03.04.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

5. Symphonie von Anton Bruckner als klangstarkes Ostergeschenk Orchester jung an Jahren, reif an Klangfülle

Dramatisch und aufwühlend, mit tiefgründigen emotionalen Gegensätzen: Die Internationale Junge Orchesterakademie (IJOA) fesselt die Zuhörer in der ausverkauften Max-Reger-Halle. Die 97 jungen Musiker aus 37 Nationen bereiten mit der titanenhaften 5. Symphonie von Anton Bruckner ein klangstarkes Ostergeschenk.

Im wahrsten Sinne des Worts "den Bogen raus" hat die Internationale Junge Orchesterakademie. Bei der gewaltigen 5. Symphonie von Anton Bruckner gibt sie der tiefen Gegensätzlichkeit des Werks einen großartigen Ausdruck. Bild: Helmut Kunz
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Weiden/Pleystein. Es überrascht auch im 24. Jahr, mit welch innigem Verständnis und leidenschaftlichem Einsatz die in aller Welt verstreuten Musiker zu einem mächtigen Orchester zusammenfinden: nach nur einer Woche intensiver Probenarbeit.

Hier kommt der seit 2013 bei der Orchesterakademie wirkende Dirigent Matthias Foremny ins Spiel. Mit einer bemerkenswerten Fröhlichkeit versteht es der international renommierte Dirigent, die Talente und Gaben seines heterogenen Ensembles zu fordern und zu formen. Es ist das Verdienst von Dirigent Foremny, dass sich dieses global zusammengewürfelte Orchester nicht nur zu ganzer Fülle entfaltet und verschmilzt. Es bringt all die subtilen Momente dieses überaus schwierigen Werks einfühlsam zum Ausdruck.

Rotarische Ideale

"Hochkultur gibt es nicht nur in München", betont eingangs der Vorsitzende der Internationalen Jungen Orchesterakademie, Professor Ulrich S. Schubert mit Blick auf die nächsten Aufführungsorte der Bruckner-Symphonie in Selb, Jena und Leipzig. Der Bayerische Rundfunk zeichnet das Konzert in der Weidener Max-Reger-Halle auf, insgesamt das 38. der IJOA an dieser Stätte.

In Zeiten von Krieg und Terror in aller Welt verweist Schubert auf die Musik als "musikalische Sprache, um Grenzen zu überwinden". Von Anfang an sponsert der Rotary Club Weiden dieses weltumspannende, kulturelle und soziale Großprojekt. Club-Präsident Dr. Rainer Wagner unterstreicht, dass die wegweisende Umsetzung voll und ganz den rotarischen Idealen entspreche. Die 97 Musiker spielen in einer fabelhaften Homogenität zusammen. Sie erwecken gleichsam die spätromantische "Seele" der erstmals 1935 in der Originalfassung aufgeführten 5. Symphonie. Nuanciert und sensibel bewältigt das Orchester diese höchst komplex-komplizierte Komposition. Es ist beileibe kein Werk zu entspanntem und lässigem Zurücklehnen. Es packt die Zuhörer und fordert volle Konzentration.

Furiose Dynamik

Eine einzige Passage erscheint selbst einem ansonsten klassikfernen Publikum vertraut. Der legendäre Gitarrist Jack White entlehnte für seinen Song "Seven Nation Army" die ersten sieben Töne des ersten Themas, das auch als Gassenhauer in den Fußballstadien regelrecht missbraucht wird.

Sequenzen der Niedergeschlagenheit, Bedrückung und Freudlosigkeit paart Anton Bruckner in den vier Sätzen der Symphonie mit geradezu folkloristisch wirkenden Tonfolgen. In Tempo und Lautstärke - in furioser Dynamik - erklimmt das Orchester energiegeladen die Höhen und durchwatet cool die Tiefen, jäh abstürzend und dann wieder himmelwärts jauchzend ... Dieses wahrliche Monumentalwerk wirkt in seiner symphonischen Struktur nie statisch. Die kühnen Kombinationen - etwa der Sonate mit der Fuge - überraschen über mehr als 80 Minuten immer von neuem mit Originalität.

Tosender Schluss-Applaus

Die Internationale Junge Orchesterakademie bringt bei der Aufführung den Genius des Komponisten Bruckner quasi auf die "Straße" beziehungsweise Bühne: Mit einer hingebungsvollen Spielfreude (Dirigent Matthias Foremny sei Dank!) und in einer erstaunlichen Perfektion, die manchem bekannten Profi-Orchester zur Ehre gereichen würde. Der Schwung der jungen Musiker reißt die Zuhörer mit.

Vor diesem Hintergrund verbietet sich jede Beckmesserei. Tosender, nicht enden wollender Beifall umfängt Orchester und Dirigenten. Die Internationale Junge Orchesterakademie - eine beispiellose regionale Kultur- und Sozial-Allianz - rollt mit diesem Konzert am Ostermontag einen fulminanten Klang-Teppich für ihr 25-jähriges Jubiläum 2019 aus.

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