"Alles über Liebe" bei der Kulturbühne
"Ihr müsst miteinander reden"

Therapeutisch geht es bei der Komödie "Alles über Liebe" in der Max-Reger-Halle zu. Die Schauspieler Tanja Schuhmann, Renan Demirkan und Giovanni Arvaneh (von links) versuchen den Ehealltag zu bearbeiten. Bild: Helmut Kunz

Ein einzig böses Weib lebt höchstens in der Welt: Nur schlimm, dass jeder seines für dieses einz'ge hält". Mit diesem Sinngedicht hat Lessing möglicherweise eine haarscharfe literarische Steilvorlage geliefert für die Kurzbeschreibung von Beziehungskrisen. Das Thema ist hunderte Male Thema von Bühnenstücken bis in unsere Tage.

Stephan Eckels Versuch ist natürlich nicht so poetisch wie der von Meister Lessing. Das Stück mit seinem eher nüchternen Titel "Alles über Liebe", das die Kulturbühne am Dienstagabend in der Max-Reger-Halle präsentiert, kann aber als unbedingt treffsicher und vergnüglich bezeichnet werden. Das Publikum jedenfalls amüsiert sich, wenn auch die meisten Lacher daraus resultieren, dass Sie und Er im Publikum ihre eigenen Erfahrungen auf der Beziehungsebene wiedererkennen.

In Eckels Komödie haben wir es mit einem Klassiker zu tun. Carlos, 69, verheiratet, zwei Kinder (nach Selbstauskunft) und seine Frau Anna glauben, dass nur noch eine Therapie die in die Jahre gekommene Ehe retten kann. Ihr Problem ist das vieler Paare: Sie fühlt sich nicht verstanden, genügend berücksichtigt. Er wehrt sich dagegen, an allem schuld sein zu sollen.

Als Therapeutin haben sie sich ausgerechnet die filigrane, zartbesaitete Edeltraut Mayer-Wölk ausgesucht, die den Eindruck vermittelt, als sei sie hoffnungslos überfordert. Auf jeden Fall wird sie von einem Berg von Gefühlen beherrscht, der jeden Augenblick auf sie herabzustürzen droht. Das Paar indessen kommt gleich zur Sache. Die Aufforderung, erst einmal zu reden, scheint einen Stöpsel von einer Flasche mit hochbrisantem Inhalt zu lösen.

Was in dreizehn Jahren in täglicher Auseinandersetzung zwischen Küche, Kindergarten und Schwiegermutter angestaut ist und sich ständig in immer neuen Variationen wiederholt, bricht sich im Behandlungszimmer Bahn. Sie listet aggressiv und lautstark ihre Vorwürfe auf und bündelt sie zu der Behauptung, dass ihr Mann sie nicht ernst nehme. Er wehrt sich lautstark, argumentiert, versucht, sie verbal niederzuknüppeln. Die Fetzen fliegen. Der Verbrauch von Taschentüchern ist enorm.

Nervige Bekannte

Anna leidet unter dem Wahnsinn einer Mutter-Kind-Tanzgruppe und den Anforderungen von Kindergartenfesten. Carlos kämpft um seine Selbstachtung als Mann. In der Auseinandersetzung übertreffen sich die aufgezählten Ereignisse an Kuriosität. Nach den Episoden aus dem Eheleben folgen die Urlaubserlebnisse mit nervigen Bekannten. Die Praktikantin des Ehemannes wird thematisiert. Er streitet alles ab. Ausführlicher wird es dann im Abschnitt "Schwiegermutter", hier vor allem der geschmacksneutrale Kartoffelsalat der Frau. Die Therapeutin, offensichtlich entnervt, scheint jedes Mal um ihr Leben zu fürchten, wenn Carlos aggressiv und gestenreich argumentiert und sich ihr laut nähert.

Des Rätsels Lösung

Das Publikum darf dann erleben, wie die geplagte Frau sich outet, sozusagen aus der Schule plaudert, in Tränen ausbricht. Doch die Übungen, einschließlich einer schier unglaublichen Hypnotisierung scheinen Erfolg zu zeigen. Und geradezu erstaunen muss das Auditorium, als die Therapeutin des Rätsels Lösung verkündet: "Aber ihr müsst miteinander reden."

Im Drei-Personen-Stück ziehen die Darsteller alle Register der Schauspielkunst. Als Therapeutin schwebt Renan Demirkan fast wie ein Schleier über die Bühne, lässt ahnen, in welche Untiefen sie mit dieser Figur geraten ist. Tanja Schumann ist eine temperamentvolle Frau, die sich nicht damit zufrieden geben will, was ihr der Ehe-Alltag übrig gelassen hat. Und Giovanni Arnaveh übt sich zum Vergnügen des Publikums in hemmungsloser Reflexion, die bisweilen ins Urkomische gerät.

Die Regie von Jürgen Schlachter sichert der Aufführung, die 2016 im Amberger Stadttheater eine bemerkenswerte Premiere hatte, die Echtheit einer erlebten Beziehung und eine therapeutische Atmosphäre, die es in der Konstellation vermutlich nicht gibt im wirklichen Leben. Es ist eben eine Satire, der es gelingt, die amüsanten, aber bisweilen auch bitterbösen wesentlichen Elemente herauszuarbeiten. Der Wiedererkennungswert dieses Stückes ist auf jeden Fall immens, aber immerhin vergnüglich. Das Stück hätte gewiss mehr Zuschauer verdient. Die, die da sind, spenden jedenfalls begeisterten und anhaltenden Beifall.
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