01.11.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Al-Jones-Band vereint auf der Bühne Ein Leben für den Blues

Seine Wurzeln liegen in Weiden: Hier machte Al Jones seine ersten Gehversuche in Sachen Blues. Vor vierzig Jahren gründete er in München seine Band mit der er durch ganz Europa tourte. Im Salute Club standen sie wieder gemeinsam auf der Bühne.

"Klassentreffen" nach vierzig Jahren: Die Al-Jones-Blues-Band in ihrer Urbesetzung mit Oskar Pöhnl (Schlagzeug), Johann Fliegauf (Mundharmonika) und Bernhard Schönke (Bass) , verstärkt durch Yvonne Isegrei (Gitarre), auf der Bühne im Salute Club. Bild: Reitz
von Louis ReitzProfil

"All your love I miss loving" - bei diesem Song werden Erinnerungen wach. An eine Zeit, als Hippies und Woodstock den musikalischen Geschmack der Jugend prägten. An die legendären "Cola-Bälle" im Josefshaus, an Konzerte im Jugendheim und im Gasthof Strehl, bei denen man oft die Musiker auf der Bühne hinter den dichten Rauchschwaden kaum erkennen konnte. Seit fünfzig Jahren ist diese Komposition von Otis Rush, der mit dem "American Folk Blues Festival" 1966 durch Europa tourte, auch das Markenzeichen von Al Jones. Als Jugendlicher hatte er diese Konzertaufzeichnung im Fernsehen gesehen und war mit dem Blues-Virus infiziert. Nach ersten Anfängen in Weiden und einer kurzen Episode mit der Rock-Gruppe "Embryo" gründete Al Jones 1977 seine erste professionelle Band in München.

"Reunion" im Salute

Glückliche Umstände führten dazu, dass alle vier Musiker dieser "Urbesetzung" der Al-Jones-Blues-Band wieder vereint auf der Bühne im Salute stehen. Noch intensiver und packender wirken die Songs. Al Jones Stimme hat in all den Jahren an Tiefe und Ausdrucksstärke gewonnen, sein Gitarrenspiel ist virtuos und trotzdem erdig. Oskar Pöhnl sorgt am Schlagzeug für den mitreißenden Groove, seine Breaks und Einwürfe wirken spontan und geben der Band ihren kraftvollen Beat.

Berhard Schönke spielt eine schnörkellosen Elektrobass, und bildet zusammen mit dem Schlagzeug eine Rhythmusmaschine von ungeheurer Kraft. Nachdem Jones in den letzten Jahren vor allem mit Saxofonisten liiert war, wirkt die Mundharmonika wieder luftig und frisch. Johann Fliegauf beherrscht sein Instrument souverän und besonders in den Dialogen von Gitarre und Mundharmonika drängen sich Vergleiche mit den "Blues Brothers" Junior Wells und Buddy Guy auf. Alles wirkt wie aus einem Guss, die Musiker spornen sich gegenseitig an und spielen sich Ideen zu. Chicago-Blues par excellence!

Klassiker neu aufgelegt

Nach einigen Stücken in Quartett-Besetzung gesellt sich Yvonne Isegrei zu den alten Haudegen. Die Gitarristin der regulären Band, mit der auch die aktuelle CD eingespielt wurde, macht deutlich, dass die Zeit nicht stehen geblieben ist. Der Sound wird dichter, die Gruppe wechselt sich solistisch auf der Gitarre ab, und gelegentlich geht Isegrei ans Mikrofon und zeigt, dass auch die junge Generation den Blues beherrscht. "Have you ever had the Blues", ein Titel von Lloyd Price, lautet ihr gesangliches Bekenntnis.

Bei "I just wanna make love to you", ein Klassiker aus der Feder von Willie Dixon, übernehmen Al Jones und Isegrei abwechselnd den Gesangspart. Wechselnde Rhythmen und Tempi, lange Gitarrensoli und erdige Mundharmonika-Phrasen steigern die Spannung.

Das Repertoire setzt sich aus einer gesunden Mischung von Standards und Eigenkompositionen zusammen, wobei "Bittersweet" in Richtung Funk angelegt ist. Die Eigenkomposition "In time - right time - any time" widmet Al Jones der Blues-Ikone Louisiana Red, mit dem er in den 80er Jahren oft gemeinsam auf Tournee war. Das Stück basiert auf lediglich einem Akkord, eine Tradition aus den ländlich geprägten Gebieten im tiefen Süden der USA, wo der Blues in erster Linie Tanzmusik als Ausgleich zur Feldarbeit war. Eine Nummer, die unter die Haut geht, ist auch B. B. Kings "Sweet Little Angel". Gesang und Gitarrenstimme verschmelzen hier zu einem Ganzen mit hoher emotioneller Aussage.

Der Blues ist eine zeitlose Musik ohne Verfallsdatum. Ähnlich wie guter Wein wird er mit den Jahren immer besser und wertvoller. Al Jones ist einer der besten Botschafter dieser Musik. Er lebt den Blues und vermittelt ihn authentisch auf höchstem Niveau. Das Publikum im Salute ist begeistert und lässt die Musiker erst nach einigen Zugaben von der Bühne.

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