15.11.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weitradler Florian Jäger berichtet beim Alpenverein über seine Tour: 8500 Kilometer im Sattel durch die Welt

Florian Jäger ist ein Weitradler. 4500 Kilometer mit dem Fahrrad durch Georgien sind kein Problem für ihn. Oder weitere 4000 Kilometer durch Kasachstan, Kirgisistan, Armenien und den Iran. Über die zweite Etappe der Riesenradreise berichtet er nun beim Alpenverein.

Prächtige Moscheen wie diese in der ehemaligen persischen Hauptstadt Shiraz im Iran faszinieren den Radler aus Weiden. Bilder: exb (3)
von Autor FEIProfil

Als Startpunkt hatte Jäger die Millionenmetropole Almaty in Kasachstan ausgewählt. Die Stadt verfügt über eine vergleichsweise moderne Architektur, die Infrastruktur entspricht durchaus westlichen Standards. Das Panorama mit 4000 Meter hohen Bergen im Hintergrund bildet einen interessanten Kontrast zu den Gebäuden. Das zeigten die Bilder Jägers, der auch vom zwanglosen Kontakt mit den Einheimischen berichtet. "Die Frage nach dem nächsten Supermarkt endete schon mal bei einer Einladung zum privaten Abendessen."

Jäger unternahm zunächst ein paar Abstecher in das nahe gelegene Thianshan-Gebirge mit knackigen 20-Prozent-Anstiegen, bevor er in südöstlicher Richtung zum gigantischen Yssyk Kul See nach Kirgisistan radelte, in den über 110 Flüsse münden. Der Salzwassersee verfügt über eine Fläche von mehr als 6200 Quadratkilometer und ist damit mehr als elf Mal so groß wie der Bodensee. Selbst bei Lufttemperaturen von minus 20 Grad Celsius gefriert der auf rund 1700 Metern Höhe gelegene See aufgrund seines Salzgehaltes nicht. "Ich schätzte die zahlreichen heißen Quellen im Umfeld des Sees, die zum Baden und Aufwärmen einluden."

Auf 4543 Meter Höhe

Im weiteren Verlauf nahm Jäger den Moldo-Ashuu-Pass mit etlichen Spitzkehren und 3446 Meter Höhe unter die Pedale. Seine längste Tagestour führte in die kirgisische Hauptstadt Bischkek, deren Stadtbild nach wie vor stark sowjetisch geprägt ist. Jäger nutzte einige Tage in der Stadt zu Erholung und für eine Bergtour im Ala-Archa-Nationalpark inklusive der Besteigung des 4543 Meter hohen Uchitel. Per Flugzeug kehrte der Radler ins georgische Tiflis zurück, um von dort nach Armenien und in den Iran zu touren.

Armenien, das älteste christlich geprägte Land, das über eine eigene armenische Schrift verfügt, ist wenig wohlhabend, aber reich an kulturellem Erbe. Die Grenzen im Westen zur Türkei und im Osten nach Aserbaidschan sind nahezu vollständig abgeschottet. Beeindruckend waren für Jäger die wuchtigen Klosteranlagen aus dem 12. und 13. Jahrhundert, die nicht selten in schier atemberaubend herrlicher Lage erbaut wurden. Eine weitere Station war der Sewansee auf 1900 Metern Höhe, der größte Süßwassersee im gesamten Kaukasus, bevor Jäger in der quirligen Hauptstadt Eriwan eintraf.

Große Gastfreundschaft

Schließlich tourte der Radler über den gebirgigen Süden Armeniens bis nach Täbris im Iran. Nach einer 1500 Kilometer langen Busfahrt in den Iran sattelte Jäger erneut sein Bike, um die nach seinen Worten "klassische Iranroute" mit Shiraz, Isfahan und Yazd abzuradeln, bevor er aus der iranischen Hauptstadt Teheran zurückfliegen wollte. In der ehemaligen persischen Hauptstadt Shiraz faszinierten ihn die orientalische Architektur, die prächtigen Moscheen mit detailreichen Mosaiken.

Danach durchquerte er das Zagrosgebirge, in dem sich karge Landschaften mit teils bewaldeten Regionen und Tälern, in denen Reis angebaut wird, abwechseln. Vor allem in den ländlichen Regionen war Jäger eine begehrte Foto-Attraktion und wurde häufig mit Obst, Süßigkeiten oder Tee beschenkt. In Isfahan gefielen Jäger die historischen Prachtbauten, die beeindruckende Freitagsmoschee und der lebhafte Basar. Von der Route nach Yazd zeigte er tolle Aufnahmen der dort vorherrschenden Sandwüste. "Und auch im Iran traf ich ausnahmslos auf große Gastfreundschaft." So habe ihm eine Familie, bei der er zuvor genächtigt hatte, Reiseproviant über rund 30 Kilometer hinterhergefahren. Überhaupt habe ihn während seiner rund 8500 Kilometer langen Radreise viel Freundlichkeit begleitet. Mehr als jede zweite Nacht verbrachte er privat bei Familien nach spontanen Einladungen oder Weiterempfehlungen.

Die zahlreichen Zuhörer dankten Jäger für den unterhaltsamen Vortrag mit anhaltendem Applaus. Im Anschluss beantwortete der Radler geduldig zahlreiche Fragen.

 

 

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