09.06.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neues Buch erzählt die Geschichte des Königswegs von Nürnberg nach Prag Auf goldenen Straßen

Seit rund 1000 Jahren zieht sich ein System von Wegen durch die Oberpfalz nach Böhmen. Mit dem Friedensangebot des Fürsten Bretislav wurden aus Kriegspfaden Handelswege - "goldene Wege". Keiner wurde jedoch so bekannt wie die Straße Kaiser Karl IV., die er vor 650 Jahren als den Weg der künftigen böhmischen Könige und der Kaufleute exakt festlegte. So entstand die klassische "Goldene Straße".

von Stefan Voit Kontakt Profil

Der "Euregio Egrensis Kulturpreis" (2001), der Brückenbauerpreis (2008) und der "Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz" sprechen für sich: Der Weidener Rainer J. Christoph (70) hat sich seit Jahrzehnten für die Verständigung zwischen Bayern und Böhmen eingesetzt. Mit zahllosen Schulprojekten fördert er das Zusammenwachsen beider Länder. Jetzt hat er sich intensiver seinem Lieblingsprojekt "Goldene Straße" gewidmet und ein Buch über den Königsweg geschrieben.

Seit knapp 1400 Jahren existiert die "Goldene Straße". Ein historisches Wegenetz mit einer Hauptroute von Nürnberg nach Prag und vielen Abzweigungen. Worin liegt noch heute das Faszinierende an dieser Route?

Rainer J. Christoph: Es ist eine Route voller Überraschungen: Für den Naturfreund gibt es abwechslungsreiche Landschaften, mal lieblich, mal mit schroffen Felsen. Flussläufe und Mittelgebirgsketten vor allem in Böhmen, die noch wenig Touristen gesehen haben. Ein gutes Kartensystem und Ausschilderungen sorgen für den richtigen Weg. Der Kunstexperte stößt auf Bauelemente, die nirgendwo auf der Welt in dieser Form zu sehen sind, wie die Barockgotik in Kladruby oder den Burgtypus der Ruine Radyne. Versteckt liegt einer der herrlichsten Akanthusaltäre der Region in Hirschau. Der Genießer findet vom Nürnberger Rotbier über den Zoigl bis hin zu den süffigen tschechischen Bieren eine breite Auswahl und darf die böhmische Küche genießen.

Seit 1990 erforschen Sie diesen Handelsweg, der auf einem nicht unwesentlichen Teil durch die Oberpfalz führt. Was hat Sie daran gereizt, sich dieses umfangreichen Themas anzunehmen?

Zunächst konzentrierte sich meine Spurensuche entlang der Goldenen Straße auf Orte mit Schulen. Diese lud ich ein, mit Kunstprojekten die Straße bekannt zu machen. Nach positiven Erfahrungen bemerkte ich sehr schnell, dass diese Route, verbunden mit Karl IV., die riesige Chance in sich birgt, Schulkontakte aufzubauen, Partnerschaften zu schließen. Schnell stellte ich dabei fest, welche Schätze und welche Ähnlichkeiten sich über die einst gemeinsame böhmische Zeit auftun. Die Idee einer touristischen Straße wurde geboren und die zweisprachige Karte der Metropolregion Nürnberg 2016 mit Hilfe der Touristiker in Neustadt/WN und Tirschenreuth und des Fördervereins Goldene Straße umgesetzt.

Wie schwer beziehungsweise leicht war es, gleich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs an Quellenmaterial zu kommen?

Ein problematisches und mühsames Kapitel. 1990 war bis auf einige kleine Artikel in der "Oberpfälzer Heimat" keine örtliche Literatur zu finden. Meist endeten diese Aufsätze im Westen in Pilsen und im Osten in Tachau. So machte ich mich auf Spurensuche. Gut zehn Jahre dauerte dieses Vorhaben, ein paar tausend Kilometer habe ich zwischen Nürnberg und Prag locker zurückgelegt. Hilfestellungen kamen durch Einsicht in Ortschroniken, alte Karten, Infos von Heimatpflegern, Schulleitern auf bayerischer Seite. Dankbar bin ich meinen tschechischen Kollegen, die mich auf dem Weg von Tachau bis Prag begleiteten, um das Mosaik der Straße in Form zu bringen. Vielfach hat sich die Wegführung im Laufe der Jahrhunderte verändert. Neue Straßen, Flurbereinigungen erschwerten vor allem zwischen Nürnberg und Bärnau die Suche.

Jetzt haben Sie ein Buch über den Königsweg geschrieben. Wie kam es zu diesem Projekt?

Die Idee entstand im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee bei einem Meeting mit zwei Coburgern, die mit Hans Eibauer einen Beitrag zum 700. Jubiläum Karl VI. schreiben wollten. Als sie merkten, wie schwierig dieses Metier war, stieg der eine aus. Der Mitautor unseres Buches, Martin Droschke, bekniete mich, zusammen ein Buch zu machen. Losgelöst vom großen Jubiläum 2016, griffen wir das Thema zum 650. Jubiläum 2017 auf.

Welche Schwerpunkte haben Sie dabei gesetzt?

Unser Ziel war es, zwei Gruppen von Menschen anzusprechen. Zum einen dem "begeisterten Böhmenbesucher" neue Ziele aufzeigen. Zum anderen, neue Besuchergruppen zu motivieren und diese zu fragen: "Waren Sie schon mal in Böhmen?" und "Machen Sie sich auf alten Wegen auf Suche nach neuen oft unberührten Zielen." Mehr als 1000 Jahren existiert Böhmen als einheitliches politisches Territorium. Unser Endziel von Nürnberg aus ist die "Goldene Stadt" Prag mit der Moldau. Im Focus haben wir natürlich auch die Oberpfälzer und Franken, denn für viele sind die jeweiligen Landschaften und Orte "Terra incognita".

Nach welchen Kriterien haben Sie die Sehenswürdigkeiten abseits der Route ausgewählt?

Es sind vor allem Gründe von Wegführungen, besonders auf tschechischer Seite. Hier mussten wir abweichend Ziele aufnehmen, die den Verkehrsfluss nicht beeinträchtigen. Auf Landstraßen mit Verkehr zu wandern durfte nicht sein. Ein Beispiel ist der Weg von Tachov nach Stríbro. Es geht nur über einen Umweg über den kleinen, historisch interessanten und vollkommen unbekannten Ort Svojsin mit seinem Schloss, das bis 1945 der in der Oberpfalz lebenden Familie von Podewils gehörte und das wildromantische Tal der Myse (Mies). Erfährt der Wanderer dazu noch, dass die Besitzer des Schlosses der früheren Burg Svojsin zu den größten Unterstützern des böhmischen Reformators Jan Hus gehörten, dann wird der Weg von den Spuren von Hus durch Prag transparenter.

Besonders positiv an dem Buch ist, dass man die Straße mit dem Auto oder Fahrrad erkunden oder auch erwandern kann. Wie wichtig waren Ihnen diese Möglichkeiten?

Jeder soll auf seine Kosten kommen, ob Wanderer, Radfahrer, Einzel- und Gruppenreisende, aber auch Familien mit Kindern. Wichtig für uns: Es bleibt jedem unbenommen, den für ihn richtigen Reiseweg zu finden. Notwendig macht dies aber auch die Streckenführung. Viele Ziele sind von Nürnberg und umgekehrt von Prag aus mit dem Zug zu erreichen. Zwischen der Bahnhalte Neustadt/WN oder Altenstadt/WN (nahezu stündlich von Nürnberg aus zu erreichen) und Tachau/Stríbro liegt ein schienenloser Weg. Die Wanderung von Tachau nach Stríbro mit rund 45 Kilometern ist wandermäßig an einem Tag kaum machbar, da es unterwegs auch keine Übernachtungsmöglichkeit gibt. Die Lösung bringt die tschechische Bahn, die auch noch im ländlichen Bereich fährt. So kann der Wanderer in Svojsin in den Zug nach Stríbro steigen, dort finden sich gute Übernachtungsmöglichkeiten.

Haben Sie einen persönlichen Geheimtipp "Das sollte man unbedingt gesehen haben"?

In Franken die Sebalduskirche mit der Königspforte. In der Oberpfalz eine Wanderung auf der Originalroute der Goldenen Straße von Neustadt/WN über den Rastenhof mit einem Blick auf die Reste der Turmhügelburg im Scheitlerhof und dann weiter zur Lobkowitzer Kirche St. Quirin. In Böhmen die Wanderung auf historischen Pfaden von Starý Plzenec (Altpilsen) über den Berg Hurka, vorbei an der romanischen Rotunde zur Burgruine Radyne.

Buchvorstellung: "650 Jahre Goldene Straße": Mittwoch, 21. Juni (19 Uhr), in Tirschenreuth im "Musl Saal" der ehemaligen Brauerei Kühn; Donnerstag, 29. Juni (19 Uhr), im Stadtarchiv Weiden; Donnerstag, 14. September (19 Uhr), in der Buchhandlung Dorner.

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