte seinem Ruf als beinharter Verhandlungsführer und gewiefter Rosstäuscher alle Ehre. Das "Pferd" wurde wie immer von zwei Vertretern der Schimmel AG gestützt und an einem beigen Band geführt. Den riesigen Körper bedeckte eine fransige weiße Decke, und um den Hals trug der Detag-Schimmel ein Halsband aus Tannenzweigen.

Im kleinen Sitzungssaal des Neuen Rathauses in Weiden musste sich Oberbürgermeister Kurt Seggewiß den Verhandlungen stellen. Unterstützt wurde er durch Bürgermeister Lothar Höher, Ludwig Zitzmann, den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Oberpfalz Nord, sowie Johann Riedl von den Stadtwerken und Günther Kamm von der Stadtbau GmbH. Gleich zu Beginn machte sich Seggewiß beim tierischen Versteigerungsobjekt unbeliebt, als er ihn "abgehalftert" nannte, der "Gaul" wurde unruhig und drohte auszuschlagen.

Der Rosshandel begann mit Lauberts Einstiegsangebot. 2000 Euro wollte er haben. Immerhin sei der Schimmel "mit E-Antrieb ausgestattet". Die Vertreter der Stadt zögerten, wollten zunächst nicht einmal einen vierstelligen Betrag zahlen. "Viel zu hoch", sei die Forderung entrüsteten sie sich. Doch man einigte sich schließlich auf 1500 Euro. Seggewiß schlug ein und bekam sogar einen "tierischen Orden" umgehängt - für sein jahrelanges Verhandlungsgeschick um die Mähre.

Lauberts Trupp zog weiter in die Sparkasse nach Neustadt Der Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Sparkassen Eschenbach, Josef Pflaum, Neustadts Bürgermeister Rupert Troppmann und der stellvertretende Landrat Albert Nickl handelten einen Preis von 1000 Euro aus. Zuvor wurde der Gaul aber einigen Tests unterzogen, sein Alter und die Rittigkeit überzeugten die Bieter nach einigem hin und her. Die Verhandlungen ließen sich durch den einen oder anderen Schnaps abkürzen.

Die Tradition des Rosshandels ist ein alter Glasmacherbrauch. Bis in die 60er Jahre wurde dort stets das "Aschepferd" - in diesem Fall eines aus Fleisch und Blut - versteigert. Mittlerweile geht der Erlös nicht mehr an die Glasmacher, sondern wird für einen karitativen Zweck gespendet. Dieses Jahr hofft Laubert insgesamt einen fünfstelligen Betrag auszuhandeln. An Fasching dürfe man sich "zum Affen machen" sagt er. Dafür könne man mit dem Betrag ein paar Kleinigkeiten ermöglichen.

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