03.05.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ärztepaar Woiczechowski-Fried erinnert sich vor über 100 Schülerinnen Berührende Begegnungen mit Zeitzeugen

Fußball, Ausgrenzung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Schülerinnen der Sophie-Scholl-Realschule erlebten bei der Ausstellung "Verehrt - Verfolgt - Vergessen" im Kulturzentrum Hans Bauer Geschichte. Über 100 Mädchen verfolgten zunächst die filmische Dokumentation über Kurt Landauer, Präsident des FC Bayern München.

Mit Humor und Herzlichkeit begegnen Dr. Alexander Fried und Dr. Dorothea Woiczechowski-Fried den Schülerinnen. Bild: exb
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Für die Veranstalter war es naheliegend, Schüler einzuladen und als Zeitzeugen das Ehepaar Dr. Alexander Fried und Dr. Dorothea Woiczechowski-Fried aus den dunklen Zeiten berichten zu lassen. Mit gebannter Aufmerksamkeit verfolgten die Schülerinnen über zwei Stunden lang die Ausführungen. Sie erfuhren von einer glücklichen Jugend, die Alexander Fried in der damaligen Tschechoslowakei erlebte, bis 1939 für ihn und seine Familie das Grauen begann: Flucht und Todesdrohungen und immer wieder Todesnähe. Mit nasser Stimme erwähnt er den Abschied von der Mutter, den Verlust der Freunde. Später warteten auf ihn Aufenthalte in drei Konzentrationslagern, dann der Todesmarsch und schließlich die Befreiung, kurz vor seinem 20. Geburtstag.

Fried erzählt aus seinem Leben trotz allem mit immer wieder heiterem Tonfall, berichtet von den Jahren danach. Er lehrte Europäische Geschichte in Prag, Halifax (Kanada) und Augsburg, lebte in Marienbad und Tel Aviv, jetzt in Tirschenreuth. Immer wieder flicht er grundsätzliche Überlegungen über Zeit und Gesellschaft ein und mahnt die jungen Mädchen, die Gedanken der Freiheit und des Friedens bewusst weiterzudenken. Gott ist für ihn kein leerer Begriff. Nur gelegentlich merkt man dem jung gebliebenen Professor seine 92 Jahre an, dann, wenn ihm seine Frau in freundlich dynamischer Kooperation die Stichworte zuwirft.

International tätig

Dr. Dorothea Woiczechowski-Fried fügt den Ausführungen ihre eigene Lebensgeschichte hinzu, die seit 15 Jahren gemeinsame Geschichte ist: Vor eineinhalb Jahren haben sie in Prag und Weiden geheiratet. Sie, deren Mutter Jüdin war, ist im Allgäu aufgewachsen, entstammt einer assimilierten Arztfamilie aus Berlin und Schlesien, die aber immer wieder die Schrecken des Nazi-Zeit zu spüren bekam, durch die Geschehnisse im Umfeld der Familie, aber auch durch ganz persönliche Erlebnisse. Ihre Arbeit als Kinderärztin, die sie auch selbstlos in Nairobi und auf den Philippinen ausübte, mag hier ihre tiefere Motivation haben. Moderator war Veit Wagner ("Weiden ist bunt").

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