Jochen Lehmann erinnert sich an Skibetrieb in Oberhöll
"Da ging's hoch her"

Das Szenario erinnert an ein verlassenes Örtchen im Wilden Westen, ist aber nur ein Überbleibsel des Lifts in Oberhöll. Dort ist es mit dem Skifahren vorbei - obwohl zurzeit beste Bedingungen gegeben wären. Bilder: gsb (2), jut
 
Die Schalteranlage an der Liftschneise steht noch, hat aber auch schon bessere Tage erlebt.

Der Skilift in Oberhöll ist Geschichte. Auf dem Hang haben Tausende Kinder aus Weiden und Umgebung das Skifahren gelernt. Jochen Lehmann, langjähriger Skilehrer beim Turnerbund, erinnert sich an die Zeiten, in denen die Piste voll war, und nennt Gründe, warum das jetzt vorbei ist.

Am Skihang in Oberhöll ist das Getümmel groß: Kinder und Jugendliche flitzen auf ihren Brettern über den Hang. Unten schauen die Eltern stolz, aber auch gespannt auf ihre Sprösslinge. Diese Zeiten sind schon lange her. Jochen Lehmann lacht heute: "Wir sind in einer halben Minute runtergefahren, dann haben wir eine Stunde gewartet. Aber es ging sowieso ums Ratschen." Denn vorm Lifthäuschen bildete sich früher oft eine lange Schlange - die Skifahrer wollten wieder hoch auf den Berg.

Nichts mehr los

Heute sieht's am Skihang in Oberhöll ganz anders aus. Der Winter ist da, der Hügel strahlt im weißen Gewand, aber nichts ist los. Keine Kinder, keine Jugendlichen und schon gar keine Skifahrer. Auch vorm verlassenen Lifthäuschen: Nichts. Vor dem Winter hat die Skiabteilung des Turnerbunds den Skibetrieb eingestellt. Aus und vorbei, nach rund 50 Jahren.

Jochen Lehmann, der als Skilehrer sowohl die Hoch-Zeit als auch den Niedergang des Skilifts miterlebte, nennt Schneemangel als Hauptgrund für die Demontage. "2009 hatten wir nur ein Wochenende mit Kursen, aber da waren jeden Tag 70 Kinder da. Die Nachfrage wäre also groß gewesen." Aber der Schnee nicht, genauso wenig wie Geld und Helfer. "Früher haben sogar Leute Kurse gegeben, die nicht Übungsleiter waren, weil so ein großer Andrang herrschte." Bis zu 17 Skilehrer waren im Einsatz, erzählt der Weidener. "Die kriegen wir jetzt nie wieder her. Es kommt nichts Junges nach." Ein Problem war auch die angeschaffte Pistenraupe. "Die war die meiste Zeit kaputt", lacht Lehmann. Deswegen war die Piste oft nicht präpariert. Und dann seien die Leute einfach weitergefahren zum Fahrenberg. Was die Pistenraupe vermasselte, machten die Skifahrer des Turnerbundes mit körperlicher Arbeit und viel Herzblut wett.

"Wenn's geschneit hat, sind wir raus auf den Berg und haben die Piste zu fünft selbst eingetreten. Das war anstrengender als das Skifahren selbst", erinnert sich Jochen Lehmann. Es half alles nichts, in den letzten Jahren ließ die Nachfrage nach Skikursen merklich ab. "Die Leute werden immer anspruchsvoller. Jetzt ist es dank der Autobahn auch einfacher, für einen Tag in ein Skigebiet zu fahren", sagt der ehemalige Übungsleiter. "Früher ist man halt zum Hang gefahren und hat sich mit den Leuten getroffen."

Nachtfahrten als Highlight

Darum ging's nämlich auch. "Es hat richtig Spaß gemacht. Wir Übungsleiter haben uns untereinander sehr gut verstanden", sagt der 72-Jährige. Eine tolle Zeit, findet Lehmann. Gerade Ende der 1980er und in den 1990ern - die "Boom-Zeit". "Das war einmalig: Unter der Woche bei Flutlicht Skifahren und dann im Hölltaler Hof einkehren. Da ging's hoch her." Sobald es der Schnee zuließ, wurden am Dienstag, Donnerstag und am Wochenende Skikurse angeboten. Vor allem die kleinen Pistenstürmer standen beim Turnerbund im Fokus. Jochen Lehmann kümmerte sich aber hauptsächlich um die Jugendlichen: "Die wollten einen haben, der ein bisserl schneller fährt", scherzt der Weidener. Es wurden aber auch Kurse für Erwachsene angeboten. In den besten Zeiten waren bis zu 15 Menschen dabei.

Vor allem in den 80er und 90er gab es einen richtigen Ansturm auf den Skilift. "Da sind die Leute den ganzen Zaun neben der Straße entlang gestanden", sagt Lehmann. "Aus der ganzen Region sind sie gekommen." Neben den Skikursen veranstaltete die Skiabteilung des Turnerbundes auch Rennen: Vereins- und Stadtmeisterschaften, auch die Oberpfalzmeisterschaft habe mal in Oberhöll stattgefunden, teilt der Rentner mit. Weniger leistungsorientiert waren die Faschingsrennen, bei dem die Skifahrer bunt verkleidet über die Piste bretterten. "Da war der Hang immer voll."

Jetzt ist der Hang leer, der Lift weg und das Häuschen soll abgerissen werden. Jochen Lehmann blickt bei sich daheim durchs Fenster auf den Schnee: "Das wär bestimmt super, im Tiefschnee zu fahren. Aber da muss man ja jetzt erst mal raufstapfen."

Wenn's geschneit hat, sind wir raus auf den Berg und haben die Piste zu fünft selbst eingetreten.Jochen Lehmann, langjähriger Skilehrer beim Turnerbund
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